Verkehrte Welt: KI-Startups fordern Regulierung, Software-Monopolisten lobbyieren für Open Source
- • Microsoft & Co fordern offene KI-Modelle für Innovation und Wettbewerb
- • Jensen Huang und SK Group starten größte KI-Partnerschaft im Wert von 500 Milliarden
- • Microsoft präsentiert eigene KI-Modelle und ersetzt OpenAI-Technologie in Produkten
Open Source: OpenAI und Anthropic gegen den Rest der Welt
Nvidia-Chef Jensen Huang hat einen offenen Brief veröffentlicht, in dem er offene KI-Modelle als notwendig für die technologische Führungsrolle der USA bezeichnet. Unterschrieben haben laut The Business Engineer 25 der größten Namen der Branche, darunter Meta, Microsoft, Nvidia, Palantir, IBM, Hugging Face und Mistral. Die Argumente sind vertraut: Portabilität, Kundenwahl, keine einzelnen Ausfallpunkte und echter Wettbewerb statt Konzentration auf der Modellebene.
Die Analyse sortiert die Unterzeichner in Gruppen mit unterschiedlichen Motiven. Acht Open-Weight-Natives wie Meta, Hugging Face, Mozilla, Mistral und die Linux Foundation verteidigen ihr eigenes Produkt oder ihren Gründungszweck. Neun Firmen wie Microsoft, Palantir, IBM, ServiceNow und Perplexity verkaufen oberhalb der Modellebene und profitieren von mehr Wettbewerb darunter. Nvidia unterschreibt allein als Compute-Vertreter, weil Modellvielfalt gleich Compute-Vielfalt ist. Auffällig sind auch die Abwesenden: OpenAI, Anthropic, Google/DeepMind, AWS, Databricks, Snowflake, Salesforce und Apple fehlen.
Die New York Times ordnet den Streit als offenen Konflikt ein, der diese Woche eskalierte. Auf der einen Seite stehen Anthropic und OpenAI, die argumentieren, manche Modelle seien zu gefährlich für eine offene Entwicklung und müssten kontrolliert werden. Auf der anderen Seite steht der Rest der Branche, der offene Modelle als unverzichtbar für eine gesunde KI-Landschaft hält. Huang setzte seinen ersten X-Post überhaupt ab, neun Minuten später legte Microsoft-Chef Satya Nadella nach.
Parallel dazu haben OpenAI und Anthropic laut fünf mit den Gesprächen vertrauten Personen Regulierer in Washington auf chinesische Open-Source-Modelle angesetzt. Eingeschaltet sind Finanzminister Scott Bessent und Wissenschaftsberater Michael Kratsios. Ausgelöst hat den Streit Chinas Tempo: Die Start-ups Z.ai und Moonshot AI haben zuletzt Modelle veröffentlicht, die mit denen amerikanischer Labore mithalten. Anthropic und OpenAI behaupten, die chinesischen Firmen hätten dafür unrechtmäßig Daten aus ihren Systemen abgegriffen. → The Business Engineer, nytimes
Synthszr Take: Schau dir an, wer diesen Brief geschrieben hat: Mozilla, die Linux Foundation, Hugging Face, Mistral. Das ist die DNA einer Bewegung, die seit den Neunzigern glaubt, offener Code sei ein öffentliches Gut und Kontrolle das eigentliche Risiko. Anthropic und OpenAI dagegen sind auf der umgekehrten Prämisse gegründet worden, die Technologie sei zu gefährlich, um sie freizugeben, und deshalb bei ihnen am besten aufgehoben. Zwischen diesen Lagern liegen zwei komplett verschiedene Gründungsmythen, und genau das macht den Streit so bitter. Neun Minuten lagen zwischen Huangs und Nadellas X-Posts, sauber orchestriert von der alten Garde. Die Pointe: Die jungen Labore, die sich als Sicherheitswächter inszenieren, brauchen die Regulierung aus Washington, um ihren Vorsprung vor DeepSeek und Moonshot zu halten. Die Idealisten von gestern verkaufen Offenheit, die Sicherheitsapostel von heute verkaufen Angst, und Bessent und Kratsios sollen jetzt entscheiden, welche der beiden Erzählungen amerikanische Politik wird.
