RCS

RCS ist der moderne Nachfolger der klassischen SMS. Der Standard bringt Funktionen wie Bilder in guter Qualität, Gruppenchats und Lesebestätigungen direkt in die vorinstallierte Nachrichten-App des Handys.

RCS steht für Rich Communication Services. Es ist eine Technik, mit der Handys Nachrichten austauschen können. Sie soll die alte SMS ersetzen, also die einfache Textnachricht, die es seit den 1990er Jahren gibt. Eine SMS kann nur rund 160 Zeichen Text transportieren, sonst nichts. Mit RCS lassen sich dagegen Fotos in voller Qualität, Videos, Sprachnachrichten und Gruppenchats verschicken. Man sieht außerdem, ob die andere Person die Nachricht gelesen hat oder gerade tippt. Der Unterschied zu Apps wie WhatsApp: RCS läuft in der Nachrichten-App, die auf dem Handy ohnehin schon installiert ist.

Der Kampf um die vorinstallierte Nachrichten-App

Über Jahre hinweg war die SMS technisch stehengeblieben. Wer Fotos teilen oder in Gruppen chatten wollte, wich auf WhatsApp, Telegram oder den iMessage-Dienst von Apple aus. Damit verloren die Mobilfunkanbieter einen wichtigen Teil ihres Geschäfts an einzelne Software-Konzerne. RCS ist der Versuch, diese Funktionen zurück in den offenen Handystandard zu holen.

Besonders sichtbar wurde das im Streit zwischen Apple und Google. Nachrichten zwischen iPhones liefen bisher über iMessage und wurden blau angezeigt. Nachrichten von Android-Handys landeten dagegen als einfache SMS im grünen Feld, mit schlechten Bildern und ohne Lesebestätigung. In den USA wurde diese Farbe zu einem sozialen Statussymbol unter Jugendlichen. Auch die EU-Kommission interessierte sich für die Frage, ob Apple sich damit unfair abschottet.

2024 hat Apple deshalb nachgegeben und RCS auf dem iPhone freigeschaltet. Seitdem funktionieren Bilder und Lesebestätigungen auch zwischen iPhone und Android. Für Nutzer heißt das: weniger Frust, egal welches Gerät das Gegenüber hat.

Von der Funkzelle ins Internet

Eine SMS wird über das Mobilfunknetz selbst übertragen, genauer über einen schmalen Signalkanal, der eigentlich für Steuerdaten gedacht war. Deshalb ist sie so knapp begrenzt. RCS geht einen anderen Weg und nutzt schlicht die Internetverbindung des Handys, also mobile Daten oder WLAN. Damit gelten dieselben technischen Möglichkeiten wie bei jeder Chat-App.

Die Nachrichten laufen dabei über Server. Diese werden entweder vom Mobilfunkanbieter betrieben oder, in der Praxis sehr häufig, von Google. Das Unternehmen stellt mit dem Jibe-Dienst die Infrastruktur für viele Anbieter weltweit bereit. Genau das ist ein Kritikpunkt: Ein Standard, der offen sein soll, hängt an einem einzigen großen Anbieter.

Ein häufiger Irrtum betrifft die Verschlüsselung. RCS war ursprünglich nicht Ende-zu-Ende-verschlüsselt, konnte also unterwegs mitgelesen werden. Google hat diese Verschlüsselung in seiner eigenen App nachgerüstet. Erst seit 2025 ist sie offizieller Teil des Standards und damit für alle Anbieter vorgesehen. Wenn die Verbindung fehlt oder das Gegenüber RCS nicht unterstützt, fällt die Nachricht automatisch auf SMS zurück.

Paketbenachrichtigungen, Banken und Werbung

Im Alltag merkt man RCS oft gar nicht bewusst. Auf Android-Handys ist es in der Google-Messages-App längst aktiv, auf dem iPhone in der normalen Nachrichten-App. Ein Hinweis wie „RCS-Chat“ im Eingabefeld zeigt, dass die bessere Technik gerade benutzt wird.

Wirtschaftlich interessant ist RCS vor allem für Unternehmen. Paketdienste, Fluggesellschaften und Banken können damit Nachrichten mit Logo, geprüftem Absendernamen und Schaltflächen verschicken. Statt eines nackten Links erscheint ein Knopf wie „Sendung verfolgen“. Das soll auch Betrugsversuche erschweren, weil ein geprüfter Absender schwerer zu fälschen ist als eine SMS-Nummer.

In Wirtschaftsnachrichten taucht RCS deshalb meist in zwei Zusammenhängen auf: als Werkzeug für Unternehmenskommunikation mit Milliardenumsätzen und als Streitpunkt zwischen Apple, Google, Mobilfunkanbietern und Regulierungsbehörden.

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