
KOSDAQ
Der KOSDAQ ist ein südkoreanischer Aktienmarkt, an dem vor allem kleinere und stark wachsende Technologieunternehmen gehandelt werden. Er gilt als Gradmesser dafür, wie es Koreas Chip-, Biotech- und Softwarebranche gerade geht.
An einer Börse kaufen und verkaufen Menschen Anteile an Unternehmen, sogenannte Aktien. Südkorea hat für diesen Handel zwei große Plattformen. Die eine heißt KOSPI und versammelt die alten Schwergewichte wie Samsung Electronics oder Hyundai. Die andere heißt KOSDAQ und ist für kleinere, jüngere Firmen gedacht. Dort sind vor allem Unternehmen aus Technik, Medizin und Software gelistet, also solche, die schnell wachsen wollen und dafür Geld von Anlegern brauchen. Der KOSDAQ wurde 1996 nach dem Vorbild der US-Technologiebörse Nasdaq gegründet, und der Name spielt genau darauf an.
Koreas Schaufenster für junge Technikfirmen
Ein junges Unternehmen hat oft eine gute Idee, aber wenig Geld. Über die Börse kann es sich dieses Geld beschaffen: Es verkauft Anteile an sich selbst und bekommt dafür Kapital für Labore, Maschinen oder Personal. Für viele koreanische Firmen ist der KOSDAQ die erste Station auf diesem Weg. Die Anforderungen sind niedriger als beim großen KOSPI, wo ein Unternehmen bereits seit Jahren hohe Gewinne nachweisen muss.
Für Anleger ist der KOSDAQ deshalb interessant und riskant zugleich. Wer früh in eine kleine Chipfirma investiert, kann viel gewinnen, wenn daraus ein Weltkonzern wird. Genauso häufig verschwinden solche Firmen aber wieder vom Markt. Die Kurse am KOSDAQ schwanken darum stärker als an den meisten großen Börsen.
Wirtschaftlich hat der Markt zusätzlich eine Signalwirkung. Südkorea lebt stark vom Export von Halbleitern, also den Rechenchips in Handys, Autos und Servern. Steigt der KOSDAQ deutlich, deutet das oft auf einen weltweiten Nachfrageschub bei Technik hin. Fällt er, ist das ein Frühwarnzeichen für die gesamte Branche.
Wie sich der Indexstand berechnet
Wenn in den Nachrichten steht, der KOSDAQ sei um zwei Prozent gestiegen, ist damit nicht die Börse als Gebäude gemeint. Gemeint ist eine Kennzahl, ein sogenannter Index. Er fasst die Kurse aller dort gelisteten Unternehmen zu einer einzigen Zahl zusammen. So sieht man mit einem Blick, ob es dem Markt insgesamt gut oder schlecht geht.
Dabei zählen nicht alle Firmen gleich stark. Ausschlaggebend ist der Börsenwert eines Unternehmens, also Aktienkurs mal Anzahl der Aktien. Ein großes Biotech-Unternehmen bewegt den Index deshalb spürbar, ein winziger Zulieferer kaum. Als Startpunkt gilt der 1. Juli 1996; damals wurde der Indexstand auf 1000 Punkte festgesetzt. Alle späteren Werte sind Vergleiche mit diesem Ausgangspunkt.
Betrieben wird der Markt von der Korea Exchange, der nationalen Börsengesellschaft. Sie prüft, welche Firmen zugelassen werden, und wirft Unternehmen auch wieder heraus, wenn sie Regeln verletzen oder zahlungsunfähig werden. Wichtig ist die Abgrenzung zur Nasdaq in den USA: Beide sind technologielastig, aber es sind völlig getrennte Märkte mit unterschiedlichen Firmen. Ein häufiger Irrtum ist außerdem, der KOSDAQ sei die kleine Nebenbörse Koreas. Tatsächlich sind dort weit über 1500 Unternehmen gelistet, deutlich mehr als am KOSPI.
Der KOSDAQ in Börsenmeldungen
Am ehesten begegnet dir der Begriff in Wirtschaftsnachrichten am frühen Morgen. Weil Südkorea in einer anderen Zeitzone liegt, schließt der KOSDAQ, bevor die europäischen Börsen richtig öffnen. Meldungen wie „Asiens Börsen im Minus, KOSDAQ verliert 1,8 Prozent“ sind deshalb oft der erste Stimmungstest des Tages für Technologieaktien.
Auch in KI-Nachrichten taucht der Index auf. Viele Zulieferer, die Speicherchips, Kameramodule oder Ausrüstung für Chipfabriken herstellen, sind am KOSDAQ notiert. Kündigt ein großer amerikanischer Konzern neue Rechenzentren für künstliche Intelligenz an, steigen dort oft am nächsten Tag die Kurse.
Für dich als Leser reicht es, den KOSDAQ als Thermometer zu verstehen. Er misst nicht die Weltwirtschaft, sondern die Laune der Anleger gegenüber koreanischen Wachstumsfirmen. Wer die Zahl richtig einordnen will, schaut immer auch auf den KOSPI daneben. Bewegen sich beide gleich, steckt eine allgemeine Ursache dahinter. Läuft nur der KOSDAQ aus dem Ruder, liegt es meist an der Technologiebranche selbst.