Nvidia kündigt 500-Milliarden-Dollar-Partnerschaft mit SK Group für KI-Speicher an
Nvidia-CEO Jensen Huang hat bei einem Treffen mit dem südkoreanischen Präsidenten Lee Jae Myung in San Francisco eine Partnerschaft mit der SK Group im Umfang von rund 500 Milliarden Dollar angekündigt. Laut Yonhap und ChosunBiz ist es die bislang größte Zusage im Bereich KI-Infrastruktur. Details haben beide Unternehmen noch nicht öffentlich gemacht. Im Zentrum steht SK Hynix, einer von zwei Anbietern, die den Markt für High-Bandwidth-Memory (HBM) beherrschen — den gestapelten DRAM-Speicher, den KI-Beschleuniger für schnelle Datenverarbeitung brauchen. Laut TrendForce hat SK Hynix den Start seiner HBM4-Produkte verschoben und setzt auf Marge bei Standard-DRAM, während Samsung mit HBM4 bereits über eine Milliarde Dollar Umsatz meldet. Huang kündigte zudem eine Investition in Naver an, eine Zusammenarbeit mit Hyundai an einem selbstfahrenden Genesis, die Verlegung mehrerer KI-Forscher aus Kalifornien nach Südkorea sowie ein gemeinsames koreanisches LLM mit dem KAIST. → Techpresso
Synthszr Take: 500 Milliarden Dollar sind keine Zahl, die man einfach investiert, das ist ungefähr das Bruttoinlandsprodukt von Norwegen, gebündelt in eine bilaterale Lieferketten-Zusage. Und Lee hat an einem einzigen Tag Nvidia, OpenAI, Anthropic und Broadcom empfangen. Seoul verkauft Kapital-Zugang und bekommt dafür Forscher, ein eigenes Sprachmodell über KAIST und eine Position, die keine geopolitische Verhandlungsmasse mehr aufwiegen kann: Wer HBM kontrolliert, kontrolliert das Tempo des gesamten KI-Ausbaus. Interessant ist die Richtung des Talent-Stroms. Bisher gravitierten die klugen Köpfe Richtung Bay Area, jetzt schickt Nvidia Forscher aus Kalifornien nach Südkorea, dorthin, wo der Speicher gefertigt wird. Das ist die eigentliche Nachricht hinter der großen Summe. Das Kapital folgt nicht mehr dem billigsten Standort, es folgt dem knappsten Rohstoff, und der knappste Rohstoff sitzt gerade in zwei koreanischen Fabriken. Für Europa ist das die unbequeme Frage, die niemand auf einer Bühne beantworten will: Welche knappe Ressource haben wir eigentlich, um die sich jemand mit einer halben Billion Dollar bewirbt?
Microsoft ersetzt OpenAI-Modelle durch Eigenmodelle,
Microsoft AI hat zwei neue Eigenmodelle in die öffentliche Preview gebracht: MAI-Image-2.5-Pro als hochauflösenden Bildgenerator und MAI-Voice-2-Flash für hohe Sprachvolumen im Enterprise-Einsatz. Zugleich legt der Konzern Produktionsdaten vor, die belegen sollen, dass er seine eigenen Produkte ohne OpenAIs Frontier-Modelle betreiben kann. Laut Microsoft läuft Bing Image Creator inzwischen vollständig auf MAI-Image-2.5. In PowerPoint senke das Modell die GPU-Kosten gegenüber OpenAIs GPT-Image-2 um bis zu 84 Prozent. Für das Dynamics 365 Contact Center, das unter anderem T-Mobile und EasyJet nutzen, nennt Microsoft GPU-Kostensenkungen von bis zu 89 Prozent. MAI-Voice-2-Flash arbeite bei 15 Dollar je Million Zeichen doppelt so schnell wie der Vorgänger und koste zugleich 32 Prozent weniger als das Vorgängermodell. Im Gesundheitsbereich läuft Dragon Copilot nun in 58 Sprachen auf MAI-Transcribe-1.5; die Anwendung wird nach Angaben des Konzerns von 170.000 medizinischen Anbietern genutzt und war im vergangenen Quartal für 28 Millionen Patientenkontakte zuständig. → MyClaw Newsletter
Synthszr Take: 89 Prozent runter bei den GPU-Kosten im Contact Center ist eine Zahl, die jeden Einkäufer aus dem Sessel holt, aber sie taugt nicht für die eigene Verhandlung. Microsoft senkt hier interne Verrechnungspreise über die gesamte Fertigungstiefe, vom eigenen Modell über Azure bis zum Endprodukt. Das ist kein Tarif, den du als Kunde aushandeln kannst. Für die Beschaffung heißt das trotzdem was: Wenn selbst Microsoft es für lohnend hält, GPT-Image-2 aus PowerPoint zu werfen, dann ist der Frontier-Aufpreis, den du heute für Standard-Workloads wie Transkription oder Voice-Agents zahlst, verhandelbar geworden. Der brauchbare Hebel liegt in der Segmentierung deiner eigenen Use Cases: Ein Callcenter mit Millionen Anrufen braucht Latenz und Preis pro Anruf, kein maximal expressives Premium-Modell. Trenne die Aufgaben, bei denen wirklich Frontier-Qualität zählt, von den Volumen-Fällen, und du hast morgen schon zwei getrennte Budgetzeilen mit sehr unterschiedlichem Preisdruck. Die Lieferantenbindung an einen einzigen Anbieter kostet dich ab jetzt messbar mehr, als sie an Bequemlichkeit spart.
