Thin Client
Ein Thin Client ist ein sehr einfach ausgestatteter Computerarbeitsplatz, der kaum selbst rechnet. Die eigentliche Arbeit erledigt ein zentraler Rechner im Netzwerk, das Gerät zeigt nur das Ergebnis an und schickt Tastatur- und Mauseingaben zurück.
Ein normaler Bürocomputer erledigt seine Aufgaben selbst. Er hat einen schnellen Prozessor, viel Arbeitsspeicher und eine Festplatte mit allen Programmen. Ein Thin Client ist bewusst das Gegenteil. Er ist ein kleines, sparsames Gerät mit Bildschirm, Tastatur und Netzwerkanschluss, das fast nichts selbst berechnet. Die Programme laufen stattdessen auf einem starken zentralen Rechner, den sich viele Arbeitsplätze teilen. Das Gerät auf dem Schreibtisch überträgt nur noch das Bild und meldet zurück, was der Nutzer tippt oder klickt.
Warum Firmen und Schulen darauf setzen
Der wichtigste Grund ist Verwaltungsaufwand. In einem Unternehmen mit 500 Arbeitsplätzen muss ein Update sonst 500-mal eingespielt werden. Bei Thin Clients wird es einmal auf dem zentralen Rechner installiert und gilt sofort für alle. Auch ein defektes Gerät ist kein Drama: Man tauscht es aus, steckt das Netzwerkkabel ein, und der Nutzer arbeitet weiter. Seine Dateien lagen nie auf dem Gerät, sondern immer zentral.
Ein zweiter Grund ist Sicherheit. Wenn auf dem Gerät selbst keine Daten liegen, ist ein gestohlener Thin Client wertlos. In Krankenhäusern, Banken oder Behörden ist das ein starkes Argument. Zusätzlich lässt sich zentral genau festlegen, wer welche Programme sehen darf.
Dazu kommen Kosten und Stromverbrauch. Ein Thin Client braucht oft unter zehn Watt, ein voll ausgestatteter PC ein Vielfaches davon. Die Geräte haben meist keine beweglichen Teile wie Lüfter und halten deshalb viele Jahre. Der Haken: Fällt der zentrale Rechner oder das Netzwerk aus, steht der gesamte Betrieb still. Bei einzelnen PCs wäre nur ein Arbeitsplatz betroffen.
Was zwischen Gerät und Rechenzentrum hin- und hergeht
Technisch läuft auf dem zentralen Server für jeden Nutzer eine eigene abgeschottete Arbeitsumgebung. Diese Umgebung nennt man virtuelle Maschine: ein per Software nachgebildeter Computer, der sich verhält wie ein echter. Der Server kann Dutzende solcher nachgebildeten Rechner gleichzeitig betreiben. Jeder Nutzer sieht seinen eigenen Desktop und merkt von den anderen nichts.
Übertragen wird dann nur noch das Bildschirmbild, meist stark komprimiert. Dafür gibt es eigene Übertragungsregeln, sogenannte Protokolle, mit Namen wie RDP oder Citrix HDX. Sie schicken klugerweise nicht ständig das ganze Bild, sondern nur die Bereiche, die sich verändert haben. In die Gegenrichtung fließen Tastenanschläge und Mausbewegungen. Weil das wenig Daten sind, reicht oft eine bescheidene Netzwerkverbindung.
Grenzen zeigen sich bei Video und 3D-Grafik. Ein Film oder ein Konstruktionsprogramm ändert das Bild ständig komplett, und das erzeugt viel Datenverkehr. Auch kleine Verzögerungen fallen dann unangenehm auf. Für Textverarbeitung, Tabellen und Datenbanken spielt das dagegen keine Rolle.
Vom Bankschalter bis zur Cloud
Klassische Thin Clients stehen dort, wo viele Menschen ähnliche Aufgaben erledigen. Kassen im Supermarkt, Schalter bei Banken und Versicherungen, Anmeldungen in Kliniken, Computerräume in Schulen. Man erkennt sie an der kleinen schwarzen Box hinter dem Monitor, oft nicht größer als ein Buch.
Die Idee ist außerdem in neue Formen gewandert. Ein Chromebook etwa speichert wenig lokal und arbeitet hauptsächlich im Browser mit Diensten aus dem Internet. Wer über den Browser mit einer KI wie ChatGPT schreibt, nutzt ein ähnliches Muster: Das schwere Rechnen passiert in einem fernen Rechenzentrum, das eigene Gerät zeigt nur an. In Fachartikeln liest man deshalb, das Prinzip Thin Client sei durch die Cloud zurückgekehrt.
Ein häufiger Irrtum ist, ein Thin Client sei einfach ein alter, langsamer PC. Das stimmt nicht. Er ist absichtlich schwach gebaut, weil Leistung an dieser Stelle nicht gebraucht wird. Der Gegenbegriff heißt Fat Client oder Rich Client und meint den gewöhnlichen Computer, der alles selbst erledigt.