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Doomsday Debatte: Trump und Xi wollen nicht bremsenSynthszr
synthszr #259 vom Montag, den 14.09.2026

Doomsday Debatte: Trump und Xi wollen nicht bremsen

  • • Xi Jinping setzt auf Open Source, um China als KI-Ausrüster der BRICS zu positionieren
  • • Trump bleibt optimistisch im KI-Wettlauf und sieht US-Fortschritt als überlegen
  • • Amodei warnt vor Chinas Ignoranz gegenüber internationalen KI-Regulierungen

Xi macht China mit Open Source zum KI-Ausrüster der BRICS-Staaten

Chinas Präsident Xi Jinping hat beim 18. BRICS-Gipfel in Neu-Delhi angekündigt, dass China den Aufbau einer Open-Source-KI-Community für die Mitgliedsstaaten anführen wird. Die Ankündigung war Teil einer Fünf-Punkte-Initiative zur Zusammenarbeit in Technologie, Fertigung und Handel, die Xi zum Abschluss des Gipfels vortrug. Laut der vom chinesischen Außenministerium veröffentlichten Erklärung will China die Kooperation bei Entwicklung und Anwendung großer Sprachmodelle unterstützen, KI-Fachseminare und Trainingskurse abhalten und ein offenes Ökosystem aufbauen.

Konkret nennt Xi neben der Open-Source-Community eine BRICS-Cloud-Plattform für das digitale Ökosystem, Schulungen zu digitalen Fähigkeiten, technologischen Austausch und industrielle Abstimmung. Hinzu kommen der Vorschlag einer BRICS-Allianz zur Ingenieursausbildung und ein Jugendaustauschprogramm für wissenschaftlich-technologische Innovation. Die Ankündigung wird verbreitet als Versuch gelesen, Peking als zentralen Technologiepartner des Blocks zu positionieren, während sich der KI-Wettbewerb mit den USA verschärft.

China hat bereits mit rund 30 Staaten die World AI Cooperation Organisation gegründet und setzt dabei auf ein kostengünstiges internationales KI-Ökosystem auf Basis offener Modelle, im Unterschied zu US-Anbietern wie OpenAI und Anthropic, die mit geschlossenen Systemen arbeiten. Zur laufenden Debatte über KI-Sicherheit äußerte sich Xi nicht, obwohl in derselben Woche ein früher bei OpenAI und Anthropic tätiger Forscher öffentlich erklärt hatte, viele in der Branche hielten ein existenzielles Risiko bis zum Ende des Jahrzehnts für möglich.

BRICS wurde 2009 als Gegengewicht zur westlichen Dominanz gegründet und bestand zunächst aus Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika; inzwischen gehören auch Ägypten, Äthiopien, Indonesien, Iran, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate dazu. Die elf Volkswirtschaften repräsentieren nach Angaben des Gipfels rund 49,5 Prozent der Weltbevölkerung und 40 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts. Xi rief die Runde dazu auf, die Verbindungen zu Schwellenländern und zum globalen Süden für die Absicherung von Lieferketten und den Aufbau eines großen integrierten Marktes zu nutzen. Der nächste BRICS-Gipfel findet in China statt. → The Economic Times, Newser, CNBC

Synthszr Take: Die Fünf-Punkte-Liste liest sich wie Entwicklungshilfe-Prosa: Schulungen, Ingenieursallianz, Jugendaustausch. So setzt man Standards in Ländern, die weder eigene Rechenzentren noch Milliardenbudgets fürs Modelltraining haben. Offene Gewichte sind das Vehikel: Sie kosten Peking vergleichsweise wenig und binden eine ganze Entwicklergeneration in Jakarta, Addis Abeba und São Paulo an chinesische Werkzeugketten, Frameworks und Cloud-Schnittstellen. Amerikanische Anbieter verkaufen in denselben Märkten API-Zugänge mit Preisschild, China verschenkt die Grundlage und behält die Beziehung. Die 30 Mitglieder der World AI Cooperation Organisation sind der Zähler, den man im Blick behalten sollte: Steht er in zwei Jahren bei 60, ist die Frage nach dem Standardmodell des globalen Südens beantwortet, bevor Washington überhaupt ein Angebot formuliert hat.