Hermes wird viral: offener Agent mit vollständigerer Architektur als OpenClaw
Der MyClaw Newsletter berichtet, dass der offene Agent Hermes gerade viral geht, weil Nutzer ihn für mehr als eine offene Alternative zu OpenClaw halten. Nach Darstellung des Newsletters ist die zugrundeliegende Architektur vollständiger: Memory, Skills, Workflows, Model Routing, lokales Deployment und autonome Ausführung sind als ein einziges System angelegt. Das erlaubt Nutzern, den Anbieter zu wechseln, ohne ihren Aufbau neu bauen zu müssen. Der Anbieter argumentiert, dieses Fundament liefere mehr Reliability, mehr Kontrolle über die eigenen Daten und mehr Anpassbarkeit für ernsthaften Agenten-Einsatz. → MyClaw Newsletter
Synthszr Take: Interessant ist, welche Ebene die Leute an Hermes bindet: der Umstand, dass Memory, Rechtevergabe und Workflows an EINER Stelle liegen, die dem Nutzer gehört. Genau das ist der Einrastpunkt. Wenn ein Vater seinem Sechsjährigen einen JARVIS baut und Gemini beliebig gegen ein anderes Modell tauschen kann, ohne den ganzen Aufbau neu zu machen, dann hat er die Kundenbindung selbst in der Hand, und kein Anbieter hält ihn im geschlossenen System fest. Das ist die eigentliche Verschiebung: Der Agent, der den Nutzer täglich orchestriert, bindet die Beziehung; das Modell dahinter wird zur Steckdose.
Runway startet Media Router, der automatisch das passende Medienmodell wählt
Runway hat den Runway Media Router veröffentlicht, ein Werkzeug, das für eine Anfrage automatisch das passende Bild-, Video- oder Audiomodell auswählt – je nachdem, ob Entwickler auf Qualität, Geschwindigkeit oder Kosten optimieren. Laut TechCrunch ist es der erste Router dieser Art, der speziell für generative Medien gebaut wurde; bei großen Sprachmodellen ist solches Routing bereits verbreitet. Der Router läuft über Runway Dev, die Anfang des Monats gestartete Entwicklerplattform, die neben Runways eigenen Modellen auch eine wachsende Zahl an Drittanbieter-Modellen per API zugänglich macht. Kunden wie Adobe, Cloudflare, ElevenLabs, Expedia, Shutterstock und Quora bauen die Generierung damit direkt in ihre eigenen Produkte ein, statt ihre Nutzer in Runways App zu leiten. Product-Chef Anthony Maggio nennt als Kaufkriterien vor allem Token-Preise und Qualität, verweist aber auch auf die Möglichkeit, US-Anbieter zu bevorzugen, während die Trump-Regierung Sanktionen gegen chinesische offene Modelle prüft. Runways letztes eigenes Frontier-Videomodell, Gen 4.5, stammt aus dem Dezember, und die eigenen Text-to-Video-Modelle liegen laut Artificial Analysis nicht mehr an der Spitze. → AI Secret
Synthszr Take: Runway hat den Modell-Wettlauf im Kern verloren, und der Router ist die ehrliche Reaktion darauf: kein Gen 5 seit Dezember, bei Text-to-Video führen andere. Statt weiter im überfüllten Feld gegen Google und die chinesischen Anbieter anzurennen, macht Runway sich zur Kreuzung, an der Adobe, Cloudflare und ElevenLabs ihre Generierung einkaufen. Das ist saubere Aggregator-Logik: Wer das Routing besitzt, verdient an jedem fremden Modell mit, auch am besseren. Der eigentliche Vermögenswert ist dabei die Eval-Intelligenz, die Runways Kreativteam über Jahre aufgebaut hat: das Urteil darüber, welches Modell Bewegung und Lippensynchronität am besten trifft. Das kopiert man schwerer als einen Checkpoint. Das Risiko sitzt an einer Stelle: Ein Router lebt vom Vertrauen, neutral zu routen, und Runway routet auch auf die eigenen Modelle. Ob Adobe das dauerhaft mitspielt, entscheidet sich am ersten Fall, in dem der Router das Runway-Modell wählt, obwohl das fremde günstiger und besser war.
