Best-of-Breed-Integration

Best-of-Breed-Integration

Best-of-Breed-Integration bedeutet, dass ein Unternehmen für jede Aufgabe das jeweils beste Einzelprogramm auswählt und diese Programme anschließend miteinander verbindet. Der Gegenentwurf ist ein einziges Rundum-System eines Anbieters, das alles abdeckt, aber in Einzelbereichen oft schwächer ist.

Ein Unternehmen braucht Software für viele verschiedene Aufgaben: Buchhaltung, Lagerverwaltung, Kundenbetreuung, Personalplanung. Dafür gibt es zwei Wege. Entweder man kauft ein großes Rundum-Paket von einem einzigen Anbieter, das alles ein bisschen kann. Oder man sucht für jeden Bereich das stärkste verfügbare Programm und verbindet diese Programme danach miteinander. Der zweite Weg heißt Best-of-Breed-Integration. Der englische Ausdruck bedeutet wörtlich „das Beste der Rasse“ und stammt aus der Sprache von Tierzuchtwettbewerben. Gemeint ist der Sieger seiner Kategorie.

Spitzenleistung gegen Bequemlichkeit

Der Vorteil liegt in der Qualität der einzelnen Bausteine. Ein Anbieter, der sich seit zehn Jahren nur um Buchhaltung kümmert, kennt jede Sonderregel des Steuerrechts. Ein Konzern, der fünfzehn Bereiche gleichzeitig abdeckt, kann diese Tiefe selten erreichen. Wer auf Spezialisten setzt, bekommt in jedem Bereich mehr Funktionen und meist auch schnellere Updates.

Dazu kommt die Unabhängigkeit. Wer alles bei einem Anbieter kauft, gerät in eine Abhängigkeit, die man Vendor Lock-in nennt: ein Wechsel wäre so teuer, dass er praktisch ausscheidet. Der Anbieter kann dann Preise erhöhen, ohne Kunden zu verlieren. Mit vielen kleinen Programmen lässt sich dagegen jedes einzeln austauschen, wenn es nicht mehr passt.

Der Preis dafür ist Aufwand. Jede Verbindung zwischen zwei Programmen muss gebaut, getestet und gepflegt werden. Wenn ein Anbieter sein Programm umbaut, kann die Verbindung brechen. Und bei einem Fehler ist oft unklar, wer verantwortlich ist. Genau diese Frage entscheidet in der Praxis darüber, ob sich der Ansatz lohnt.

Wie die Einzelteile zusammenfinden

Die Verbindung läuft über sogenannte Schnittstellen, meist APIs genannt. Eine Schnittstelle ist eine festgelegte Sprache, in der ein Programm Daten anfordern und abgeben kann. Das Kundenprogramm meldet zum Beispiel eine neue Bestellung. Das Lagerprogramm reserviert daraufhin die Ware. Das Buchhaltungsprogramm erzeugt die Rechnung. Jeder Schritt ist ein automatischer Datenaustausch zwischen zwei Systemen.

Bei drei Programmen genügen einzelne Verbindungen. Bei zwanzig Programmen wird das unübersichtlich, denn die Zahl möglicher Verbindungen wächst schnell. Deshalb schaltet man häufig eine zentrale Vermittlungsstelle dazwischen. Jedes Programm spricht nur mit dieser Stelle, und sie verteilt die Daten weiter. Solche Werkzeuge heißen Integrationsplattformen oder Middleware.

Ein zweites Problem sind unterschiedliche Datenformate. Ein Programm schreibt das Datum als 05.03.2025, ein anderes als 2025-03-05. Ein Programm nennt das Feld „Kunde“, ein anderes „Account“. Solche Unterschiede muss jemand übersetzen, sonst kommen falsche oder gar keine Daten an. Ein verbreiteter Irrtum ist, dass eine vorhandene Schnittstelle diese Arbeit automatisch erledigt. Sie liefert nur den Kanal, nicht das gemeinsame Vokabular.

Der Ansatz in der KI-Welt

Besonders sichtbar ist die Debatte gerade bei Software mit künstlicher Intelligenz. Ein Unternehmen kann ein Sprachmodell eines Anbieters für das Schreiben von Texten nutzen, ein anderes für Programmcode und ein drittes für die Suche in eigenen Dokumenten. Verbunden werden sie über Schnittstellen im Hintergrund. Für die Mitarbeiter sieht es trotzdem nach einem einzigen Werkzeug aus.

In Finanznachrichten taucht der Begriff auf, wenn große Anbieter wie SAP, Salesforce oder Microsoft um Kunden ringen. Ihr Argument lautet: alles aus einer Hand, ein Vertrag, ein Ansprechpartner. Kleinere spezialisierte Firmen halten dagegen mit besseren Einzelprodukten. Wie sich Kunden entscheiden, beeinflusst die Bewertung dieser Unternehmen an der Börse spürbar.

In der Praxis wählen viele Firmen einen Mittelweg. Für den Kern nehmen sie ein großes System, für einzelne wichtige Bereiche einen Spezialisten. Die Frage lautet also selten „alles oder nichts“, sondern: Wo lohnt sich der zusätzliche Integrationsaufwand wirklich?

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