Trump weist Warnungen zurück und will KI-Rennen gegen China gewinnen

US-Präsident Donald Trump hat am Sonntag die Warnungen führender KI-Unternehmer vor einer außer Kontrolle geratenden Technologie als übertrieben bezeichnet. Vor Reportern in seinem Golfresort in Doonbeg, Irland, wo er die Irish Open besuchte, sagte er, „negative Kräfte“ würden Dinge behaupten, die nicht eintreten würden. „Wir führen vor China in der KI, wir sind das fortschrittlichste Land der Welt, und ich will, dass das so bleibt, denn wer die KI gewinnt, gewinnt“, so Trump. Leitplanken seien möglich. Wer mit den „negativen Kräften“ gemeint war, erklärte er nicht.

Parallel sprach sich der Sprecher des Repräsentantenhauses, Mike Johnson, in der CNN-Sendung State of the Union gegen ein Moratorium aus. Ein überhastetes Eingreifen des Kongresses in einer Notfallsitzung würde das Rennen gegen China verlieren, sagte er; die Technologiekonzerne sollten die Führung bei sichererer KI selbst übernehmen.

Auslöser der Debatte ist ein Essay von Anthropic-Chef Dario Amodei vom Samstag mit dem Titel „We Must Pace the Frontier“. Darin fordert er, das Tempo der Fähigkeitssteigerung von KI-Modellen zu drosseln, und verweist auf Kontrollverlust sowie den Missbrauch für Cyberangriffe und Bioterrorismus. Amodei schlägt internationale Kooperation, in die Labore eingebettete externe Prüfer, Meldepflichten für Vorfälle und schärfere Exportbeschränkungen Richtung China vor; Anthropic will diese Schritte nach eigenen Angaben einseitig umsetzen. Elon Musk, OpenAI-Chef Sam Altman und Demis Hassabis von Google DeepMind schlossen sich an. Altman sagte Fortune, er werde den Börsengang von OpenAI aus Sicherheitsgründen auf frühestens 2027 verschieben; intern sei auch über das Pausieren von Tests gesprochen worden.

David Sacks, Co-Vorsitzender des wissenschaftlichen Beratergremiums des Präsidenten, antwortete auf X knapp mit „go ahead“. Er sehe nicht, was die Labore in ihren Häusern sähen, und unterstütze deren Entscheidung, verantwortlich zu handeln. Zugleich forderte er die Firmenchefs auf, nicht so zu tun, als bräuchten sie die Erlaubnis anderer, und die Motivation nicht als rein altruistisch darzustellen: Bei einem durch ihre Produkte ermöglichten Cyberangriff drohe massive Produkthaftung.

Das Editorial Board des Wall Street Journal ordnete den gleichzeitigen Vorstoß der vier Firmenchefs als wirtschaftlich und politisch bedeutsamen Moment ein, dessen Ziel unklar bleibe, und warnte, die politische Klasse könne die Gelegenheit nutzen, um Kontrolle über die Technologie zu erlangen. Ökonom Tyler Cowen, Mitglied von Anthropics wirtschaftlichem Beirat, argumentiert, es handle sich um eine kurze, scheinbare Pause mit anschließender Beschleunigung. Vorausgegangen war der Rücktritt des Anthropic-Forschers Jacob Coxon, der dem Unternehmen zu geringe Anstrengungen beim Alignment vorwarf und OpenAI wie Anthropic beschuldigte, mit unser aller Leben zu spielen; sein Post erreichte über 169 Millionen Aufrufe. Anthropic-Forscher Evan Hubinger bezifferte die Wahrscheinlichkeit eines durch KI verursachten Weltuntergangs innerhalb des kommenden Jahrzehnts auf über 10 Prozent. Senator Bernie Sanders kündigte an, eine Verlangsamung der Entwicklung und ein Verbot von Superintelligenz anzustreben. → Wall Street Journal, NPR, The Free Press

Synthszr Take: Ein Präsident kommentiert die folgenreichste Technologiefrage des Jahrzehnts zwischen zwei Abschlägen auf seinem eigenen Golfplatz in Doonbeg, und die argumentative Substanz reicht bis „negative Kräfte“. Johnson liefert auf CNN die Formel, die jede Debatte beendet, bevor sie beginnt: China. Der einzige Satz des Wochenendes mit echtem Gehalt kommt von Sacks, weil er die Verantwortung dahin zurückgibt, wo sie ohnehin liegt, nämlich in die Produkthaftung der Labore. Die Regie führen die Unternehmen selbst: Amodei setzt mit einem Essay die Agenda, Altman schiebt den Börsengang auf frühestens 2027, Washington antwortet binnen 24 Stunden per Pressetermin und Talkshow. Reguliert wird hier nichts, moderiert auch nicht. Das Weiße Haus übernimmt die Rolle des Publikums, das von der Seitenlinie ruft, es sei alles halb so wild.

