Multiple

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Ein Multiple ist eine Verhältniszahl, die den Preis eines Unternehmens ins Verhältnis zu einer seiner Geschäftszahlen setzt, etwa zum Gewinn oder zum Umsatz. Es zeigt, wie viel Anleger für einen Euro Gewinn oder Umsatz zu zahlen bereit sind, und macht verschieden große Firmen vergleichbar.

Ein Multiple ist eine einfache Division. Man teilt den Preis eines Unternehmens durch eine Zahl aus dessen Geschäft, zum Beispiel durch den Jahresgewinn. Kostet eine Firma 100 Millionen Euro und verdient sie 10 Millionen im Jahr, liegt das Multiple bei 10. Man sagt dann: Die Firma wird mit dem Zehnfachen ihres Gewinns bewertet. Genauso kann man den Preis durch den Umsatz teilen, also durch alles, was das Unternehmen im Jahr einnimmt. Der Sinn dahinter ist immer derselbe: Eine große und eine kleine Firma sollen vergleichbar werden.

Warum 100 Millionen Euro Preis noch gar nichts sagen

Der reine Preis eines Unternehmens ist eine nutzlose Information. Ein Konzern mit 50 Milliarden Euro Wert kann günstig sein, ein Start-up mit 20 Millionen kann maßlos überteuert sein. Erst das Verhältnis zu den tatsächlichen Einnahmen macht daraus eine Aussage. Deshalb reden Analysten fast nie über absolute Preise, sondern über Multiples.

Multiples sind außerdem die schnellste Art, Firmen derselben Branche gegeneinanderzuhalten. Wenn drei Softwarehersteller mit dem Fünffachen ihres Umsatzes bewertet werden und ein vierter mit dem Fünfzehnfachen, fällt das sofort auf. Entweder erwartet der Markt bei dieser Firma viel stärkeres Wachstum. Oder sie ist schlicht zu teuer. Die Zahl liefert die Frage, nicht die Antwort.

In der Tech-Berichterstattung tauchen Multiples besonders oft auf, weil viele KI-Firmen noch keinen Gewinn machen. Wo kein Gewinn da ist, kann man auch nicht durch ihn teilen. Man weicht dann auf den Umsatz aus. Genau deshalb hört man bei KI-Start-ups ständig Sätze wie „bewertet mit dem Vierzigfachen des Umsatzes“.

Die Rechnung hinter der Zahl

Oben in der Rechnung steht der Preis. Bei börsennotierten Firmen ist das meist die Marktkapitalisierung, also der Aktienkurs mal die Anzahl aller Aktien. Bei nicht börsennotierten Unternehmen ist es die Bewertung aus der letzten Finanzierungsrunde, also der Preis, den Investoren zuletzt bezahlt haben. Unten steht die Geschäftszahl, durch die geteilt wird.

Das bekannteste Multiple ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis, abgekürzt KGV. Es teilt den Aktienkurs durch den Gewinn pro Aktie. Ein KGV von 25 bedeutet vereinfacht: Bei gleichbleibendem Gewinn dauert es 25 Jahre, bis das Unternehmen den Kaufpreis erwirtschaftet hat. Daneben gibt es das Umsatz-Multiple und Kennzahlen, die vor Zinsen und Steuern rechnen, um Länder und Finanzierungsformen vergleichbar zu machen.

Wichtig ist, ob man mit vergangenen oder erwarteten Zahlen rechnet. Nimmt man den Gewinn des letzten Jahres, spricht man von einem historischen Multiple. Nimmt man die Schätzung für nächstes Jahr, ist es ein Forward-Multiple. Wachsende Firmen sehen mit Zukunftszahlen deutlich günstiger aus. Wer zwei Multiples vergleicht, muss also prüfen, ob beide auf derselben Grundlage stehen.

Multiples in Schlagzeilen über KI-Firmen

Wenn in den Nachrichten steht, ein KI-Unternehmen sei mit 30 Milliarden Dollar bewertet worden, folgt fast immer der Zusatz, das entspreche dem Dreißigfachen des erwarteten Umsatzes. Genau dieser Zusatz ist das Multiple. Er ist der Grund, warum manche Beobachter von einer Blase sprechen. Traditionelle Softwarefirmen wurden über Jahre eher mit dem Fünf- bis Zehnfachen des Umsatzes bewertet.

Auch bei Firmenübernahmen sind Multiples der übliche Maßstab. Käufer schauen, zu welchem Multiple vergleichbare Firmen zuletzt den Besitzer gewechselt haben. Daraus leiten sie ihr eigenes Angebot ab. Dasselbe Verfahren nutzen Banken, wenn sie einen Börsengang vorbereiten und einen Ausgabepreis festlegen müssen.

Ein verbreiteter Irrtum ist, ein niedriges Multiple bedeute automatisch ein Schnäppchen. Oft ist es ein Warnsignal, weil der Markt schrumpfende Umsätze erwartet. Umgekehrt kann ein hohes Multiple gerechtfertigt sein, wenn eine Firma jedes Jahr ihren Umsatz verdoppelt. Ein Multiple ist deshalb kein Urteil, sondern eine verdichtete Erwartung an die Zukunft.

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