Vergleichsskizze: links ein Smartphone, das über einen nahen Sendemast ins Netz geht; rechts dasselbe Smartphone in einer Berglandschaft ohne Mast, dessen Funksignal direkt zu einem Satelliten mit großer Antennenfläche geht, der die Verbindung über eine Bodenstation ins Mobilfunknetz weiterleitet.

Direct-to-Device

Direct-to-Device bezeichnet Mobilfunk, bei dem ein normales Handy ohne Zusatzgerät direkt mit einem Satelliten verbindet. Damit sollen Funklöcher verschwinden, in denen kein Sendemast in Reichweite ist.

Ein Handy telefoniert normalerweise über einen Sendemast in der Nähe. Ist kein Mast in Reichweite, zeigt das Display kein Netz an. Direct-to-Device heißt: Das Handy verbindet sich in diesem Fall stattdessen direkt mit einem Satelliten im Weltraum. Der Satellit übernimmt also die Rolle des Masts. Entscheidend ist, dass dafür kein Spezialgerät und keine externe Antenne nötig ist. Ein handelsübliches Smartphone genügt, oft reicht ein Software-Update des Anbieters.

Was das Ende der Funklöcher bedeuten würde

Sendemasten stehen dort, wo viele Menschen wohnen. In Gebirgen, auf dem Meer, in Wüsten und großen Waldgebieten lohnt sich der Bau nicht. Schätzungen gehen davon aus, dass rund 80 Prozent der Erdoberfläche kein Mobilfunknetz haben. Ein Satellit sieht auf einmal ein riesiges Gebiet und macht diese Lücken nutzbar.

Der wichtigste Nutzen ist bisher Sicherheit. Wer beim Wandern stürzt oder mit dem Auto auf einer einsamen Straße liegen bleibt, kann Hilfe rufen. Auch nach Erdbeben oder Überschwemmungen fallen Sendemasten aus, Satelliten dagegen nicht. Hilfsorganisationen und Behörden interessieren sich deshalb stark für die Technik.

Für die Wirtschaft steht viel Geld auf dem Spiel. Satellitenbetreiber wie SpaceX oder AST SpaceMobile wollen die Technik an Mobilfunkanbieter verkaufen. Diese wiederum können damit Kunden gewinnen, ohne teure Masten in unrentablen Regionen zu bauen. Umgekehrt fürchten manche Anbieter, dass Satellitenfirmen sie langfristig überflüssig machen.

Warum der Satellit tun muss, was sonst ein Mast tut

Ein Handy sendet mit weniger als einem Watt Leistung, etwa so viel wie eine kleine LED-Lampe. Ein Sendemast ist einige Kilometer entfernt, ein Satellit dagegen mehrere hundert Kilometer. Das Signal kommt oben also extrem schwach an. Die Satelliten tragen deshalb sehr große Antennenflächen, teils über hundert Quadratmeter, um das schwache Signal noch zu erfassen.

Damit das Handy nichts umlernen muss, verhält sich der Satellit wie ein gewöhnlicher Sendemast. Er nutzt dieselben Funkfrequenzen, die der Mobilfunkanbieter am Boden auch verwendet. Für das Handy sieht es so aus, als stünde ein Mast am Horizont. Genau das ist der Kern der Idee: Die Technik steckt im Satelliten, nicht im Telefon.

Die Satelliten fliegen dabei in niedriger Umlaufbahn und rasen mit rund 27.000 Kilometern pro Stunde über den Himmel. Jeder ist nur wenige Minuten sichtbar, danach übernimmt der nächste. Dafür braucht man Hunderte Satelliten für lückenlose Abdeckung. Die Datenrate bleibt gering, weil sich alle Nutzer in einem riesigen Gebiet die Kapazität eines Satelliten teilen. Für Textnachrichten reicht das, für Videostreaming nicht.

Notruf-SMS im Gebirge und Werbung der Mobilfunkanbieter

Am häufigsten trifft man den Begriff im Zusammenhang mit Notfallfunktionen von Smartphones. Apple bietet seit dem iPhone 14 Notrufe über Satellit an, Google bei Pixel-Geräten ähnlich. In den USA arbeitet T-Mobile mit Starlink zusammen und verschickt Kurznachrichten über Satellit. In Europa laufen Tests, hier ist aber die Zuteilung der Frequenzen noch nicht überall geklärt.

In Wirtschaftsnachrichten steht Direct-to-Device oft neben Aktienkursen und Milliardenverträgen. Firmen wie AST SpaceMobile werden an der Börse hoch bewertet, obwohl sie erst wenige Satelliten im All haben. Solche Meldungen sollte man vorsichtig lesen: Zwischen einem Testanruf und einem stabilen Dienst für Millionen Kunden liegen Jahre.

Ein häufiger Irrtum ist die Verwechslung mit Satellitentelefonen, wie sie Expeditionen seit Jahrzehnten nutzen. Diese brauchen ein eigenes, klobiges Gerät mit ausklappbarer Antenne. Der Unterschied bei Direct-to-Device liegt genau darin, dass das gewöhnliche Handy in der Hosentasche reicht. Wer im Funkloch das volle Internet erwartet, wird trotzdem enttäuscht.

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