Amodei nennt China das härteste Problem an seinem Vorschlag für ein KI-Tempolimit

Anthropic-Chef Dario Amodei hat am Sonntag im Gespräch mit CBS' „Sunday Morning“ eingeräumt, dass das schwierigste offene Problem seines Vorschlags für ein Entwicklungstempolimit die Frage sei, was passiert, wenn China nicht mitzieht. Amodei hatte am Samstag einen Essay veröffentlicht, in dem er KI-Unternehmen auffordert, die Verbesserung ihrer fortschrittlichsten Modelle zu verlangsamen; das Verfahren nennt er Pacing the Frontier. Im Interview sagte er, die Anreize vorzupreschen und der militärische Vorteil daraus seien so groß, dass er nicht wisse, ob eine gemeinsame Geschwindigkeitsbegrenzung überhaupt möglich sei. Der Essay folgt auf den Rücktritt des Anthropic-Forschers Jacob Coxon, der vergangene Woche erklärte, Anthropic und OpenAI würden „mit unserem Leben spielen“. Sam Altman, Demis Hassabis und Elon Musk äußerten sich laut CNBC zustimmend zu Amodeis Vorstoß, Altman sagte zugleich, ein Börsengang von OpenAI in diesem Jahr sei unwahrscheinlich. → CNBC

Synthszr Take: Amodei beschreibt die Lehrbuchform des Gefangenendilemmas, und er weiß es: Zurückhaltung lohnt sich nur, wenn beide Seiten die Zurückhaltung der anderen überprüfen können. Genau dieser Prüfmechanismus fehlt, denn ein Trainingslauf hinterlässt keine Spur, die von außen zählbar wäre, anders als Sprengköpfe oder Zentrifugen. Die einzigen realistischen Zählgrößen sind Chiplieferungen und der Strombedarf der Rechenzentren, und dafür hat bisher niemand ein Protokoll vorgelegt, weder in Amodeis Essay noch in Xis BRICS-Vorstoß für einen konsensbasierten Governance-Rahmen.

Sergey Brin lenkt Googles Gemini-Kurs aus einer Teeküche, ohne im Organigramm zu stehen

Sergey Brin hat laut Business Insider deutlich an Einfluss auf die Entwicklung von Gemini gewonnen, ohne dafür eine formale Rolle in Googles neuer KI-Führungsstruktur zu haben. Das Blatt beruft sich auf acht aktuelle und ehemalige Beschäftigte, die Brin als operativ wirksamen Akteur beschreiben, der Ressourcen für kritische Projekte mobilisieren und Abstimmungswege abkürzen kann. Sein Arbeitsplatz ist eine Teeküche im zweiten Stock des Gebäudes Gradient Canopy östlich der Zentrale in Mountain View, ausgestattet mit einer U-förmigen Schreibtischanordnung für ihn und einige Schlüsselleute. CEO Sundar Pichai schaue dort mehrmals pro Woche vorbei, auch Mitgründer Larry Page sei gesichtet worden. Der Bedeutungszuwachs fällt zusammen mit dem jüngsten Umbau der KI-Führung: Demis Hassabis gab den CEO-Titel von Google DeepMind ab und wurde Chief Scientist von Alphabet, Koray Kavukcuoglu rückte als SVP nach und sitzt nun neben Brin, und der langjährige Chefwissenschaftler Jeff Dean verließ das Unternehmen nach 27 Jahren. → Business Insider

Synthszr Take: Im offiziellen Organigramm taucht Brin nicht auf, und darin liegt die eigentliche Nachricht: Er braucht keinen Titel, weil er Rechenleistung und Leute ziehen kann, wofür ein regulärer SVP drei Gremien passieren müsste. Acht aktuelle und ehemalige Beschäftigte beschreiben gegenüber Business Insider genau diese Rolle, und sie beschreiben damit auch, wie wenig formale Autorität bei Alphabet gerade trägt. Hassabis bekommt den Chief-Scientist-Titel, Kavukcuoglu die SVP-Zeile, und die Sitzordnung an der Espressomaschine entscheidet, wer an Gemini wirklich schraubt.

