Visual Studio Code
Visual Studio Code, kurz VSCode, ist ein kostenloses Programm von Microsoft, mit dem man Programmtexte schreibt und bearbeitet. Es ist heute das meistgenutzte Werkzeug dieser Art und der Ort, an dem viele Entwickler KI-Assistenten beim Programmieren einsetzen.
Software besteht im Kern aus Text. Wer ein Programm schreibt, tippt Anweisungen in einer festgelegten Sprache, ähnlich wie man einen Aufsatz tippt. Visual Studio Code ist ein kostenloses Programm der Firma Microsoft, in dem man genau diesen Text schreibt und ordnet. Es ist also eine Art Schreibprogramm, aber speziell für Programmtexte gebaut. Es färbt die Wörter ein, zeigt Tippfehler an und verwaltet ganze Ordner voller Dateien. Der Name wird meist zu VSCode abgekürzt und hat trotz der Ähnlichkeit wenig mit dem viel älteren, viel schwereren Microsoft-Produkt Visual Studio zu tun.
Warum fast alle denselben Editor benutzen
VSCode erschien 2015 und hat den Markt in wenigen Jahren übernommen. In der jährlichen Entwicklerumfrage der Plattform Stack Overflow geben regelmäßig deutlich über 70 Prozent der Befragten an, es zu verwenden. Für ein einzelnes Werkzeug ist das ein ungewöhnlich hoher Anteil. Frühere Favoriten wie Sublime Text oder Atom sind dagegen stark zurückgefallen.
Zwei Gründe erklären den Erfolg. Erstens kostet es nichts, obwohl vergleichbare Werkzeuge früher mehrere hundert Euro pro Jahr kosteten. Zweitens läuft es auf Windows, macOS und Linux gleich, sodass ein Team nicht über Werkzeuge streiten muss. Dazu kommt, dass Microsoft den Quelltext offengelegt hat. Andere Firmen dürfen deshalb eigene Versionen davon bauen.
Für die KI-Branche ist das inzwischen entscheidend. Wer einen Programmier-Assistenten verkaufen will, muss ihn dort anbieten, wo die Entwickler ohnehin arbeiten. VSCode ist damit zur Bühne geworden, auf der der Wettbewerb um KI-Werkzeuge stattfindet. Firmenmeldungen über neue Coding-Modelle enthalten fast immer den Satz, dass es eine Erweiterung für VSCode gibt.
Erweiterungen als Baukastenprinzip
VSCode ist im Grundzustand bewusst schlicht. Es kennt keine einzelne Programmiersprache besonders gut. Die eigentlichen Fähigkeiten kommen aus Erweiterungen, also kleinen Zusatzprogrammen, die man mit zwei Klicks installiert. Es gibt Erweiterungen für Python, für Datenbanken, für die Zusammenarbeit im Team. Im offiziellen Katalog stehen über 50.000 davon.
Der Vergleich mit einem Smartphone trifft es gut. Das Gerät allein kann wenig, erst die Apps machen es nützlich. Ein Webentwickler und ein Datenanalyst benutzen dasselbe VSCode, sehen darin aber völlig verschiedene Funktionen. Diese Offenheit ist der Grund, warum ein einziges Programm so viele unterschiedliche Berufe bedienen kann.
Technisch ist VSCode selbst mit Webtechnik gebaut, also mit denselben Bausteinen wie eine Internetseite. Das macht die Entwicklung schnell und die Oberfläche überall identisch. Es hat aber einen Preis: VSCode braucht mehr Arbeitsspeicher als ältere, schlankere Editoren. Wer auf einem schwachen Laptop arbeitet, merkt das.
Der Editor als Einfallstor für KI-Assistenten
Am sichtbarsten wird VSCode in Nachrichten über Programmier-KI. GitHub Copilot, der bekannteste solche Assistent, startete 2021 als Erweiterung für VSCode. Er schlägt beim Tippen ganze Codezeilen vor, die man mit der Tabulatortaste übernimmt. Inzwischen bietet fast jeder große KI-Anbieter etwas Vergleichbares an.
Einige Firmen gehen weiter und bauen eigene Editoren auf Basis des offengelegten VSCode-Quelltexts. Cursor und Windsurf sind die bekanntesten Beispiele. Sie sehen aus wie VSCode und übernehmen dessen Erweiterungen, stellen die KI aber in den Mittelpunkt statt an den Rand. Dass solche Konkurrenten überhaupt entstehen konnten, liegt allein an Microsofts Entscheidung, den Quelltext freizugeben.
Für Einsteiger ist VSCode meist der erste Kontakt mit echter Entwicklungsumgebung. Viele Schulen und Online-Kurse setzen es voraus, weil die Installation wenige Minuten dauert. Ein häufiger Irrtum dabei: VSCode führt Programme nicht selbst aus. Man braucht zusätzlich die passende Sprache auf dem Rechner, etwa Python. Der Editor schreibt und organisiert nur den Text und reicht ihn an dieses Programm weiter.