
DDR5
DDR5 ist der aktuelle Standard für Arbeitsspeicher in Computern und Servern. Er überträgt Daten deutlich schneller als sein Vorgänger DDR4 und wurde ab 2021 in modernen Systemen eingeführt.
DDR5 ist der fünfte Standard für den Arbeitsspeicher in Computern — also für den Speicher, in dem ein Gerät gerade aktive Programme und Daten hält. Der Name steht für „Double Data Rate 5“: Das Modul überträgt pro Takt zweimal Daten, einmal beim Anstieg und einmal beim Abfall des Taktsignals. DDR5 löst den Vorgängerstandard DDR4 ab, der seit 2014 verbreitet war. Seit Ende 2021 kommen neue Prozessoren für Desktop-Computer und Server auf den Markt, die ausschließlich oder hauptsächlich DDR5 unterstützen. Für Endverbraucher wurde der Standard vor allem mit Intels Alder-Lake-Plattform Ende 2021 greifbar.
DDR5 als Flaschenhals moderner Prozessoren
Ein Prozessor ist nur so schnell, wie er mit Daten versorgt wird. Ist der Arbeitsspeicher zu langsam, muss der Prozessor warten — egal wie leistungsfähig er selbst ist. Diesen Engpass nennt man Memory Bandwidth Bottleneck. DDR5 verdoppelt gegenüber DDR4 die maximale Bandbreite, also die Datenmenge, die pro Sekunde fließen kann. DDR4 erreichte typisch 25–50 GB/s, DDR5-Systeme starten bei rund 38 GB/s und können in aktuellen Ausbaustufen über 100 GB/s erreichen.
Das ist besonders für KI-Anwendungen relevant. Große Sprachmodelle, die lokal auf einem Rechner laufen, laden ständig riesige Mengen an Modellgewichten — also gespeicherten Lernwerten — aus dem Arbeitsspeicher. Je höher die Bandbreite, desto flüssiger läuft die Antwortgenerierung. Wer ein Sprachmodell wie LLaMA auf dem eigenen PC nutzt, merkt den Unterschied zwischen DDR4 und DDR5 direkt an der Ausgabegeschwindigkeit.
Technische Neuerungen gegenüber DDR4
DDR5 bringt mehrere strukturelle Änderungen mit. Erstmals enthält jedes RAM-Modul einen eigenen Spannungsregler direkt auf der Platine, statt dass das Mainboard diese Aufgabe übernimmt. Das macht die Stromversorgung stabiler und erlaubt feinere Anpassungen. Gleichzeitig sank die Betriebsspannung von 1,2 Volt bei DDR4 auf 1,1 Volt, was den Energieverbrauch senkt.
Außerdem verdoppelte sich die interne Busbreite: DDR4 nutzte einen 64-Bit-Bus pro Kanal, DDR5 teilt denselben Kanal in zwei unabhängige 32-Bit-Busse auf. Das verbessert die Effizienz, weil beide Hälften gleichzeitig und unabhängig voneinander Daten liefern können. Hinzu kommt ein verbessertes Fehlerkorrekturverfahren namens On-Die ECC: Es erkennt und korrigiert einzelne Bitfehler direkt auf dem Speicherchip, bevor sie den Prozessor erreichen.
Beim Takt stieg der Ausgangspunkt deutlich: DDR4 startete bei 2.133 MHz, DDR5 beginnt bei 4.800 MHz und reicht in übertakteten Varianten bereits über 8.000 MHz. Ein häufiger Irrtum ist, dass höherer Takt immer schneller bedeutet. Die tatsächliche Geschwindigkeit hängt auch von der Latenz ab — also davon, wie viele Takte vergehen, bis auf eine Anfrage reagiert wird. Frühe DDR5-Module hatten höhere Latenzen als DDR4, was den Geschwindigkeitsvorteil bei manchen Aufgaben zunächst abschwächte.
DDR5 in Produkten, Servern und KI-Systemen
Im Alltag begegnet man DDR5 vor allem beim Kauf eines neuen PCs oder Laptops. Wer seit 2022 ein Gerät mit einem aktuellen Intel- oder AMD-Prozessor kauft, bekommt häufig DDR5 verbaut — manchmal ohne es zu wissen. Die Abwärtskompatibilität zu DDR4 existiert nicht: Steckplatz und Kerbe sitzen anders, die Module passen physisch nicht in alte Mainboards.
In Rechenzentren ist DDR5 ebenfalls angekommen. Intels Serverplattform Sapphire Rapids und AMDs EPYC-Prozessoren der Genoa-Generation setzen auf DDR5. Das ist für KI-Infrastruktur bedeutsam: Wer große Sprachmodelle im Rechenzentrum betreibt, kann durch DDR5 mehr Anfragen pro Sekunde verarbeiten, ohne sofort auf teurere Spezialhardware ausweichen zu müssen.
In Tech-Nachrichten taucht DDR5 häufig im Zusammenhang mit neuen Prozessorgenerationen auf. Ankündigungen wie „Unterstützung für DDR5-7200“ beschreiben dabei den maximalen Takt, den ein Mainboard offiziell erlaubt. Der nächste Standard DDR6 befindet sich bereits in der Entwicklung, wird aber frühestens ab 2026 in ersten Produkten erwartet.