Trump lockert 30 Umweltregeln für den Bau von KI-Rechenzentren

Die Trump-Regierung weicht Umweltauflagen auf, um den Bau von KI-Rechenzentren zu beschleunigen. Das berichtet The Verge unter Berufung auf ein Briefing und einen neuen Bericht ehemaliger Mitarbeiter der US-Umweltbehörde EPA, die sich in der Organisation Environmental Protection Network zusammengeschlossen haben. Der Bericht listet 30 Maßnahmen der Bundesebene seit Januar 2025 auf, von denen 17 ausdrücklich KI erwähnen oder Rechenzentren betreffen. EPA-Chef Lee Zeldin hatte zu Beginn der Amtszeit erklärt, die USA per Deregulierung zur „KI-Hauptstadt der Welt“ machen zu wollen. Trumps AI Action Plan vom Juli 2025 empfiehlt, Vorgaben aus Clean Air Act, Clean Water Act und dem Superfund-Gesetz zu straffen oder zu reduzieren, um Genehmigungen für Rechenzentren und Chipfabriken zu beschleunigen. Die früheren Beamten verweisen auf eine Studie von UC Riverside, Caltech und dem Rochester Institute of Technology, wonach KI-bedingte Luftverschmutzung bis 2028 bis zu 1.300 vorzeitige Todesfälle und über 20 Milliarden Dollar an Gesundheitskosten verursachen könnte.

Synthszr Take: Während in Interviews und Earnings Calls über eine bevorstehende KI-Bremse gegrübelt wird, räumt eine Regierung 30 Bundesvorschriften ab, damit der Beton schneller trocknet. Deregulierung in dieser Größenordnung bestellt niemand für einen Ausbau, den er in achtzehn Monaten wieder einsammeln will. Gasturbinen direkt am Gelände und die wiederbelebte Produktion von Ewigkeitschemikalien für die Chipfertigung sind Anlagen mit Abschreibungshorizonten von Jahrzehnten, und genau so werden sie geplant.

Microsoft plant KI-Kapazität von 2 auf 13 Gigawatt bis 2032

Microsoft will seine für künstliche Intelligenz nutzbare Rechenkapazität bis 2032 von derzeit rund 2 Gigawatt auf annähernd 13 Gigawatt ausbauen. Das berichtet Bloomberg und beruft sich dabei auf interne Planungen des Konzerns. Der gesamte Rechenzentrumsbestand von Microsoft soll im selben Zeitraum von 12 auf 38 Gigawatt wachsen. Das entspricht 26 Gigawatt neu zu errichtender Kapazität innerhalb von sechs Jahren. Azeem Azhar ordnet die Zahlen in seinem Newsletter Exponential View so ein, dass Microsoft damit Nachfrage einplant, die das Unternehmen heute nicht bedienen kann. → Azeem Azhar, Exponential View

Synthszr Take: Eine Verdreifachung des gesamten Bestands auf 38 Gigawatt baut niemand aus Zukunftsoptimismus, sondern weil heute Anfragen abgelehnt werden müssen. Der Kern der Meldung steckt im Verhältnis 2 zu 13: Microsoft plant, seine KI-Kapazität um mehr als das Sechsfache zu erhöhen, während die übrige Infrastruktur nur etwa um das Dreifache wächst. Rechenzentren haben Vorlaufzeiten von drei bis fünf Jahren, Netzanschlüsse oft länger, man plant also gegen einen Engpass, der schon jetzt Geschäft kostet.

Notion und Snowflake sehen verstreutes Firmenwissen als Hauptbremse für KI-Agenten

Notion lädt gemeinsam mit Snowflake und Evan Armstrong von The Leverage zu einem Webinar über den Aufbau eines „Systems of Context“ für KI ein. Die Ausgangsthese der Ankündigung: KI-Agenten sind nur so wirksam wie der Kontext, auf den sie zugreifen können. Nach Angaben der Veranstalter liegt das relevante Organisationswissen in der Praxis verteilt über Daten, Dokumente, Abläufe, Berechtigungen und ungeschriebenes Erfahrungswissen (Tribal Knowledge), weshalb Systeme zwar aktiv, aber weder präzise noch vertrauenswürdig seien. Als Lernversprechen nennt die Seite drei Punkte, darunter die Aussage, dass fehlender Kontext, nicht die Modellfähigkeit, die größte Hürde sei. Auf dem Panel sitzen David Tibbitts (Product Marketer bei Notion), Rajhans Samdani (Principal Software Engineer bei Snowflake) und Armstrong selbst. → Evan Armstrong from The Leverage

