
Level 2
Level 2 bezeichnet ein Auto, das Lenken und Tempo gleichzeitig selbst regeln kann, während der Mensch am Steuer trotzdem dauerhaft aufpassen muss. Es ist die zweite von sechs Stufen einer international genutzten Skala für automatisiertes Fahren.
Wie viel ein Auto selbst übernimmt, wird auf einer Skala von 0 bis 5 beschrieben. Diese Skala stammt vom amerikanischen Ingenieursverband SAE und wird weltweit benutzt. Level 2 ist die Stufe, auf der sich fast alle heutigen Assistenzsysteme bewegen. Das Fahrzeug hält dabei selbst die Spur und regelt gleichzeitig die Geschwindigkeit, etwa den Abstand zum Vordermann. Der Mensch am Steuer bleibt aber die ganze Zeit verantwortlich und muss den Verkehr beobachten. Er darf die Hände kurz lockern, aber nicht die Aufmerksamkeit abgeben.
Die Stufe, auf der der Mensch haftet
Der wichtigste Unterschied zwischen Level 2 und Level 3 ist nicht die Technik, sondern die Verantwortung. Bis Level 2 ist rechtlich immer der Fahrer schuld, wenn etwas passiert. Ab Level 3 darf er sich unter festgelegten Bedingungen abwenden, und der Hersteller trägt in dieser Zeit die Verantwortung. Genau deshalb bleiben Autobauer so lange wie möglich bei Level 2.
Das erklärt auch ein häufiges Missverständnis. Ein System kann technisch sehr gut sein und trotzdem nur Level 2 heißen. Teslas „Full Self-Driving“ ist ein bekanntes Beispiel: Der Name klingt nach vollständiger Autonomie, die Einstufung ist aber Level 2. Der Fahrer muss jederzeit eingreifen können.
Riskant ist die Stufe genau wegen dieser Zwischenlage. Wenn ein Auto minutenlang fehlerfrei fährt, sinkt die Aufmerksamkeit des Menschen fast zwangsläufig. Fachleute nennen das Übervertrauen. Untersuchungen zu Unfällen mit Assistenzsystemen drehen sich fast immer um diesen Punkt.
Kameras, Radar und ein Blick auf den Fahrer
Ein Level-2-System besteht aus drei Teilen: Sensoren, Software und Aktoren. Die Sensoren sind meist Kameras hinter der Windschutzscheibe, dazu Radarsensoren und manchmal Ultraschall. Sie liefern ein laufendes Bild der Umgebung: Fahrbahnmarkierungen, andere Fahrzeuge, Abstände, Geschwindigkeiten.
Die Software wertet diese Daten aus und ist oft ein neuronales Netz, also ein an vielen Beispielen trainiertes Programm. Es erkennt zum Beispiel, wo die Spur verläuft, auch wenn die Linien verblasst sind. Aus dieser Einschätzung berechnet das System, wie stark gelenkt oder gebremst werden muss. Die Aktoren setzen das um: der elektrische Lenkmotor und die Bremse.
Dazu kommt fast immer eine Fahrerüberwachung. Manche Systeme messen nur, ob eine Hand am Lenkrad Druck ausübt. Neuere nutzen eine Innenraumkamera und prüfen, ob die Augen auf die Straße gerichtet sind. Reagiert der Fahrer nicht, warnt das Auto und schaltet die Funktion nach einigen Sekunden ab.
Vom Serienauto bis zur Quartalszahl
Im Alltag begegnet man Level 2 unter Markennamen. VW nennt es Travel Assist, Mercedes Distronic mit Lenkassistent, BMW Driving Assistant Professional, Tesla Autopilot. Dahinter steckt jeweils dieselbe Grundidee: Spurhaltung plus Abstandsregelung. Solche Systeme sind längst keine Luxusausstattung mehr und in vielen Kompaktwagen bestellbar.
In Wirtschaftsnachrichten taucht der Begriff auf, wenn es um Zulieferer und Chips geht. Firmen wie Mobileye, Nvidia oder Bosch verkaufen die Rechenplattformen für solche Systeme. Analysten schätzen deshalb, wie viele Neuwagen künftig Level 2 an Bord haben. Für die Hersteller sind die Systeme attraktiv, weil sie sich als Aufpreis oder als Abo verkaufen lassen.
Ein weiterer Begriff, der in Meldungen auftaucht, ist „Level 2+“. Das ist kein offizieller Teil der SAE-Skala, sondern Marketing. Gemeint sind Systeme, die mehr können als reine Spurhaltung, etwa selbstständig überholen. Rechtlich bleiben sie Level 2, und die Verantwortung bleibt beim Menschen.