Datenbankmigration

Datenbankmigration

Eine Datenbankmigration ist der geplante Umzug gespeicherter Daten von einem Ablagesystem in ein anderes oder die Änderung ihrer inneren Struktur. Sie gilt als eines der riskantesten Vorhaben in der IT, weil dabei der wertvollste Besitz eines Unternehmens bewegt wird: seine Daten.

Fast jedes Unternehmen speichert seine Informationen in einer Datenbank. Das ist ein Programm, das große Mengen an Daten geordnet ablegt und schnell wieder herausgibt: Kundennamen, Bestellungen, Kontostände. Eine Datenbankmigration ist der geplante Umzug dieser Daten in ein anderes System. Manchmal ändert sich dabei auch nur die Ordnung innerhalb der bestehenden Datenbank, etwa wenn eine neue Spalte für Telefonnummern dazukommt. Der Vergleich mit einem Umzug trägt weit: Man packt nicht nur Kisten, man muss auch prüfen, ob am neuen Ort alles noch passt. Und der Laden soll währenddessen möglichst geöffnet bleiben.

Warum Banken davor Angst haben

Bei einer Migration kann etwas verloren gehen, das sich nicht neu erzeugen lässt. Ein abgestürzter Server ist ärgerlich, aber ersetzbar. Verschwundene oder verfälschte Kontodaten sind es nicht. Deshalb bekommen Migrationen oft mehr Prüfungen und Freigaben als jedes andere IT-Projekt.

Dazu kommt der Zeitdruck. Viele Systeme müssen rund um die Uhr laufen. Ein Onlineshop, der für zwölf Stunden abgeschaltet wird, verliert Umsatz und Vertrauen. Große Migrationen laufen deshalb oft nachts oder an Feiertagen. Manche Banken planen dafür ein ganzes Wochenende ein und kündigen es Monate vorher an.

In der Wirtschaftspresse tauchen Migrationen fast immer dann auf, wenn sie schiefgegangen sind. Die britische Bank TSB verlegte 2018 die Daten von rund fünf Millionen Kunden auf eine neue Plattform. Danach sahen Kunden fremde Konten oder kamen tagelang nicht an ihr Geld. Die Aufräumarbeiten kosteten das Institut mehrere hundert Millionen Pfund und den Chef seinen Posten.

Vom alten ins neue Regal

Am Anfang steht die Bestandsaufnahme. Man beschreibt genau, wie die Daten heute abgelegt sind. Diese Beschreibung heißt Schema: Sie legt fest, welche Tabellen es gibt und welche Felder darin stehen. Dann definiert man das Zielschema. Zwischen beiden liegt eine Übersetzungsvorschrift, das sogenannte Mapping.

Selten passt alles eins zu eins. Im alten System steht der Name vielleicht in einem einzigen Feld, im neuen getrennt nach Vor- und Nachname. Solche Umformungen erledigt ein Programm, das die Daten liest, umbaut und neu schreibt. Fachleute nennen diesen Dreischritt ETL, kurz für Extrahieren, Transformieren, Laden.

Kein seriöses Team migriert beim ersten Versuch echte Daten. Üblich sind mehrere Probeläufe auf Kopien. Danach wird verglichen: Sind es gleich viele Datensätze? Stimmen die Summen? Erst wenn das mehrfach sauber klappt, kommt der echte Termin. Für den Notfall gibt es einen Rückweg, den Rollback, bei dem man auf den alten Stand zurückschaltet.

Eine schonendere Variante ist der Parallelbetrieb. Beide Systeme laufen eine Zeit lang gleichzeitig und werden ständig abgeglichen. Erst wenn das neue System bewiesen hat, dass es zuverlässig arbeitet, schaltet man das alte ab. Das kostet mehr, senkt aber das Risiko deutlich.

Wenn die App plötzlich anders aussieht

Als Nutzer merkt man Migrationen meist indirekt. Wartungsfenster am Wochenende, eine Banking-App, die über Nacht neu aussieht, oder die Meldung, dass ein Dienst kurzzeitig nicht erreichbar ist: Dahinter steckt oft ein Datenumzug. Auch das Wechseln des Handyanbieters unter Mitnahme der Nummer ist im Kern eine Migration.

In der Tech-Branche ist der häufigste Anlass der Wechsel in die Cloud. Daten wandern von eigenen Servern im Keller zu Anbietern wie Amazon, Microsoft oder Google. Ein zweiter großer Treiber sind Firmenübernahmen, denn zwei fusionierte Unternehmen haben zwei getrennte Kundendatenbanken.

Ein verbreiteter Irrtum ist, dass eine Migration reines Kopieren sei. Tatsächlich ist der Umzug selbst oft der kleinste Teil. Den meisten Aufwand kostet das Aufräumen vorher: doppelte Einträge, veraltete Adressen, Felder, die jemand vor zehn Jahren zweckentfremdet hat. Wer alte Unordnung ungeprüft mitnimmt, hat sie im neuen System sofort wieder.

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