Midjourney übernimmt Astrologie-App Co-Star mit 4,3 Millionen Nutzern
Midjourney hat laut Bloomberg die soziale Astrologie-App Co-Star übernommen. Die Konditionen des Deals wurden nicht offengelegt. Co-Star zählt rund 4,3 Millionen monatlich aktive Nutzer und unterstützt sie vor allem beim Erstellen astrologischer Geburtshoroskope, die sich mit Freunden teilen lassen. Die Horoskope und Kompatibilitätsanalysen entstehen nach Angaben zu der App aus einer Mischung von KI und menschlicher Redaktion. Das rund zweidutzendköpfige Team von Co-Star wechselt komplett zu Midjourney. Midjourney, bekannt für seine KI-gestützten Bild- und Videogeneratoren, betreibt bislang keine eigenständige App und bedient seine Nutzer über einen Discord-Server. → StrictlyVC
Synthszr Take: Midjourney kauft hier zwei Dutzend Leute, die wissen, wie man eine Consumer-App mit 4,3 Millionen aktiven Nutzern betreibt. Das ist die eigentliche Ansage. Ein Labor, das seine Bilder bis heute über einen Discord-Server ausliefert und trotzdem den Markt aufmischt, hat schlicht nie gelernt, ein Produkt zu bauen, in dem Menschen wohnen wollen. Genau das liefert Co-Star: tägliche Rückkehr, geteilte Geburtshoroskope, ein Freundeskreis, der die App klebrig macht. Reine Bildgenerierung ist ein Werkzeug, das man öffnet, benutzt und wieder schließt, ohne dass Bindung entsteht. Zusammen mit dem medizinischen Zweig und dem Spa zeichnet sich eine Wette ab: Midjourney will das Modell zur Zutat degradieren und stattdessen die Kontaktpunkte besetzen, an denen Menschen wiederkommen. Ob eine Astrologie-Community der richtige erste Baustein für dieses Fundament ist, bleibt die offene Frage, aber die Richtung stimmt.
Alibaba steigert Qwens Tagesnutzer mit Gutscheinen im Wert von 3 Milliarden Yuan auf 58 Millionen
Alibaba hat während der Kampagne zum Mondneujahr 2026 drei Milliarden Yuan an Anreizen ausgeschüttet, die Nutzer in der Qwen-App gegen Essen und Getränke einlösen konnten. Laut Daten von QuestMobile, die Reuters zitiert, stiegen die täglich aktiven Nutzer von Qwen im Aktionszeitraum von sieben auf achtundfünfzig Millionen. Das entspricht mehr als einer Verachtfachung binnen weniger Wochen. Die Gutscheine waren an das Einlösen realer Waren über die App gebunden. Die Zahlen stammen aus der Fremdmessung von QuestMobile, nicht aus offiziellen Alibaba-Angaben. Wie viele der neuen Nutzer nach Auslaufen der Aktion geblieben sind, geht aus dem Bericht nicht hervor. → 🔳 Turing Post
Synthszr Take: Achtundfünfzig Millionen klingt nach einem Blockbuster, bis man nachrechnet. Drei Milliarden Yuan für rund einundfünfzig Millionen neue Tagesnutzer sind knapp sechzig Yuan pro Kopf, und die Leute haben das Geld fürs Einlösen von Snacks kassiert. Eine gekaufte DAU sagt genau eine Sache aus: dass jemand einen Gutschein wollte. Sie sagt nichts über Retention, nichts über Nutzenwert, nichts darüber, ob am 20. Februar noch jemand die App öffnet, wenn es nichts mehr geschenkt gibt. Die relevante Zahl steht nicht im Bericht, und das ist kein Zufall: Wer subventionierte Spitzen feiert, zeigt selten die Kurve danach. Interessant wird Qwen an dem Tag, an dem die sieben Millionen Grundnutzer aus eigenem Antrieb auf zehn oder fünfzehn Millionen wachsen. Bis dahin ist das ein teuer erkaufter Screenshot fürs nächste Investoren-Deck.
