
Biotech
Biotech ist die Kurzform für Biotechnologie: die Nutzung von Lebewesen und ihren Bausteinen, um Medikamente, Lebensmittel oder Materialien herzustellen. An der Börse bezeichnet Biotech eine Branche mit hohen Forschungskosten und sehr großen Kurssprüngen.
Biotech ist die Kurzform von Biotechnologie. Gemeint ist Technik, die mit Lebewesen arbeitet: mit Zellen, mit Bakterien oder mit den Erbanlagen darin. Diese Lebewesen werden gezielt so verändert oder eingesetzt, dass sie etwas Nützliches produzieren. Ein klassisches Beispiel ist Insulin für Menschen mit Diabetes. Früher gewann man es aus Tieren, heute stellen es umgebaute Bakterien in großen Tanks her. Wenn in Nachrichten von „Biotech“ die Rede ist, geht es meist um Firmen, die auf diese Weise neue Medikamente entwickeln.
Warum Anleger Biotech-Aktien für riskant halten
Biotech ist eine der teuersten Branchen überhaupt. Ein neues Medikament kostet in der Entwicklung oft über eine Milliarde Euro. Bis zur Zulassung vergehen meist zehn Jahre oder mehr. In dieser ganzen Zeit verdient die Firma mit dem Mittel keinen Cent. Viele kleine Biotech-Unternehmen leben deshalb ausschließlich von Investorengeld.
Das macht die Aktien extrem sprunghaft. Eine einzige Meldung über eine erfolgreiche Studie kann den Kurs verdoppeln. Ein Fehlschlag kann ihn an einem Tag um 80 Prozent einbrechen lassen. Bei Firmen mit nur einem Hauptprodukt hängt alles an dieser einen Wette. Fachleute sprechen dann von einem binären Risiko: es gibt fast nur ganz oben oder ganz unten.
Gleichzeitig ist der Gewinn im Erfolgsfall riesig. Ein zugelassenes Medikament ist jahrelang durch Patente geschützt. In dieser Zeit darf es niemand anderes nachbauen. Genau diese Aussicht zieht trotz aller Risiken viel Kapital in die Branche.
Von der Zelle zum zugelassenen Medikament
Am Anfang steht ein Wirkstoff, den Zellen herstellen können. Forscher bauen dafür ein Stück Erbinformation in Bakterien oder Zellkulturen ein. Diese vermehren sich und produzieren dabei das gewünschte Molekül, etwa einen Antikörper. Anschließend wird der Stoff aufwendig gereinigt. Solche Wirkstoffe nennt man Biologika, im Unterschied zu chemisch zusammengesetzten Tabletten.
Danach folgen die klinischen Studien in drei Phasen. Phase eins prüft an wenigen gesunden Menschen, ob der Stoff verträglich ist. Phase zwei sucht die richtige Dosis bei Erkrankten. Phase drei vergleicht das Mittel an tausenden Patienten mit der bisherigen Standardbehandlung. Nur ein kleiner Teil aller Kandidaten übersteht alle drei Phasen.
Am Ende entscheidet eine Behörde über die Zulassung, in Europa die EMA, in den USA die FDA. Deren Termine sind für Anleger wichtige Kalenderdaten. Genau hier greift inzwischen auch Künstliche Intelligenz ein. Programme sagen vorher, welche Molekülform zu einer Krankheit passt, und sortieren aussichtslose Kandidaten früh aus. Das soll die teuren Fehlschläge in den späten Phasen verringern.
Biotech im Kühlschrank, in der Apotheke und im Depot
Biotech begegnet dir öfter als gedacht. Enzyme in Waschmitteln lösen Fettflecken bei niedriger Temperatur. Vegane Käsealternativen entstehen mit Hilfe von Pilzkulturen. Auch Bier und Joghurt sind im weiteren Sinn Biotechnologie, nur eine sehr alte.
Bekannt wurde die Branche in Deutschland durch BioNTech aus Mainz. Der Corona-Impfstoff machte die Firma binnen Monaten weltweit berühmt. Andere große Namen sind Moderna in den USA oder Roche in der Schweiz. Wer nicht auf eine einzelne Firma setzen will, kauft oft einen Fonds auf einen ganzen Branchenindex.
Ein häufiger Irrtum ist die Gleichsetzung von Biotech und Pharma. Pharmakonzerne sind meist große Firmen mit vielen verkauften Produkten und stabilen Erlösen. Biotech-Firmen sind oft klein, forschungslastig und noch ohne Gewinn. Sehr häufig kauft ein Pharmakonzern eine erfolgreiche Biotech-Firma einfach auf. Solche Übernahmen sind einer der wichtigsten Gründe für plötzliche Kurssprünge.