Kurs-Gewinn-Verhältnis

Kurs-Gewinn-Verhältnis

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis gibt an, wie viel man für eine Aktie zahlt, gemessen am Gewinn, den das Unternehmen pro Aktie erwirtschaftet. Es ist die bekannteste Kennzahl, um zu beurteilen, ob eine Aktie teuer oder günstig bewertet ist.

Eine Aktie ist ein kleiner Anteil an einem Unternehmen. Wer sie kauft, bekommt einen Anspruch auf einen Teil des Gewinns, den die Firma erwirtschaftet. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis vergleicht nun beides miteinander: den Preis der Aktie an der Börse und den Gewinn, der rechnerisch auf diese eine Aktie entfällt. Man teilt den Preis durch den Gewinn und erhält eine einzelne Zahl. Kostet eine Aktie 60 Euro und entfallen auf sie 3 Euro Jahresgewinn, dann beträgt das Kurs-Gewinn-Verhältnis 20. Anschaulich heißt das: Man zahlt heute so viel, wie das Unternehmen in 20 Jahren an Gewinn für diesen Anteil erwirtschaftet — vorausgesetzt, der Gewinn bleibt gleich hoch.

Was die Zahl über den Preis einer Aktie verrät

Der reine Aktienkurs sagt fast nichts aus. Eine Aktie für 800 Euro kann billig sein, eine für 4 Euro maßlos überteuert. Entscheidend ist das Verhältnis zwischen Preis und dem, was das Unternehmen tatsächlich verdient. Genau diese Umrechnung leistet das Kurs-Gewinn-Verhältnis. Dadurch lassen sich Firmen unterschiedlicher Größe überhaupt erst vergleichen.

Ein hoher Wert bedeutet nicht automatisch, dass eine Aktie schlecht ist. Er zeigt vor allem, dass der Markt hohe Erwartungen hat. Anleger gehen davon aus, dass die Gewinne kräftig steigen werden. Ein niedriger Wert kann umgekehrt auf ein Schnäppchen hindeuten — oder darauf, dass niemand an die Zukunft der Firma glaubt. Die Kennzahl liefert also eine Frage, keine Antwort.

Bei Technologie- und KI-Unternehmen fallen die Werte oft besonders hoch aus. Investoren zahlen dort für erwartetes Wachstum, nicht für den heutigen Gewinn. Genau deshalb taucht das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf, wenn über eine mögliche Blase diskutiert wird. Steigen die Kurse viel schneller als die Gewinne, wächst die Kennzahl — und mit ihr die Nervosität.

Die Rechnung und ihre Tücken

Die Formel ist simpel: Aktienkurs geteilt durch Gewinn je Aktie. Den Gewinn je Aktie erhält man, indem man den Jahresgewinn des Unternehmens durch die Anzahl aller ausgegebenen Aktien teilt. Verdient eine Firma 300 Millionen Euro und gibt es 100 Millionen Aktien, sind das 3 Euro pro Aktie. Diese Zahl steht in jedem Geschäftsbericht und muss nicht selbst ausgerechnet werden.

Wichtig ist, welcher Gewinn eingesetzt wird. Nimmt man den Gewinn des vergangenen Jahres, spricht man vom nachlaufenden Kurs-Gewinn-Verhältnis. Nutzt man dagegen die Gewinnschätzung von Analysten für das kommende Jahr, ergibt sich das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis. Bei schnell wachsenden Firmen liegen beide Werte weit auseinander. Wer Zahlen vergleicht, muss deshalb wissen, welche Variante gemeint ist.

Die Kennzahl hat klare Grenzen. Macht ein Unternehmen Verlust, ist sie gar nicht berechenbar, denn man kann nicht sinnvoll durch eine negative Zahl teilen. Außerdem lässt sich der ausgewiesene Gewinn durch Buchhaltungsregeln beeinflussen, etwa durch Abschreibungen oder einmalige Sondereffekte. Und ein Vergleich über Branchen hinweg führt oft in die Irre: Softwarefirmen haben traditionell höhere Werte als Autobauer oder Banken. Sinnvoll ist der Vergleich nur innerhalb einer Branche oder mit der eigenen Historie eines Unternehmens.

Das KGV in Börsennachrichten und Depot-Apps

In Finanznachrichten ist die Abkürzung KGV allgegenwärtig. Sätze wie „Die Aktie ist mit einem KGV von 45 ambitioniert bewertet“ bedeuten schlicht: Sie ist im Verhältnis zum Gewinn teuer. Auch für ganze Aktienindizes wird die Kennzahl berechnet, etwa für den DAX oder den US-Index S&P 500. Liegt sie deutlich über dem langjährigen Durchschnitt, warnen Kommentatoren gerne vor einer Überhitzung.

Jede Broker-App und jedes Finanzportal zeigt den Wert auf der Übersichtsseite einer Aktie an, meist direkt neben Kurs und Dividende. Man findet ihn dort oft unter der englischen Bezeichnung P/E Ratio, kurz für Price-Earnings-Ratio. Dahinter steckt exakt dieselbe Rechnung.

Ein verbreiteter Irrtum ist, die Kennzahl als Kaufsignal zu lesen. Sie ist eine Momentaufnahme und ignoriert Schulden, Wachstumstempo und Wettbewerbsposition komplett. Profis kombinieren sie daher mit anderen Größen, etwa dem Verhältnis von Kurs zum Umsatz. Als schneller erster Eindruck ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis trotzdem kaum zu ersetzen.

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