US-Botschaft in Ottawa unterstützt Kanadas KI-Souveränität nur unter Vorbehalt zugunsten US-Technik
Ein Vertreter der US-Botschaft in Ottawa hat laut Global News in einem Hintergrundgespräch erklärt, Washington unterstütze Kanadas Streben nach souveräner KI, solange es nicht zulasten überlegener amerikanischer Technologie gehe. Der Beamte sagte, die Förderung eigener Firmen sei für ihn unproblematisch, verwies aber darauf, dass beide Regierungen dort gemeinsam verkaufen sollten, wo US-Anbieter stärker seien. Ein vollständig heimischer Aufbau über Hardware, Modelle und Software sei für ein Land von Kanadas Größe kein rationales Ziel, weil Kosten und Zeitrahmen zu hoch würden. Als Felder der Kooperation nannte er Exportkontrollen und die Eindämmung chinesischen Einflusses in Standardisierungsgremien. Ottawas eigene Strategie „AI for All“ unter Premier Carney will die KI-Adoption bis 2034 von 12 auf 60 Prozent heben. Zudem sollen über 250.000 Jobs entstehen und 200 Milliarden CAD zur Wirtschaft beitragen. Die Strategie listet internationale Allianzen mit Deutschland, Australien, Europa, Indien, Katar, Saudi-Arabien und Großbritannien auf, nennt die USA aber nicht. KI-Minister Evan Solomon räumte die Abhängigkeit dennoch ein und sagte beim US-Kanada-Gipfel in Toronto: „Souveränität ist nicht Einsamkeit.“ → Techpresso
Synthszr Take: Souveränität, die von der Erlaubnis des Stärkeren abhängt, ist keine. Kanada listet sieben Partner in seiner Strategie und lässt die USA aus, während der eigene Minister beim Gipfel einräumt, dass Washington der größte und wichtigste Partner bleibt. Diese Lücke zwischen Rhetorik und Realität ist das eigentliche Thema. Der US-Beamte hat die Machtfrage schon beantwortet: Ihr dürft Nischen bedienen, in allem Ernsthaften verkaufen wir gemeinsam, und der Stack gehört uns. Kanada könnte trotzdem echte Kontrolle behalten, aber nicht auf der Modellebene und kaum auf der Compute-Ebene, wo die dreistelligen Milliarden aus den USA jede kanadische Runde winzig aussehen lassen. Der Hebel liegt bei den Daten, den Prozess- und Domänendaten kanadischer Unternehmen, die niemand aus dem Land heraus lizenzieren muss. Bei 26 Prozent Adoptions-Enthusiasmus (dem niedrigsten Wert der Ipsos-Erhebung) und dem Ziel von 60 Prozent bis 2034 entscheidet sich das nicht in Standardisierungsgremien, sondern in der Frage, ob Ottawa seine Datenhoheit verteidigt oder sie im Namen der Partnerschaft mitverkauft.