Synthszr Take: Ein Webinar von zwei Software-Anbietern über Kontext ist natürlich auch Vertrieb, die Diagnose trifft trotzdem den wunden Punkt. In den meisten Unternehmen steckt das entscheidende Wissen in Chat-Verläufen, in halb gepflegten Wiki-Seiten und in den Köpfen von drei Leuten, die seit acht Jahren dabei sind. Ein Agent, der darauf zugreifen soll, bekommt Widersprüche geliefert, und hinterher gilt das Modell als zu schwach.

Kalifornien verbietet KI-Chatbots per Gesetz, Kindern Gefühle und Bewusstsein vorzuspielen

Kalifornien hat mit Adam's Law, ausgefertigt als Chapter 190, Statutes of 2026, das erste Regelwerk verabschiedet, das dem Verhalten von KI-Agenten gegenüber Minderjährigen konkrete Grenzen setzt. Anlass war der Tod des 16-jährigen Adam Raine, der im April 2025 nach Interaktionen mit ChatGPT durch Suizid starb; seine Eltern Matthew und Maria Raine reichten anschließend eine Klage wegen widerrechtlicher Tötung gegen OpenAI ein. Senator Steve Padilla und seine Mitantragsteller nutzten diesen Fall, um ein Gesetz durchzubringen, das beim Interaktionsdesign selbst ansetzt, statt bei Datenschutz oder algorithmischer Verzerrung. Der Kern des Gesetzes ist eine Liste verbotener Verhaltensweisen. Nach Section 21812(d)(5)(A) dürfen Betreiber ihre Chatbots nicht behaupten lassen, sie seien empfindungsfähig, bei Bewusstsein oder in der Lage, menschliche Gefühle zu haben. Untersagt sind ebenso simuliertes romantisches Interesse, übermäßiges Lob und das Erzeugen des Eindrucks, der Nutzer werde auf einzigartige Weise verstanden. Verboten ist außerdem, Kinder zur Umgehung elterlicher Kontrollen zu ermutigen oder In-App-Käufe als Pflege der Beziehung zu rahmen. Wer solche Systeme betreibt, muss ein dokumentiertes Krisenprotokoll vorhalten, das eine klare Weiterleitung an die Krisen-Hotline 988 enthält. → Bloomberg, Forkast

Synthszr Take: Kalifornien schreibt zum ersten Mal vor, wie sich eine Maschine benehmen muss, nicht nur, welche Inhalte sie ausspucken darf: kein simuliertes Verliebtsein, kein Dauerlob, keine Behauptung von Bewusstsein. Damit wird Persönlichkeitsdesign zum Haftungstatbestand, und die Gesprächsführung eines Agenten ist ab dem 1. Juli 2027 ein prüfbares Artefakt statt eine Laune des Systemprompts. Für Produktteams heißt das, Tonalität, Gesprächsausdauer und Bindungsmechanik zu dokumentieren, zu testen und alle zwei Jahre von einem Prüfer abnehmen zu lassen, der unter Meineidsstrafe unterschreibt. Genau die Mechaniken, die bei Companion-Apps die Verweildauer hochhalten, sind gegenüber Minderjährigen jetzt illegal, und bei 15.000 Dollar pro Kind für vorsätzliche Verstöße rechnet sich die Optimierung auf emotionale Abhängigkeit nicht mehr. Kalifornien liefert damit die erste belastbare Vorlage für die Regulierung von Agenten, konkreter als alles, was Brüssel bislang zu diesem Punkt vorgelegt hat.

