
Fundrate
Die Fundrate ist eine kleine Zahlung, die sich Käufer und Verkäufer bei bestimmten Krypto-Wetten gegenseitig überweisen, meist alle acht Stunden. Sie sorgt dafür, dass der Preis dieser Wetten nicht zu weit vom echten Marktpreis abdriftet.
An Krypto-Börsen kann man nicht nur Bitcoin kaufen, sondern auch darauf wetten, ob der Kurs steigt oder fällt. Solche Wetten heißen Perpetual Futures, also Verträge ohne Enddatum. Man kann sie beliebig lange halten, was bei klassischen Wettverträgen an der Börse nicht geht. Damit ihr Preis trotzdem nahe am echten Bitcoin-Preis bleibt, gibt es die Fundrate. Sie ist eine kleine Zahlung, die eine Seite der Wette an die andere überweist, typischerweise alle acht Stunden. Wer gerade in der Überzahl ist, zahlt; wer auf der unbeliebten Seite steht, bekommt Geld.
Was die Fundrate über die Stimmung am Markt verrät
Die Fundrate ist eine der wenigen Zahlen, die direkt zeigt, wie die Mehrheit der Spekulanten gerade denkt. Ist sie deutlich positiv, wetten viele auf steigende Kurse und zahlen dafür freiwillig eine Gebühr. Ist sie negativ, überwiegen die Wetten auf fallende Kurse. Journalisten und Analysten lesen sie deshalb wie ein Stimmungsbarometer.
Für die Wetten selbst ist sie ein Kostenfaktor, den viele unterschätzen. Eine Fundrate von 0,01 Prozent pro Zahlung klingt winzig. Bei drei Zahlungen am Tag sind das rund elf Prozent im Jahr. Wer eine Position über Wochen hält, verliert also allein durch die Fundrate Geld, selbst wenn der Kurs sich gar nicht bewegt.
Extreme Werte gelten als Warnsignal. Wenn fast alle auf steigende Kurse setzen und dafür hohe Fundraten zahlen, ist der Markt einseitig. Ein kleiner Kursrückgang kann dann viele dieser Wetten reißen und eine Kettenreaktion nach unten auslösen. Genau solche Phasen tauchen in Nachrichten oft als « Liquidationswelle » auf.
Der Mechanismus hinter der Zahlung
Die Börse vergleicht ständig zwei Preise. Der eine ist der Preis, zu dem die Wette gerade gehandelt wird. Der andere ist ein Durchschnittspreis für echtes Bitcoin an mehreren normalen Handelsplätzen. Aus dem Abstand zwischen beiden berechnet die Börse die Fundrate.
Liegt die Wette über dem echten Preis, ist die Fundrate positiv. Dann zahlen alle, die auf steigende Kurse gesetzt haben, an alle, die auf fallende gesetzt haben. Das macht die beliebte Seite teurer und die unbeliebte attraktiver. Kaufinteresse verschiebt sich, und der Preis der Wette rutscht zurück in Richtung des echten Preises. Bei negativer Fundrate läuft alles umgekehrt.
Wichtig ist: Die Börse selbst verdient an der Fundrate nichts. Das Geld fließt nur zwischen den Nutzern hin und her, Gebühren der Börse sind eine getrennte Sache. Ein weit verbreiteter Irrtum ist außerdem, die Fundrate sei ein Zins auf geliehenes Geld. Sie hat keinen festen Satz und keine Bank dahinter, sondern ergibt sich allein aus dem Ungleichgewicht der Wetten.
Fundraten in Börsen-Apps und Krypto-Nachrichten
Wer eine Handelsplattform wie Binance oder Bybit öffnet, findet die aktuelle Fundrate direkt neben dem Kurs. Meist steht dort auch ein Countdown bis zur nächsten Zahlung. Seiten wie Coinglass stellen die Fundraten vieler Börsen nebeneinander, damit man Unterschiede erkennt.
In Nachrichtenartikeln erscheint der Begriff oft in Sätzen wie « die Fundraten sind auf ein Mehrmonatshoch gestiegen ». Gemeint ist dann: Die Spekulation auf steigende Kurse hat stark zugenommen. Solche Meldungen sind keine Prognose, sondern eine Beschreibung des Ist-Zustands.
Profis nutzen Unterschiede zwischen Fundrate und echtem Markt auch als Geschäftsmodell. Sie kaufen echtes Bitcoin und wetten gleichzeitig auf fallende Kurse, um vom Kurs unabhängig zu sein und die Fundrate einzusammeln. Diese Strategie heißt Cash-and-Carry und ist ein Grund dafür, dass extreme Fundraten sich meist recht schnell wieder normalisieren.