
Groupon
Groupon ist eine Internetplattform, die stark verbilligte Gutscheine für Restaurants, Friseure, Ausflüge oder Kurse verkauft. Das Unternehmen aus Chicago war um 2011 eine der am schnellsten wachsenden Firmen der Welt und gilt heute als Lehrstück über Geschäftsmodelle, die zu schnell wachsen.
Groupon ist eine Website und App, auf der man Gutscheine für örtliche Anbieter kauft. Ein Restaurant bietet dort zum Beispiel ein Menü für 20 Euro an, das sonst 40 Euro kostet. Man bezahlt den Gutschein online und löst ihn später vor Ort ein. Der Name setzt sich aus den englischen Wörtern für Gruppe und Coupon zusammen, also Gutschein. Ursprünglich kam ein Angebot nämlich nur zustande, wenn sich genug Käufer dafür fanden. Die Firma wurde 2008 in der US-Stadt Chicago gegründet und ist heute in mehreren Dutzend Ländern aktiv.
Der schnellste Aufstieg und der tiefe Fall
Groupon wuchs zwischen 2009 und 2011 schneller als fast jedes Unternehmen davor. Der Umsatz stieg innerhalb von zwei Jahren von wenigen Millionen auf über eine Milliarde Dollar. Google bot 2010 rund sechs Milliarden Dollar für die Firma. Die Gründer lehnten ab und gingen stattdessen 2011 an die Börse. Beim Börsengang war Groupon fast 13 Milliarden Dollar wert.
Danach ging es steil bergab. Der Aktienkurs verlor über die Jahre mehr als 95 Prozent seines Wertes. Der Gründer Andrew Mason wurde 2013 vom Aufsichtsrat entlassen. In seiner öffentlichen Abschiedsmail schrieb er trocken, er sei gefeuert worden.
Genau deshalb taucht Groupon bis heute in Wirtschaftsnachrichten auf. Der Fall zeigt, dass schnelles Wachstum und schnelles Geld noch kein tragfähiges Geschäft ergeben. Wer über junge Technologiefirmen mit hohen Bewertungen diskutiert, nennt Groupon oft als Warnbeispiel.
Wie aus einem Rabatt Geld wird
Das Grundprinzip ist einfach. Ein Anbieter gibt einen sehr hohen Rabatt, oft 50 Prozent oder mehr. Von dem, was der Kunde zahlt, behält Groupon einen Teil ein, häufig etwa die Hälfte. Beim 20-Euro-Gutschein bleiben dem Restaurant also nur rund zehn Euro für ein Menü im Wert von 40 Euro.
Der Anbieter macht mit diesem Verkauf also bewusst Verlust. Er hofft, dass die Gutscheinkäufer zu Stammkunden werden. Genau das funktionierte in der Praxis oft nicht. Viele Nutzer sammelten nur die Schnäppchen und kamen nie wieder. Manche kleinen Läden wurden von der plötzlichen Kundenflut sogar überfordert.
Dazu kam ein zweites Problem. Für Groupon selbst waren die Kosten hoch, weil tausende Verkäufer nötig waren, um lokale Betriebe einzeln zu überzeugen. Diese Arbeit ließ sich schlecht automatisieren. Konkurrenten konnten das Modell außerdem leicht kopieren, weil dahinter keine schwer nachbaubare Technik steckte.
Groupon als Stichwort in heutigen Debatten
Die Plattform gibt es weiterhin. In Deutschland findet man dort vor allem Gutscheine für Wellness, Restaurants, Kurse und Kurzreisen. Das Unternehmen ist heute deutlich kleiner als früher und versucht seit Jahren, sich neu auszurichten.
Wichtiger ist der Begriff inzwischen als Vergleichsmaßstab. Wenn eine App rasant wächst, aber jede Bestellung Geld kostet statt bringt, fällt schnell der Vergleich mit Groupon. Ähnliche Fragen stellen sich heute bei Lieferdiensten und bei manchen KI-Anbietern, deren Rechenkosten pro Nutzer höher sind als die Einnahmen.
Ein häufiger Irrtum ist, Groupon sei einfach an schlechter Technik gescheitert. Das trifft es nicht. Gescheitert ist die Annahme, dass Rabattjäger treue Kunden werden. Wer Nachrichten über Start-ups liest, kann sich daran eine nützliche Frage abschauen: Bleiben die Kunden auch dann, wenn der Rabatt wegfällt?