
GPL
Die GPL ist ein Lizenztext, der jedem erlaubt, ein Computerprogramm zu benutzen, zu verändern und weiterzugeben — unter der Bedingung, dass Weitergaben dieselben Freiheiten mitliefern. Sie ist die bekannteste Lizenz für frei verfügbare Software und steckt unter anderem im Betriebssystemkern Linux.
Wer ein Programm schreibt, besitzt daran automatisch die Rechte. Andere dürfen es also nicht einfach kopieren oder verändern. Mit einer Lizenz, also einem festen Text mit Erlaubnissen und Bedingungen, kann der Urheber diese Rechte weitergeben. Die GPL ist so ein Lizenztext, und zwar einer der bekanntesten der Welt. Sie erlaubt jedem, das Programm zu benutzen, zu untersuchen, zu verändern und weiterzugeben. Dafür stellt sie eine Gegenleistung: Wer das Programm weitergibt, muss den Empfängern dieselben Freiheiten einräumen und den lesbaren Programmtext mitliefern. Die Abkürzung steht für General Public License, ausgeschrieben also 'allgemeine öffentliche Lizenz'.
Warum aus Freiwilligkeit ein Rechtsdokument wurde
Bis in die 1980er Jahre gaben Programmierer ihren Code oft locker untereinander weiter. Dann begannen Firmen, Software nur noch in maschinenlesbarer Form zu verkaufen. Der lesbare Programmtext, der Quellcode, blieb geheim. Damit konnte niemand mehr Fehler selbst beheben oder das Programm an eigene Bedürfnisse anpassen.
Der Programmierer Richard Stallman veröffentlichte 1989 die erste GPL als Gegenmodell. Ihr Kniff ist eine Umkehrung: Sie nutzt das Urheberrecht nicht, um Kopieren zu verbieten, sondern um Offenheit zu erzwingen. Dieses Prinzip heißt Copyleft. Eine Firma darf GPL-Software also gerne verwenden und sogar verkaufen. Sie darf sie aber nicht in ein geschlossenes Produkt verwandeln, dessen Quellcode niemand mehr sieht.
Das ist der zentrale Unterschied zu anderen offenen Lizenzen wie MIT oder Apache. Diese erlauben ebenfalls fast alles, verlangen aber keine Offenlegung bei der Weitergabe. Wer MIT-Code nimmt, darf ihn in ein geheimes Produkt einbauen. Bei der GPL geht das nicht. Deshalb nennt man sie eine 'starke' oder 'ansteckende' Lizenz.
Was das Copyleft konkret verlangt
Die Pflichten der GPL greifen erst bei der Weitergabe an Dritte. Wer ein Programm nur intern verändert und im eigenen Haus nutzt, muss gar nichts veröffentlichen. Sobald man das veränderte Programm aber an Kunden ausliefert, gilt: Der vollständige Quellcode muss mitgeliefert oder zugänglich gemacht werden. Außerdem muss der Empfänger dieselben Rechte bekommen, die man selbst hatte.
Verbindet man GPL-Code eng mit eigenem Code, gilt das Ergebnis meist als ein einziges Werk. Dann fällt auch der eigene Teil unter die GPL. Genau davor haben Unternehmen Respekt, und deshalb prüfen große Firmen sehr genau, welche Lizenzen in ihren Produkten stecken. Für Verstöße gibt es Gerichtsurteile: In Deutschland hat unter anderem der Entwickler Harald Welte mehrfach erfolgreich gegen Router-Hersteller geklagt, die Linux-Code ohne Quelltext auslieferten.
Es gibt mehrere Fassungen. Die Version 2 von 1991 steckt bis heute in Linux. Version 3 von 2007 schließt zusätzlich Lücken, etwa Geräte, die zwar den Quellcode mitliefern, veränderte Software aber technisch am Starten hindern. Daneben existiert die LGPL, eine abgeschwächte Variante für Programmbausteine, die auch in geschlossene Software eingebunden werden dürfen.
GPL-Software im Alltag und in der KI-Debatte
Man begegnet der GPL täglich, ohne es zu merken. Der Kern des Betriebssystems Linux steht unter GPLv2 und läuft auf den meisten Servern des Internets. Auch in Routern, Fernsehern und Autos steckt oft GPL-Code. Deshalb liegt vielen Geräten ein Zettel mit Lizenzhinweisen bei, den kaum jemand liest.
In den Nachrichten taucht die GPL meist bei Streitfällen auf. Ein Beispiel ist die Debatte um Programmierhilfen wie GitHub Copilot: Diese KI-Systeme haben unter anderem aus GPL-Code gelernt und schlagen manchmal fast wörtlich passende Zeilen vor. Ob dabei die Lizenzpflichten mitwandern, ist juristisch bis heute nicht abschließend geklärt.
Ein häufiger Irrtum ist außerdem, 'GPL' und 'Open Source' seien dasselbe wie 'kostenlos'. Die GPL verbietet den Verkauf ausdrücklich nicht. Auch der Begriff 'Open-Source-KI-Modell' meint selten die GPL: Modelle wie Llama stehen unter eigenen Lizenzen mit Einschränkungen, die kein Copyleft enthalten.