
Interchange-Erlöse
Interchange-Erlöse sind die Einnahmen, die eine kartenausgebende Bank bei jeder Kartenzahlung vom Händler-Dienstleister erhält. Sie sind eine der wichtigsten Einnahmequellen von Neobanken und Bezahl-Apps und in der EU gesetzlich gedeckelt.
Wenn jemand im Supermarkt mit Karte bezahlt, sieht der Kunde nur einen Betrag. Im Hintergrund wird dieser Betrag aber aufgeteilt. Der Händler bekommt nicht die volle Summe, sondern zahlt einen kleinen Anteil an die beteiligten Unternehmen. Ein Teil davon geht an die Bank, die dem Kunden die Karte ausgestellt hat. Genau dieser Anteil heißt Interchange, und die Einnahmen daraus nennt man Interchange-Erlöse. Es geht dabei um kleine Prozentsätze, meist zwischen 0,2 und rund 1,5 Prozent des Kaufpreises.
Warum Bezahl-Apps ohne Kontogebühr überleben
Viele junge Finanzunternehmen bieten Girokonten und Karten kostenlos an. Das wirkt zunächst unlogisch, denn irgendwer muss den Betrieb bezahlen. Die Antwort liegt oft im Interchange: Je öfter Kunden ihre Karte zücken, desto mehr verdient der Anbieter. Das Konto ist also nicht wirklich gratis, es wird nur von der anderen Seite bezahlt, nämlich vom Handel.
Für Anleger und Journalisten ist diese Zahl deshalb ein wichtiger Gradmesser. Sie zeigt, wie aktiv die Kunden ein Angebot tatsächlich nutzen. Ein Anbieter mit einer Million Karteninhabern, die kaum bezahlen, verdient wenig. Ein Anbieter mit halb so vielen, aber sehr aktiven Kunden kann deutlich profitabler sein. In Quartalsberichten von Fintechs steht der Interchange-Anteil am Umsatz daher oft prominent.
Die Abhängigkeit hat aber eine Schattenseite. Interchange-Sätze sind politisch gesetzt und können gesenkt werden. Seit 2015 gilt in der EU eine Obergrenze: 0,2 Prozent bei Debitkarten und 0,3 Prozent bei Kreditkarten für private Kunden. Wer sein Geschäftsmodell allein darauf stützt, ist von einer einzigen Regel abhängig.
Der Weg des Geldes bei einer Kartenzahlung
An einer Kartenzahlung sind vier Parteien beteiligt. Der Kunde und sein Händler sind die sichtbaren beiden. Dazu kommt die Bank des Kunden, die die Karte herausgegeben hat, und der Zahlungsdienstleister des Händlers. Kartennetzwerke wie Visa oder Mastercard verbinden diese Parteien technisch und legen die Regeln fest.
Ein Beispiel mit runden Zahlen: Ein Kunde kauft für 100 Euro ein. Der Händler bekommt vielleicht 98,50 Euro gutgeschrieben, 1,50 Euro behält die Zahlungsbranche ein. Von diesen 1,50 Euro wandert der Interchange-Anteil an die Bank des Kunden. Ein kleinerer Rest geht an das Kartennetzwerk und an den Dienstleister des Händlers. Die Bank des Kunden trägt dafür das Risiko, dass der Kunde seine Rechnung nicht bezahlt.
Wichtig ist die Abgrenzung zu zwei ähnlichen Begriffen. Die Händlergebühr ist der gesamte Abzug, den der Laden spürt. Der Interchange ist nur der Teil davon, der bei der Kartenbank landet. Ein häufiger Irrtum ist außerdem, der Kunde zahle den Interchange direkt. Das stimmt nur indirekt, denn Händler kalkulieren die Kosten in ihre Preise ein.
Wo die Zahl in Nachrichten und Produkten auftaucht
Im Alltag begegnet man dem Thema bei Cashback-Angeboten. Wenn eine Bezahl-App ein Prozent des Umsatzes zurückerstattet, finanziert sie das meist aus ihren Interchange-Erlösen. Auch Bonusmeilen und Punkteprogramme von Kreditkarten stammen aus dieser Quelle. Deshalb sind die Prämien in den USA großzügiger als in Europa: Dort gibt es für Kreditkarten keine vergleichbare Obergrenze.
In Wirtschaftsnachrichten taucht der Begriff vor allem bei Fintech-Quartalszahlen auf. Unternehmen wie Revolut, N26 oder die Anbieter hinter Apple Pay und Google Pay verdienen an jeder Transaktion mit. Auch Gerichtsverfahren gegen Visa und Mastercard drehen sich regelmäßig um die Höhe dieser Entgelte. Wenn Regulierer eine Senkung ankündigen, reagieren die Aktienkurse der Zahlungsdienstleister oft sofort.