
Nullkuponanleihe
Eine Nullkuponanleihe ist ein Wertpapier, bei dem der Käufer während der Laufzeit keine Zinsen ausgezahlt bekommt. Stattdessen kauft er das Papier günstiger, als es am Ende zurückgezahlt wird — der Gewinn steckt komplett in dieser Differenz.
Wer einem Staat oder einem Unternehmen Geld leiht, bekommt dafür meist ein Wertpapier als Schuldschein. Normalerweise zahlt der Schuldner darauf jedes Jahr Zinsen und am Ende der Laufzeit die geliehene Summe zurück. Bei einer Nullkuponanleihe fallen diese jährlichen Zahlungen weg. Man zahlt zu Beginn weniger ein, als man am Schluss zurückerhält, und genau diese Differenz ist der Verdienst. Ein Beispiel: Man legt heute 700 Euro an und bekommt in zehn Jahren 1.000 Euro ausgezahlt. Dazwischen passiert nichts — es kommt kein Geld, aber es geht auch keines verloren.
Ein einziger Zahltag statt vieler kleiner
Der größte praktische Vorteil ist die Planbarkeit. Wer weiß, dass er in genau zwölf Jahren eine bestimmte Summe braucht, kann heute punktgenau dafür anlegen. Versicherungen und Pensionskassen nutzen das, weil sie ihre künftigen Auszahlungen ziemlich genau kennen. Sie legen eine Anleihe so, dass sie fällig wird, wenn das Geld gebraucht wird.
Bei normalen Anleihen entsteht dagegen ein Problem, das Fachleute Wiederanlagerisiko nennen. Man bekommt jedes Jahr Zinsen ausgezahlt und muss dieses Geld erneut anlegen. Ob die Zinsen dann noch gleich hoch sind, weiß niemand. Bei einer Nullkuponanleihe stellt sich diese Frage nie, weil unterwegs nichts ausgezahlt wird.
Dafür schwankt der Kurs solcher Papiere stärker als der anderer Anleihen. Weil alles Geld erst ganz am Ende fließt, wirkt sich eine Veränderung der Marktzinsen besonders heftig auf den heutigen Wert aus. Steigen die Zinsen, fällt der Kurs einer langlaufenden Nullkuponanleihe deutlich. Wer bis zum Ende hält, merkt davon nichts. Wer vorher verkaufen muss, kann echte Verluste machen.
Wie sich der Ausgabepreis errechnet
Der Preis ergibt sich aus dem Rückzahlungsbetrag, der Laufzeit und dem Marktzins. Man rechnet gewissermaßen rückwärts: Welche Summe müsste man heute anlegen, damit sie mit Zins und Zinseszins am Ende genau den versprochenen Betrag ergibt? Bei drei Prozent Zins und zehn Jahren Laufzeit sind das für 1.000 Euro Rückzahlung rund 744 Euro heute. Fachleute nennen dieses Rückwärtsrechnen Abzinsung oder Diskontierung.
Daraus folgt eine einfache Regel: Je länger die Laufzeit und je höher der Marktzins, desto günstiger der Ausgabepreis. Sehr lange Nullkuponanleihen werden deshalb manchmal für einen Bruchteil ihres Nennwerts verkauft. Der Wert wächst dann über die Jahre langsam auf den Rückzahlungsbetrag zu.
Ein häufiger Irrtum ist, eine Nullkuponanleihe sei zinslos. Das stimmt nicht. Der Zins ist da, er wird nur nicht ausgezahlt, sondern von Anfang an in den niedrigen Kaufpreis eingerechnet. Auch das Finanzamt sieht das so und besteuert den Gewinn — allerdings in Deutschland in der Regel erst bei Rückzahlung oder Verkauf.
Wo Zerobonds im Markt auftauchen
In Nachrichten begegnet der Begriff meist unter dem englischen Namen Zerobond. Staaten geben solche Papiere aus, besonders für kurze Laufzeiten: Deutsche Bubills mit zwölf Monaten Laufzeit und amerikanische Treasury Bills funktionieren genau nach diesem Prinzip. Daneben zerlegen Banken normale Anleihen in ihre einzelnen Zahlungen und verkaufen jede davon separat. Solche Bausteine heißen Strips und sind ebenfalls Nullkuponanleihen.
Für Privatanleger sind sie eher ein Randthema, tauchen aber in Fonds und in der Altersvorsorge auf. Interessant sind sie außerdem für Leute, die auf fallende Zinsen setzen. Weil ihr Kurs so stark reagiert, steigen langlaufende Zerobonds bei sinkenden Zinsen besonders kräftig — was sie umgekehrt auch riskant macht.
Ein letzter Punkt betrifft die Sicherheit. Über die gesamte Laufzeit kommt kein Cent zurück. Geht der Schuldner pleite, ist der Einsatz komplett gefährdet. Bei einer normalen Anleihe hätte man wenigstens einige Zinszahlungen schon in der Tasche. Deshalb lohnt sich hier ein besonders genauer Blick darauf, wer das Papier ausgibt.