Makuladegeneration

Makuladegeneration

Die Makuladegeneration ist eine Augenkrankheit, bei der die Stelle des schärfsten Sehens in der Netzhaut allmählich zerstört wird. Betroffene sehen in der Mitte des Blickfelds einen verschwommenen oder dunklen Fleck, während der Rand erhalten bleibt.

Hinten im Auge liegt eine dünne Schicht aus lichtempfindlichen Zellen. Sie nimmt das einfallende Licht auf und wandelt es in Signale für das Gehirn um. In der Mitte dieser Schicht gibt es einen winzigen Bereich, der besonders dicht mit solchen Zellen besetzt ist. Nur dort sieht man wirklich scharf, also etwa beim Lesen oder beim Erkennen eines Gesichts. Bei der Makuladegeneration gehen genau in diesem kleinen Bereich nach und nach Zellen zugrunde. Das Ergebnis ist ein unscharfer oder dunkler Fleck mitten im Blickfeld, während man am Rand weiterhin etwas sieht.

Die häufigste Ursache für Erblindung im Alter

In Deutschland leben nach Schätzungen mehrere Millionen Menschen mit einer frühen Form der Erkrankung. Bei den über 75-Jährigen ist etwa jeder Dritte in irgendeiner Form betroffen. In den reichen Ländern ist die Makuladegeneration damit der häufigste Grund, warum ältere Menschen ihr Sehvermögen weitgehend verlieren. Weil die Bevölkerung immer älter wird, steigen diese Zahlen weiter.

Der Verlust trifft ausgerechnet die Fähigkeiten, die den Alltag selbstständig machen. Lesen, Autofahren, Kochen, das Erkennen von Bekannten auf der Straße: All das hängt am scharfen Sehen in der Mitte. Vollständige Blindheit entsteht dagegen fast nie, weil das Sehen am Bildrand erhalten bleibt. Betroffene finden sich also weiter im Raum zurecht, können aber ein Buch oder ein Preisschild nicht mehr entziffern.

Für die Wirtschaft ist die Krankheit auch deshalb ein Thema, weil die Behandlung teuer ist. Medikamente gegen die aggressive Form gehören seit Jahren zu den umsatzstärksten Präparaten der Pharmabranche weltweit. Gleichzeitig ist die Augenheilkunde eines der Felder, in denen künstliche Intelligenz früh praktisch eingesetzt wurde.

Trockene und feuchte Form

Man unterscheidet zwei Verläufe. Bei der trockenen Form lagern sich unter der Netzhaut Stoffwechselabfälle ab, kleine gelbliche Ablagerungen. Die Versorgung der Sehzellen verschlechtert sich, sie sterben über Jahre langsam ab. Rund 85 Prozent aller Fälle gehören zu dieser Gruppe. Sie schreitet langsam voran, und es gibt bislang kaum wirksame Medikamente dagegen.

Die feuchte Form ist seltener, aber gefährlicher. Hier wachsen neue, undichte Blutgefäße in die Netzhaut hinein. Aus ihnen tritt Flüssigkeit aus, das Gewebe schwillt an, das Sehen kann innerhalb von Wochen deutlich schlechter werden. Behandelt wird mit Spritzen direkt ins Auge, die das Wachstum dieser Gefäße bremsen. Die Injektionen müssen regelmäßig wiederholt werden, oft über Jahre hinweg.

Ein häufiges Missverständnis: Makuladegeneration ist nicht dasselbe wie der Graue Star. Beim Grauen Star trübt sich die Linse vorne im Auge ein, und eine Operation stellt das Sehen meist wieder her. Bei der Makuladegeneration ist dagegen Nervengewebe zerstört, und das wächst nicht nach. Man kann das Fortschreiten bremsen, den Verlust aber nicht rückgängig machen.

Netzhautbilder als Testfeld für Diagnose-Software

Bei einer Augenuntersuchung entstehen Aufnahmen der Netzhaut, unter anderem Schnittbilder, die die einzelnen Gewebeschichten zeigen. Auf diesen Bildern lassen sich Ablagerungen und Flüssigkeitsansammlungen erkennen. Genau solche Bilder eignen sich gut für Programme, die aus vielen Tausend Beispielen gelernt haben, Muster zu erkennen. Mehrere Systeme dieser Art sind in Europa bereits als Medizinprodukt zugelassen.

In Meldungen aus der Technikbranche taucht die Krankheit deshalb regelmäßig auf. Bekannt wurde eine Zusammenarbeit von Googles KI-Tochter DeepMind mit einer Londoner Augenklinik, deren Software Netzhautbilder auswertete und Empfehlungen zur Dringlichkeit einer Behandlung gab. Andere Projekte versuchen vorherzusagen, bei welchen Patienten die trockene Form in die feuchte übergeht. Der praktische Nutzen liegt in der Vorsortierung: Augenärzte sind knapp, und die Zahl der Untersuchungen wächst schneller als die Zahl der Fachleute.

Im Alltag begegnet man dem Thema außerdem bei einem einfachen Selbsttest, dem Amsler-Gitter. Man betrachtet mit einem Auge ein Karomuster mit einem Punkt in der Mitte. Erscheinen die Linien wellig oder fehlen Stellen, ist das ein Warnzeichen. Als Risikofaktoren gelten hohes Alter, Rauchen und familiäre Veranlagung.

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