
Hashrate
Die Hashrate misst, wie viele Rechenversuche pro Sekunde in einem Kryptonetzwerk wie Bitcoin unternommen werden, um den nächsten Datenblock zu finden. Sie gilt als Maß für die Rechenleistung und damit für die Sicherheit des Netzwerks.
Bei Bitcoin und ähnlichen Digitalwährungen führen Computer weltweit ein gemeinsames Kontobuch. Damit niemand darin schummeln kann, müssen sie für jeden neuen Eintrag eine Rechenaufgabe lösen. Diese Aufgabe lässt sich nicht klug lösen, sondern nur durch blindes Ausprobieren von Zahlen. Jeder einzelne Versuch heißt Hash. Die Hashrate sagt, wie viele solcher Versuche pro Sekunde stattfinden. Man kann sie für einen einzelnen Rechner angeben oder für das gesamte Netzwerk zusammen.
Was die Hashrate über die Sicherheit von Bitcoin verrät
Das Kontobuch von Bitcoin wird nicht von einer Bank geschützt, sondern durch Rechenaufwand. Wer Einträge nachträglich fälschen will, müsste die gesamte Rechenarbeit seit diesem Eintrag noch einmal leisten. Und zwar schneller als der ganze Rest der Welt. Je höher die Hashrate des Netzwerks ist, desto absurder teuer wird dieser Angriff.
Deshalb lesen Analysten die Hashrate wie einen Gesundheitswert. Steigt sie über Monate, investieren offenbar viele Betreiber in neue Geräte. Fällt sie stark ab, hat oft etwas Konkretes stattgefunden. 2021 zum Beispiel verbot China das Mining, und die weltweite Hashrate halbierte sich binnen Wochen. Sie erholte sich erst, als die Geräte in den USA und Kasachstan wieder ans Netz gingen.
Ein verbreiteter Irrtum ist, die Hashrate sage etwas über den Kurs aus. Das ist bestenfalls indirekt richtig. Ein hoher Kurs macht das Mining lukrativ und lockt neue Rechner an, also folgt die Hashrate dem Preis eher, als dass sie ihn vorhersagt.
Von Hash pro Sekunde bis Exahash
Ein Hash ist das Ergebnis einer festen Rechenvorschrift. Man wirft die Daten des Blocks plus eine frei wählbare Zahl hinein und erhält eine scheinbar zufällige Ziffernfolge. Gesucht ist eine Zahl, bei der das Ergebnis mit sehr vielen Nullen beginnt. Weil sich das nicht berechnen lässt, hilft nur stures Durchprobieren. Wer mehr Versuche pro Sekunde schafft, gewinnt häufiger.
Die Zahlen sind riesig, deshalb arbeitet man mit Vorsilben. Ein Terahash sind eine Billion Versuche pro Sekunde, ein Exahash eine Trillion. Das Bitcoin-Netzwerk lag zuletzt in der Größenordnung von mehreren Hundert Exahash pro Sekunde. Ein einzelnes Spezialgerät, ein sogenannter ASIC, schafft davon vielleicht 200 Terahash. Rein rechnerisch braucht man also Millionen solcher Geräte für das gesamte Netzwerk.
Wichtig ist der Unterschied zur Schwierigkeit, auf Englisch Difficulty. Die Hashrate ist die tatsächlich vorhandene Rechenleistung. Die Schwierigkeit ist eine Einstellung des Netzwerks, die alle zwei Wochen nachjustiert wird. Steigt die Hashrate, wird die Aufgabe schwerer gemacht. So bleibt es dabei, dass etwa alle zehn Minuten ein Block entsteht.
Wo die Zahl in Nachrichten und Bilanzen auftaucht
Börsennotierte Mining-Firmen wie Riot oder Marathon melden ihre Hashrate monatlich, ähnlich wie ein Autohersteller seine Produktionszahlen. Für Anleger ist das die zentrale Kennziffer: Sie zeigt, wie viel Anteil am weltweiten Wettrennen das Unternehmen hält. Wer ein Prozent der Netzwerk-Hashrate stellt, verdient langfristig etwa ein Prozent der ausgeschütteten Bitcoin.
Auch in Debatten über den Stromverbrauch spielt die Zahl eine Rolle. Hashrate und Energiebedarf hängen eng zusammen, aber nicht starr. Neuere Geräte liefern deutlich mehr Versuche pro Kilowattstunde. Steigende Hashrate bedeutet also nicht automatisch proportional steigenden Verbrauch.
Der Begriff gilt nur für Netzwerke mit dem Verfahren Proof of Work, bei dem Rechenarbeit über die Gültigkeit entscheidet. Ethereum ist 2022 auf ein anderes Verfahren umgestiegen, bei dem hinterlegtes Kapital zählt. Dort gibt es deshalb gar keine Hashrate mehr. Wer die Kennzahl liest, sollte also immer wissen, über welches Netzwerk gerade gesprochen wird.