Ablaufschema eines Nurture-Flows: Links der Auslöser \"Newsletter-Anmeldung\", danach eine Kette aus Mail 1, Wartezeit drei Tage und Mail 2. Nach Mail 2 verzweigt der Ablauf: Bei Klick auf den Link führt der obere Pfad zu einem Angebot und zur Übergabe an den Vertrieb, ohne Klick führt der untere Pfad zu einer erneuten Wartezeit und einer weiteren Mail.

Nurture-Flow

Ein Nurture-Flow ist eine automatisch ablaufende Kette von Nachrichten, meist E-Mails, die ein Unternehmen über Tage oder Wochen an Interessenten schickt. Ziel ist es, aus jemandem, der nur neugierig ist, Schritt für Schritt einen Kunden zu machen.

Wer sich auf einer Firmenwebsite für einen Newsletter anmeldet oder ein kostenloses PDF herunterlädt, bekommt danach oft nicht nur eine einzige E-Mail. Stattdessen kommt über Wochen eine ganze Serie: erst eine Begrüßung, dann ein Tipp, dann ein Kundenbericht, irgendwann ein Angebot. Diese vorher geplante Kette von Nachrichten nennt man Nurture-Flow. Das englische Wort „to nurture“ heißt so viel wie hegen oder aufziehen, und genau das ist die Idee dahinter. Niemand schreibt diese Mails einzeln von Hand; eine Software verschickt sie nach festen Regeln, sobald sich jemand angemeldet hat. Das Ganze gehört zum Marketing, also zu allem, was ein Unternehmen tut, um Produkte zu verkaufen.

Warum Firmen nicht sofort verkaufen wollen

Die meisten Menschen kaufen nicht beim ersten Kontakt. Wer sich für eine Buchhaltungssoftware interessiert, vergleicht erst mehrere Anbieter, spricht mit Kollegen und wartet vielleicht noch ein halbes Jahr. Wenn ein Unternehmen sofort nach der Anmeldung ein Angebot schickt, landet die Mail meist im Papierkorb. Ein Nurture-Flow überbrückt genau diese Wartezeit.

Für Firmen ist das auch eine Frage des Geldes. Einen neuen Interessenten zu gewinnen kostet Werbebudget, oft mehrere Euro pro Person. Wer diese Leute danach einfach vergisst, hat das Geld verbrannt. Ein automatischer Flow hält den Kontakt am Leben, ohne dass jemand dafür jeden Tag Arbeitszeit aufwenden muss.

Wichtig ist die Abgrenzung zum klassischen Newsletter. Ein Newsletter geht an alle gleichzeitig und behandelt aktuelle Themen. Ein Nurture-Flow startet für jede Person einzeln, sobald sie sich anmeldet, und läuft für sie in ihrem eigenen Takt ab. Zwei Leute können also am selben Tag völlig verschiedene Mails aus derselben Serie bekommen.

Auslöser, Wartezeiten und Verzweigungen

Jeder Flow beginnt mit einem Auslöser, im Fachjargon Trigger genannt. Das kann eine Newsletter-Anmeldung sein, ein Download oder ein abgebrochener Einkauf im Onlineshop. Danach folgt eine Kette aus zwei Bausteinen: Nachrichten und Wartezeiten. Typisch ist etwa: Mail eins sofort, drei Tage warten, Mail zwei, eine Woche warten, Mail drei.

Interessanter wird es durch Verzweigungen. Die Software beobachtet, ob jemand eine Mail öffnet oder auf einen Link klickt. Wer den Link zur Preisseite anklickt, bekommt danach andere Inhalte als jemand, der die Mail ungeöffnet lässt. Viele Systeme vergeben dafür Punkte, das nennt sich Lead Scoring. Ab einer bestimmten Punktzahl meldet sich dann ein echter Mensch aus dem Vertrieb.

Hier kommt zunehmend Künstliche Intelligenz ins Spiel, also Software, die aus Daten Muster lernt. Sprachmodelle formulieren Betreffzeilen und Textvarianten, statt dass alles von Hand geschrieben wird. Andere Modelle sagen anhand früherer Kunden voraus, wann der beste Zeitpunkt für die nächste Mail ist. Ein verbreiteter Irrtum ist allerdings, dass ein Flow dadurch von selbst gut wird. Die Reihenfolge und die Aussagen legen weiterhin Menschen fest.

Wo dir Nurture-Flows tatsächlich begegnen

Du steckst wahrscheinlich schon in mehreren, ohne es zu merken. Die Willkommensserie nach einer Registrierung bei einer App ist ein Nurture-Flow. Ebenso die Erinnerung, wenn du Waren im Warenkorb liegen lässt, oder die Mails vor Ablauf einer kostenlosen Testphase. Auch Sätze wie „Du hast dein Profil noch nicht vervollständigt“ stammen meist aus so einer Automatik.

In Wirtschaftsnachrichten taucht der Begriff im Umfeld von Marketing-Software auf. Anbieter wie HubSpot, Salesforce, Klaviyo oder Brevo verdienen ihr Geld damit, solche Flows bereitzustellen. Wenn dort von „Marketing Automation“ die Rede ist, sind Nurture-Flows der Kern des Produkts. Kennzahlen wie Öffnungsrate oder Conversion Rate, also der Anteil der Empfänger, die am Ende kaufen, messen deren Erfolg.

Ein Nurture-Flow hat auch eine rechtliche Seite. In der EU darf ein Unternehmen Werbemails nur verschicken, wenn du vorher ausdrücklich zugestimmt hast. Jede Mail braucht zudem einen funktionierenden Abmeldelink. Wer das ignoriert, riskiert Abmahnungen und Bußgelder.

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