
TSMC
TSMC ist ein Unternehmen aus Taiwan, das Computerchips für andere Firmen herstellt, ohne eigene Chips zu entwerfen. Es fertigt die schnellsten Chips der Welt und ist damit ein zentraler Engpass für die gesamte KI-Branche.
In fast jedem Handy, Laptop und Rechenzentrum steckt mindestens ein Chip: ein winziges Stück Silizium, auf dem Milliarden von Schaltern sitzen. Viele bekannte Firmen entwerfen solche Chips nur am Computer. Bauen können sie sie nicht, denn dafür braucht man eine Fabrik für mehrere zehn Milliarden Dollar. Genau diese Fabriken betreibt TSMC, ein 1987 gegründetes Unternehmen aus Taiwan. Der Name steht für Taiwan Semiconductor Manufacturing Company. TSMC entwirft selbst keine Produkte, sondern fertigt ausschließlich im Auftrag anderer.
Ein Zulieferer, an dem die halbe Tech-Branche hängt
Apple, Nvidia, AMD und Qualcomm lassen ihre wichtigsten Chips bei TSMC fertigen. Bei den modernsten Fertigungsverfahren hat das Unternehmen einen Marktanteil von rund 90 Prozent. Es gibt also praktisch keinen Ersatzlieferanten. Wenn TSMC nicht liefert, stehen weltweit Produktlinien still.
Für die KI-Branche ist das besonders heikel. Die Grafikprozessoren von Nvidia, auf denen die großen Sprachmodelle trainiert werden, kommen alle aus taiwanischen Werken. Nvidia kann noch so viele Bestellungen haben: Mehr Chips als TSMC fertigen kann, gibt es nicht. Deshalb tauchen die Quartalszahlen von TSMC regelmäßig in Finanznachrichten auf. Sie gelten als Frühindikator dafür, wie stark die Nachfrage nach KI-Hardware wirklich ist.
Dazu kommt die Politik. Taiwan wird von China als eigenes Staatsgebiet beansprucht. Ein Konflikt um die Insel würde die weltweite Chipversorgung treffen. Aus diesem Grund fördern die USA, Japan und die EU mit Milliardensummen den Bau von Fabriken im eigenen Land, unter anderem in Arizona und in Dresden.
Wie ein Chip in der Fabrik entsteht
Ausgangspunkt ist eine runde Scheibe aus reinem Silizium, der Wafer. Auf sie werden Schichten aufgetragen und wieder teilweise weggeätzt, Hunderte Male nacheinander. Die Muster überträgt eine Maschine mit Licht auf die Scheibe, ähnlich wie eine Diaprojektion, nur extrem verkleinert. Am Ende wird der Wafer in einzelne Chips zersägt.
Der Wettbewerb dreht sich darum, wie fein diese Muster werden. Wenn von einem Drei-Nanometer-Prozess die Rede ist, meint das die aktuelle Generation der Fertigung. Kleinere Strukturen bedeuten mehr Schalter auf gleicher Fläche und weniger Stromverbrauch pro Rechenschritt. Die dafür nötigen Belichtungsmaschinen kommen ausschließlich vom niederländischen Hersteller ASML und kosten pro Stück weit über hundert Millionen Euro.
Eine wichtige Kennzahl heißt Yield, auf Deutsch Ausbeute. Sie sagt, wie viele Chips auf einem Wafer am Ende funktionieren. Ein einziges Staubkorn kann einen Chip unbrauchbar machen, deshalb ist die Luft in den Werkshallen sauberer als in einem Operationssaal. Ein neuer Prozess startet oft mit schlechter Ausbeute und wird über Monate verbessert. Wer das schneller schafft als die Konkurrenz, verdient deutlich mehr.
TSMC in Schlagzeilen und Produkten
Man begegnet TSMC selten direkt, denn auf keinem Gerät steht der Name. Trotzdem steckt die Firma im iPhone, in Spielekonsolen und in den Servern hinter jedem Chatbot. Wenn eine neue Grafikkarte monatelang ausverkauft ist, liegt das häufig an begrenzten Fertigungskapazitäten.
In Nachrichten taucht das Unternehmen meist in drei Zusammenhängen auf: neue Fabriken im Ausland, Exportbeschränkungen für Chips nach China und die Frage, wer die knappe Produktionskapazität bekommt. Ein verbreiteter Irrtum ist, TSMC sei ein Konkurrent von Nvidia. Tatsächlich ist Nvidia einer der größten Kunden. Ein echter Wettbewerber ist dagegen Samsung, und mit Abstrichen Intel, das anders als TSMC auch eigene Chips entwirft.