
RSS-Feed
Ein RSS-Feed ist eine maschinenlesbare Liste der neuesten Beiträge einer Website. Programme rufen diese Liste regelmäßig ab und zeigen neue Artikel an, ohne dass man die Seite selbst besuchen muss.
Ein RSS-Feed ist eine Datei, die eine Website ständig aktuell hält. In ihr steht, welche Beiträge dort zuletzt veröffentlicht wurden. Pro Beitrag findet man meist Titel, Datum, eine kurze Zusammenfassung und den Link zur vollständigen Version. Diese Datei ist nicht für Menschen gemacht, sondern für Programme: Sie ist streng nach festen Regeln aufgebaut, damit Software sie sicher auslesen kann. Ein solches Programm holt die Datei alle paar Minuten neu und vergleicht sie mit dem letzten Stand. Taucht ein Eintrag auf, den es noch nicht kennt, meldet es einen neuen Artikel. Die Abkürzung steht für „Really Simple Syndication“, also etwa „sehr einfache Weiterverbreitung“.
Nachrichten holen statt Nachrichten suchen
Ohne Feeds müsste man jede interessante Seite einzeln aufrufen und nachsehen, ob es etwas Neues gibt. Bei zwanzig Quellen ist das jeden Morgen eine halbe Stunde Arbeit. Mit Feeds sammelt ein einziges Programm alle Neuigkeiten an einem Ort. Man bekommt eine Liste, sortiert nach Zeit, quer über alle Quellen.
Der zweite Vorteil ist Kontrolle. Wer welche Quellen liest, entscheidet man selbst durch das Abonnieren. Es gibt keinen Algorithmus, der die Reihenfolge nach Klickwahrscheinlichkeit umsortiert, wie es soziale Netzwerke tun. Man sieht alles, was erscheint, und nur das, was man bestellt hat. Genau deshalb erleben RSS-Feeds bei Leuten, die sozialen Netzwerken misstrauen, seit einigen Jahren ein kleines Comeback.
Für Anbieter von KI-Systemen sind Feeds besonders praktisch. Wer ein Sprachmodell mit tagesaktuellen Nachrichten versorgen will, braucht die Artikel in verlässlicher, gleichförmiger Struktur. Ein Feed liefert genau das, während das Auslesen normaler Webseiten aufwendig und fehleranfällig bleibt.
Der Aufbau der Feed-Datei
Technisch ist ein Feed eine Textdatei im Format XML. XML bedeutet, dass jede Information von Markierungen eingeklammert wird, etwa so: <title>Überschrift</title>. Ein Programm erkennt dadurch eindeutig, welcher Textteil der Titel ist und welcher das Datum. Menschen können die Datei auch lesen, sie sieht aber unaufgeräumt aus.
Die Datei liegt unter einer festen Adresse auf dem Server der Website, oft endet sie auf „/feed“ oder „/rss.xml“. Diese Adresse trägt man in ein Leseprogramm ein, einen sogenannten Feedreader. Der Reader fragt die Adresse in festen Abständen ab, zum Beispiel jede Viertelstunde. Jeder Eintrag hat eine eindeutige Kennung, damit derselbe Artikel nicht zweimal als neu gilt.
Meist enthält ein Feed nur die letzten zehn bis fünfzig Beiträge, nicht das gesamte Archiv. Wer eine Woche nicht nachsieht, verpasst bei sehr aktiven Seiten deshalb ältere Meldungen. Neben RSS existiert das jüngere Format Atom, das technisch saubererer aufgebaut ist. Im Alltag sagen die meisten trotzdem „RSS“ zu beidem, und Leseprogramme verstehen ohnehin beide Formate.
Podcasts, Newsreader und Nachrichtenseiten
Am häufigsten begegnet man RSS ohne es zu merken: bei Podcasts. Jeder Podcast ist im Kern ein Feed, in dem statt Artikeln Audiodateien verlinkt sind. Die App auf dem Handy prüft den Feed und lädt neue Folgen herunter. Deshalb kann man einen Podcast in beliebigen Apps hören, ohne an einen einzelnen Anbieter gebunden zu sein.
Wer Feeds bewusst nutzen will, braucht einen Feedreader. Bekannte Dienste sind Feedly, Inoreader oder das quelloffene Miniflux, das man selbst betreiben kann. Viele Nachrichtenseiten, Blogs und auch Behörden bieten Feeds an, manchmal getrennt nach Ressorts. Auf Finanzseiten gibt es oft einen eigenen Feed nur für Börsenmeldungen.
Ein verbreiteter Irrtum ist, RSS sei tot. Google stellte 2013 seinen populären Reader ein, was viele so verstanden haben. Die Technik läuft aber unverändert weiter und trägt die gesamte Podcast-Welt. Sie ist nur unsichtbarer geworden, weil sie im Hintergrund arbeitet.