
IFPI
Die IFPI ist der weltweite Dachverband der Musikfirmen, die Aufnahmen produzieren und veröffentlichen. Sie sammelt Umsatzzahlen der Branche, geht juristisch gegen unerlaubte Kopien vor und tritt in der Debatte um KI-Musik als Stimme der Rechteinhaber auf.
Die IFPI ist ein internationaler Verband, in dem sich Firmen zusammengeschlossen haben, die Musikaufnahmen herstellen und verkaufen. Die Abkürzung steht für „International Federation of the Phonographic Industry“, also etwa: Internationaler Verband der Tonträgerindustrie. Mitglieder sind die drei großen Konzerne Universal Music, Sony Music und Warner Music sowie mehrere tausend kleinere Labels aus rund 70 Ländern. Der Verband wurde 1933 gegründet und hat seinen Hauptsitz in London. Seine Aufgabe ist es, die wirtschaftlichen Interessen dieser Firmen zu vertreten: gegenüber Regierungen, vor Gericht und in der Öffentlichkeit. Wichtig ist die Abgrenzung: Die IFPI vertritt nicht die Künstler selbst und auch nicht die Komponisten, sondern die Unternehmen, denen die Rechte an den fertigen Aufnahmen gehören.
Der Verband, der die Zahlen der Musikbranche setzt
Einmal im Jahr veröffentlicht die IFPI den Global Music Report. Darin steht, wie viel Geld die Musikindustrie weltweit eingenommen hat und woher es kam. Diese Zahlen gelten als der Standard, auf den sich Zeitungen, Banken und Politiker beziehen. 2024 lag der weltweite Umsatz mit aufgenommener Musik laut IFPI bei rund 29,6 Milliarden US-Dollar. Etwa zwei Drittel davon stammten aus dem Streaming, also aus Abo-Diensten wie Spotify oder Apple Music.
Für die Tech-Branche ist der Verband vor allem als Gegenspieler interessant. Er hat über Jahrzehnte Verfahren gegen Tauschbörsen, Download-Portale und Videoplattformen geführt. Wenn eine neue Technik das Kopieren von Musik erleichtert, meldet sich die IFPI meist innerhalb von Tagen zu Wort. Dieses Muster wiederholt sich gerade bei Programmen, die per Knopfdruck Musik erzeugen.
Denn solche Programme müssen mit riesigen Mengen bestehender Musik trainiert werden, um Muster zu lernen. Die IFPI vertritt die Position, dass dafür Lizenzen nötig sind, also bezahlte Erlaubnisse der Rechteinhaber. Mehrere ihrer Mitglieder haben deshalb Klagen gegen KI-Musikdienste eingereicht. Wie diese Verfahren ausgehen, entscheidet mit darüber, ob KI-Firmen künftig für Trainingsdaten zahlen müssen.
Von der Datensammlung bis zur Klage
Die Arbeit der IFPI beruht auf drei Werkzeugen. Das erste ist Statistik: Die Mitgliedsfirmen melden ihre Umsätze, der Verband rechnet sie zusammen und veröffentlicht sie gebündelt. Das zweite ist Lobbyarbeit, also der Versuch, Gesetze im eigenen Sinne zu beeinflussen. Der Verband unterhält Büros in Brüssel, wo EU-Recht entsteht, und kommentiert Gesetzentwürfe wie die europäische KI-Verordnung.
Das dritte Werkzeug ist die Rechtsdurchsetzung. Die IFPI betreibt Technik, die das Internet nach unerlaubt hochgeladenen Aufnahmen durchsucht. Findet sie welche, verschickt sie Löschanfragen an Plattformen und Provider. In größeren Fällen koordiniert sie Klagen mehrerer Mitgliedsfirmen, damit nicht jedes Label einzeln prozessieren muss.
Man kann sich den Verband wie eine gemeinsame Rechtsabteilung vieler Konkurrenten vorstellen. Universal und Sony kämpfen im Alltag um Marktanteile. Gegenüber einer Plattform, die ihre Kataloge ohne Erlaubnis nutzt, treten sie aber geschlossen auf. Genau darin liegt die Macht der IFPI: Sie bündelt Verhandlungsgewicht, das ein einzelnes Label nicht hätte.
Wo die Abkürzung in Nachrichten auftaucht
Am häufigsten liest man den Namen im Frühjahr, wenn der Global Music Report erscheint. Dann berichten Medien, welcher Künstler weltweit am meisten gestreamt wurde und wie stark der Markt gewachsen ist. Auch die Charts vieler Länder werden von IFPI-Landesgruppen erstellt oder beaufsichtigt. Die deutschen Gold- und Platin-Auszeichnungen für verkaufte Alben gehen auf Regeln zurück, die in diesem Rahmen festgelegt wurden.
In Tech-Meldungen erscheint der Verband dagegen fast immer im Streit. Typische Schlagzeilen betreffen Klagen gegen KI-Startups, Forderungen nach Kennzeichnungspflicht für künstlich erzeugte Songs oder Beschwerden über Plattformen, die zu wenig gegen Uploads tun. Ein wiederkehrendes Thema ist auch Stream-Ripping, also das Herunterladen von Musik aus Streaming-Videos.
Ein verbreiteter Irrtum ist, die IFPI sei eine Behörde. Das ist sie nicht. Sie ist ein privater Interessenverband und hat keine hoheitlichen Befugnisse, kann also niemanden bestrafen. Ihre Zahlen sind zudem Branchenzahlen, keine unabhängig geprüfte Statistik. Wer sie liest, sollte im Kopf behalten, wessen Interessen dahinterstehen.