US-Informatik-Einschreibungen sinken erstmals seit fast 20 Jahren
Die Zahl der Informatik-Einschreibungen an US-Hochschulen ist im Studienjahr 2025-26 erstmals seit fast zwei Jahrzehnten zurückgegangen, wie der Stanford-Ökonom Jacob Light laut Business Insider ermittelt hat. Eine separate Erhebung des National Student Clearinghouse Research Center fand für den Herbst 2025 einen Rückgang von 8,1 Prozent im verwandten Fach Computer and Information Sciences. Light betont, dass der Rückgang nicht zwingend direkt auf KI zurückgeht. Auch die durch generative KI veränderte Art des Lernens, verschobene Erwartungen an den Ertrag von Informatik-Skills und eine allgemeine Schwäche des Tech-Arbeitsmarkts könnten hineinspielen. Er behandelt die Muster ausdrücklich als beschreibenden Befund, nicht als kausalen Beweis. Eine Analyse der Washington Post deutet an, dass ein Teil der verschwundenen Einschreibungen in benachbarte Fächer wie Data Analytics und Data Science abwandert. Der Arbeitsmarkt für Programmierjobs ist zumindest in den großen Konzernen unsicherer geworden: 2026 wurden laut Layoffs.fyi bereits über 120.000 Tech-Stellen gestrichen, ein großer Teil bei Meta und Google, die ihre KI-Ausgaben hochfahren. Ein Challenger-Report nennt KI als Begründung für mehr als 54.000 Entlassungen im Vorjahr. → Techpresso
Synthszr Take: Der spannende Teil kommt erst in fünf Jahren, wenn dieser Jahrgang eigentlich als Junior in den Markt drängen würde. Rechne nach: 8,1 Prozent weniger Einschreibungen heute heißt spürbar dünnere Absolventen-Kohorten um 2030, und zwar genau in dem Moment, in dem die heute entlassenen Senioren langsam ausgedünnt sind und niemand mehr nachwächst. Die Firmen kappen gerade die Ausbildungsstufe, auf der man früher aus einem mittelmäßigen Coder einen Menschen mit Produkturteil geformt hat. KI erzeugt lauffähigen Code, aber die Fähigkeit zu entscheiden, ob eine Funktion zehnmal besser ist oder nur Rauschen, entsteht durch Jahre am echten System, nicht durch einen Prompt. Wenn du diese Jahre wegrationalisierst, fehlt dir 2031 die Generation, die den Agenten überhaupt sinnvoll dirigieren kann. Die schlaueren Studenten spüren das schon und gravitieren in Richtung Data Science und Domänenwissen, dorthin, wo Intent zählt und nicht Syntax. Der Streich am Junior-Ausbildungsplatz bringt drei Jahre Kostenvorteil und hinterlässt eine Kompetenzlücke für zehn.
Prime Video zeigt ersten Teaser zu „Blade Runner 2099“ mit Michelle Yeoh
Prime Video hat auf der San Diego Comic-Con den ersten Teaser zur Sequel-Serie „Blade Runner 2099“ veröffentlicht und damit erstmals einen Blick auf die Fortsetzung erlaubt. Die Serie wird von „Blade Runner“-Regisseur Ridley Scott als Executive Producer verantwortet und spielt 50 Jahre nach den Ereignissen von Denis Villeneuves „Blade Runner 2049“. In dieser Zukunft haben die synthetischen Menschen, die Replikanten, in Los Angeles die Kontrolle übernommen. Michelle Yeoh spielt Olwen, selbst eine Replikantin und Blade Runnerin, die eine Gruppe abtrünniger Replikanten aufspüren soll, während ihr nur noch wenige Tage zu leben bleiben. → StrictlyVC
Synthszr Take: Ridley Scott lässt Michelle Yeoh eine Replikantin spielen, die andere Replikanten jagt, und ausgerechnet der Voight-Kampff-Test kommt zurück. Als „Blade Runner 2049“ 2017 lief, war die Frage, wie man Mensch von Maschine trennt, reines Gedankenspiel für Cineasten. Neun Jahre später streiten wir über Wasserzeichen für KI-Texte, über Persönlichkeitsrechte an synthetischen Stimmen (Scarlett Johansson gegen OpenAI war genau diese Szene) und darüber, ob ein Modell so etwas wie eine Identität behaupten darf. Die Serie startet in eine Welt, die ihre eigene Prämisse gerade real durchspielt, deshalb trifft so ein Teaser 2026 anders als früher: Das Publikum sitzt selbst im Testraum. Science-Fiction war lange der Ort, an dem wir Fragen zwischenlagern konnten, für die die Realität noch nicht reif war.