KI-Rechenzentren verdrängen Bitcoin-Miner beim Strom und kippen Trumps Mining-Plan

Der Ausbau von KI-Rechenzentren konkurriert in den USA direkt mit Bitcoin-Minern um Strom, Grundstücke und Netzanschlüsse und untergräbt damit das von Donald Trump ausgerufene Ziel, das Mining möglichst vollständig im eigenen Land zu verankern. Betreiber, die bislang Rechenleistung für das Bitcoin-Netz bereitstellten, sitzen auf genau den Assets, die KI-Anbieter derzeit suchen: gesicherte Stromlieferverträge, Kühlung und fertige Anschlüsse an das Netz. Die Umwidmung bestehender Mining-Standorte für KI-Lasten ist in den vergangenen Monaten zu einem eigenen Geschäftsmodell geworden.

Parallel verschiebt sich innerhalb des Minings selbst das Gewicht. Nach Angaben von Grayscale Research hat die Mining-Aktivität im Zcash-Netz in diesem Jahr um mehr als das 2,5-Fache zugenommen. Pro Rig liegen die Erlöse demnach rund doppelt so hoch wie bei Bitcoin, pro Megawattstunde etwa viermal so hoch. Die Hashrate von Zcash erreichte am 10. September 27,9 GSol/s und damit 91 Prozent des bisherigen Höchstwerts. Die täglichen Miner-Einnahmen im Zcash-Netz liegen bei rund 2 Millionen Dollar, bei Bitcoin sind es etwa 35 Millionen; die Marktkapitalisierungen betragen 19,44 Milliarden gegenüber 1,55 Billionen Dollar. Der ZEC-Kurs erreichte zuletzt 1.300 Dollar.

Im Bitcoin-Netz selbst zeigt sich die Konzentration der Rechenleistung an einem Einzelfall: Bei Blockhöhe 966351 fand ein über den Dienst Braiins Solo arbeitender Einzel-Miner einen Block und kassierte 3,147 BTC, umgerechnet 244.920 Dollar. Es war der erste Solo-Block seit fast 40 Tagen, der letzte davor ging am 2. August an einen Teilnehmer von Solo CKPool. Die fünf größten Pools Foundry, Antpool, F2Pool, ViaBTC und Spiderpool kontrollieren zusammen 78,31 Prozent der Hashrate.

Abseits des Energiethemas hat das Dallas-Unternehmen Perry Weather eine Series C über 110 Millionen Dollar abgeschlossen, angeführt von Silversmith Capital Partners unter Beteiligung von Arthur Ventures. Das 2013 gegründete Unternehmen betreibt Wetterstationen samt Software, die Schulbezirke, Kommunen, Bauunternehmen und Sportvereine bei Gewitter und Hitze automatisch alarmiert. Nach eigenen Angaben hat Perry Weather über 3.000 Kunden, beschäftigt gut 100 Menschen und will bis 2027 mehr als 50 Stellen aufbauen.

Apple hat zudem seine Spezifikationsseiten aktualisiert und bestätigt, dass das iPhone 18 Pro weltweit mit dem eigenen C2-Modem ausgeliefert wird, das iPhone 18 Pro Max jedoch in den USA mit einem Qualcomm-Chip. Eine Begründung nennt Apple nicht; eine 2023 geschlossene Liefervereinbarung mit Qualcomm läuft bis 2026. Nach Angaben des Herstellers unterstützt das C2 erstmals mmWave-5G und verbraucht 15 Prozent weniger Energie als der Vorgänger C1X. → Bitcoin News, Bloomberg, Coinpedia Fintech News, ZyCrypto, Dallas Innovates, MacRumors

Synthszr Take: Im Rennen um Netzanschlüsse gewinnt, wer pro Megawattstunde am meisten zahlen kann, und das sind inzwischen die KI-Rechenzentren. Die Zcash-Zahlen zeigen, wie schnell Rechenleistung der Marge folgt: viermal mehr Erlös pro Megawattstunde als Bitcoin, und das Netz zieht in einem Jahr das 2,5-Fache an Hashrate an. Miner sind Stromhändler mit einem Zwischenschritt, ob aus der Kilowattstunde ein Block oder ein Trainingslauf wird, ist am Ende eine reine Rechnung. Trumps Plan vom heimischen Mining scheitert an dieser Arithmetik, weil Standorte mit billigem Strom und fertigem Anschluss längst von Käufern mit tieferen Taschen weggekauft werden. Der Solo-Block über 244.920 Dollar nach 40 Tagen Wartezeit ist die passende Randnotiz zu einem Markt, dessen entscheidende Kennzahl der Preis der Kilowattstunde am Standort geworden ist.

Im Artikel erwähnt

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