
BRICS
BRICS ist ein loser Zusammenschluss großer Schwellenländer, ursprünglich Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika. Die Gruppe will das wirtschaftliche und politische Gewicht des Westens ausgleichen und hat sich seit 2024 um weitere Mitglieder erweitert.
BRICS ist der Name für eine Gruppe von Staaten, die sich regelmäßig treffen und wirtschaftlich sowie politisch zusammenarbeiten. Die Buchstaben stehen für die Anfangsbuchstaben der fünf Gründungsmitglieder: Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika. Alle fünf gelten als Schwellenländer, also als Staaten, die wirtschaftlich stark wachsen, aber noch nicht so reich sind wie etwa Deutschland oder die USA. BRICS ist kein Bündnis mit festen Verträgen und auch kein gemeinsamer Markt wie die Europäische Union. Es gibt kein Parlament, keine gemeinsame Währung und keine Pflicht, sich an Beschlüsse zu halten. Zusammengehalten wird die Gruppe vor allem durch ein gemeinsames Ziel: weniger Abhängigkeit von den westlichen Industriestaaten.
Ein Gegengewicht zu den USA und Europa
In den BRICS-Staaten lebt zusammen deutlich mehr als ein Drittel der Weltbevölkerung. Ihr Anteil an der weltweiten Wirtschaftsleistung liegt je nach Rechenweise bei rund einem Viertel bis einem Drittel. Trotzdem haben sie in wichtigen Organisationen wie dem Internationalen Währungsfonds vergleichsweise wenig Stimmgewicht. Diese Lücke zwischen wirtschaftlicher Größe und politischem Einfluss ist der eigentliche Antrieb der Gruppe.
Ein zweites Thema ist der US-Dollar. Ein Großteil des Welthandels wird in Dollar abgerechnet, auch wenn die USA gar nicht beteiligt sind. Das gibt Washington viel Macht, etwa bei Sanktionen gegen einzelne Länder. Mehrere BRICS-Staaten wollen deshalb häufiger in eigenen Währungen handeln. Von einer gemeinsamen BRICS-Währung wird oft geredet, realistisch ist sie auf absehbare Zeit nicht.
Für Technik und KI ist die Gruppe ebenfalls relevant. China und Indien bauen eigene Chipfabriken und Rechenzentren auf, auch weil westliche Exportbeschränkungen ihnen den Zugang zu bestimmten Hochleistungschips erschweren. Wer über die Zukunft der KI-Infrastruktur spricht, kommt an diesen Ländern nicht vorbei.
Gipfeltreffen statt Verträge
Der Kern der Zusammenarbeit ist ein jährliches Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs. Den Vorsitz übernimmt jedes Jahr ein anderes Mitglied und legt dabei die Schwerpunkte fest. Am Ende steht meist eine gemeinsame Erklärung, die aber niemanden rechtlich bindet. Entschieden wird im Konsens, jedes Land kann also blockieren.
Es gibt aber auch eine echte Institution: die Neue Entwicklungsbank mit Sitz in Shanghai, gegründet 2015. Sie vergibt Kredite für Straßen, Stromnetze oder Wasserversorgung in Mitgliedsländern. Gedacht ist sie als Alternative zur Weltbank, in der die USA und Europa traditionell viel Einfluss haben. Dazu kommt ein gemeinsamer Notfalltopf an Devisen, auf den ein Mitglied bei einer Währungskrise zugreifen kann.
Seit 2024 ist die Gruppe gewachsen, unter anderem um Ägypten, Äthiopien, den Iran und die Vereinigten Arabischen Emirate. Man spricht deshalb manchmal von BRICS+. Die Erweiterung macht die Gruppe größer, aber auch uneiniger. Indien und China etwa sind Rivalen mit einem ungelösten Grenzkonflikt, Brasilien und Iran verfolgen sehr unterschiedliche Interessen.
BRICS in den Nachrichten richtig einordnen
Am häufigsten taucht der Begriff rund um die Gipfeltreffen im Sommer auf. Dann berichten Medien über Beitrittskandidaten, über Rohstoffabkommen oder über Pläne für ein eigenes Zahlungssystem. Auch bei Diskussionen über Öl- und Gaspreise fällt der Name, weil mit Russland, Iran und den Emiraten mehrere große Förderländer dabei sind.
An der Börse begegnet dir BRICS als Kategorie für Fonds. Ein BRICS-ETF bündelt Aktien aus diesen Ländern in einem Produkt. Interessant zu wissen: Der Begriff wurde 2001 von einem Analysten der Bank Goldman Sachs erfunden, um Anlegern wachstumsstarke Märkte zu beschreiben. Erst Jahre später machten die Länder daraus ein echtes politisches Format.
Ein verbreiteter Irrtum ist, BRICS sei eine Art Gegen-NATO oder ein Militärbündnis. Das ist es nicht, es gibt keine Beistandspflicht. Ebenso falsch ist die Vorstellung, die Mitglieder träten geschlossen auf. Realistischer ist das Bild einer Interessengemeinschaft, in der jeder Teilnehmer vor allem seine eigenen Ziele verfolgt.