
Pre-IPO-Runde
Eine Pre-IPO-Runde ist die letzte große Geldaufnahme eines Unternehmens, bevor seine Aktien an der Börse handelbar werden. Sie bringt meist mehrere hundert Millionen bis Milliarden von großen Investoren und legt die Preisvorstellung für den Börsengang fest.
Junge Firmen brauchen Geld, bevor sie Gewinn machen. Sie holen es sich, indem sie Anteile an Geldgeber verkaufen. Solche Geldaufnahmen nennt man Finanzierungsrunden, und eine Firma durchläuft davon oft fünf oder mehr. Die Pre-IPO-Runde ist die letzte davor, dass die Firma an die Börse geht. IPO steht für „Initial Public Offering“, also den ersten öffentlichen Verkauf von Aktien an jedermann. „Pre“ heißt einfach: davor. In dieser Runde kommen meist sehr große Summen zusammen, oft mehrere hundert Millionen Euro oder Dollar.
Der Preis, an dem sich später alle orientieren
Die Pre-IPO-Runde legt eine Zahl fest, die danach jeder kennt: die Bewertung. Das ist der rechnerische Gesamtwert des Unternehmens. Wenn Investoren für zehn Prozent der Anteile eine Milliarde zahlen, ist die Firma auf dem Papier zehn Milliarden wert. Diese Zahl steht anschließend in jedem Zeitungsartikel.
Beim späteren Börsengang wird diese Bewertung zum Maßstab. Liegt der Kurs am ersten Handelstag darüber, gilt der Börsengang als Erfolg. Liegt er darunter, haben die Investoren der letzten Runde Geld verloren. Genau deshalb wird über Pre-IPO-Bewertungen so heftig diskutiert. Bei KI-Firmen wie OpenAI oder Anthropic haben solche Runden in den letzten Jahren Bewertungen im dreistelligen Milliardenbereich erzeugt.
Für das Unternehmen selbst hat die Runde einen praktischen Zweck. Sie verschafft Zeit. Ein Börsengang dauert Monate an Vorbereitung, und der Zeitpunkt sollte gut gewählt sein. Wer vorher noch einmal Geld eingesammelt hat, kann warten, bis die Stimmung an den Börsen günstig ist.
Wer dabei mitmachen darf
An einer Pre-IPO-Runde beteiligen sich keine Privatleute. Typische Geldgeber sind Staatsfonds, Pensionskassen, große Vermögensverwalter und manchmal andere Konzerne. Sie verhandeln direkt mit dem Unternehmen, oft über Wochen. Am Ende steht ein Vertrag, kein Börsenkurs.
Diese Investoren lassen sich ihr Risiko absichern. Ein häufiges Instrument ist die Ratchet-Klausel. Sie besagt: Fällt der Börsenkurs später unter einen vereinbarten Wert, bekommen die Investoren zusätzliche Aktien geschenkt. Sie werden also nachträglich für den zu hohen Einstiegspreis entschädigt. Für alle anderen Aktionäre bedeutet das eine Verwässerung, ihr Anteil am Unternehmen schrumpft.
Ein verbreiteter Irrtum ist, dass frisches Geld in einer Runde automatisch in die Firma fließt. Oft verkaufen auch Gründer und frühe Mitarbeiter einen Teil ihrer eigenen Anteile. Dieses Geld landet auf ihrem Privatkonto, nicht in der Firmenkasse. Fachleute nennen das einen Secondary-Verkauf.
Warum die Runde in den Nachrichten auftaucht
Pre-IPO-Runden sind für Redaktionen interessant, weil sie einen der wenigen Blicke in nicht börsennotierte Firmen erlauben. Solche Unternehmen müssen ihre Zahlen nicht veröffentlichen. Rund um eine Finanzierungsrunde sickern aber Umsatz- und Verlustzahlen durch, weil Investoren sie zu sehen bekommen. Meldungen über KI-Startups beruhen häufig auf genau solchen Informationen.
Für dich als Leser ist vor allem eine Unterscheidung nützlich. Eine Bewertung aus einer Pre-IPO-Runde ist ein Verhandlungsergebnis zwischen wenigen Parteien. Ein Börsenkurs dagegen entsteht täglich aus Tausenden Käufen und Verkäufen. Die erste Zahl kann jahrelang stehen bleiben, auch wenn sich die Lage längst geändert hat.
Manchmal kommt der Börsengang auch nie. Firmen bleiben heute deutlich länger privat als noch vor zwanzig Jahren, weil private Geldgeber genug Kapital bereitstellen. Dann folgt auf eine Pre-IPO-Runde einfach die nächste Pre-IPO-Runde. Der Name ist in diesem Fall eher eine Absichtserklärung als eine Beschreibung.