Querschnitt durch eine E-Ink-Folie: eine Mikrokapsel mit weißen und schwarzen Farbteilchen in Flüssigkeit, darüber und darunter Elektroden. Links zeigt die Spannung die weißen Teilchen nach oben (heller Bildpunkt), rechts die schwarzen Teilchen nach oben (dunkler Bildpunkt).

E-Ink

E-Ink ist eine Bildschirmtechnik, bei der winzige schwarze und weiße Farbteilchen in einer Folie sichtbar gemacht werden. Der Bildschirm leuchtet nicht selbst, sieht aus wie bedrucktes Papier und braucht nur Strom, wenn sich das Bild ändert.

E-Ink ist eine besondere Art von Bildschirm. Er wird vor allem in Lesegeräten für Bücher eingebaut, etwa im Kindle oder im Tolino. Anders als ein Handydisplay leuchtet ein solcher Bildschirm nicht selbst. Man sieht ihn nur, weil Licht aus dem Raum auf ihn fällt und zurückgeworfen wird. Genau so funktioniert auch eine bedruckte Buchseite. Deshalb wirkt E-Ink für viele Menschen angenehmer für die Augen als ein Handy.

Warum Lesegeräte wochenlang durchhalten

Der größte Vorteil von E-Ink ist der Stromverbrauch. Ein normaler Bildschirm muss sein Bild sechzig Mal pro Sekunde neu aufbauen, auch wenn sich nichts ändert. Ein E-Ink-Bildschirm braucht nur dann Energie, wenn das Bild wechselt. Steht eine Buchseite still da, kostet sie null Strom. Ein Lesegerät hält deshalb oft mehrere Wochen mit einer Akkuladung durch, ein Tablet nur wenige Stunden.

Dazu kommt die Lesbarkeit bei Sonnenlicht. Ein leuchtender Bildschirm konkurriert draußen mit der Sonne und wirkt blass. E-Ink wird umgekehrt umso deutlicher, je heller es ist, genau wie Papier. Das ist der Grund, warum solche Geräte am Strand funktionieren und Handys dort kaum ablesbar sind.

Ein verbreiteter Irrtum ist, E-Ink sei generell schonender für die Augen. Belegt ist vor allem, dass kein Flackern und kein direkt ins Auge gerichtetes Licht entsteht. Moderne Lesegeräte haben trotzdem oft eine kleine Beleuchtung an der Seite, damit man im Dunkeln lesen kann. Diese leuchtet auf die Seite, nicht durch sie hindurch.

Wie sich die Farbteilchen bewegen

In der Folie stecken Millionen winziger Kapseln, jede kleiner als ein Haardurchmesser. In jeder Kapsel schwimmen weiße und schwarze Farbteilchen in einer klaren Flüssigkeit. Die weißen und die schwarzen Teilchen tragen unterschiedliche elektrische Ladungen. Legt das Gerät eine Spannung an, wandern die einen nach oben und die anderen nach unten. Oben liegende weiße Teilchen ergeben einen hellen Punkt, oben liegende schwarze einen dunklen.

Man kann sich das wie einen sehr flachen Schneekugel-Teppich vorstellen. Jede Kugel wird einzeln geschüttelt, bis die gewünschte Farbe oben liegt. Danach bleiben die Teilchen einfach liegen, auch ohne Strom. Genau deshalb behält ein leeres Lesegerät sein Bild, wenn der Akku stirbt.

Der Nachteil dieser Mechanik ist die Trägheit. Teilchen brauchen Zeit zum Wandern, ein Seitenwechsel dauert einen Bruchteil einer Sekunde. Videos oder schnelles Scrollen funktionieren dadurch schlecht. Farbige E-Ink-Displays gibt es inzwischen auch, ihre Farben wirken aber blass und gedeckt. Für Comics reicht das, für Fotos eher nicht.

Vom Preisschild bis zum Bushaltestellen-Fahrplan

Am bekanntesten sind E-Ink-Bildschirme in Lesegeräten für Bücher. Immer häufiger tauchen sie aber im Handel auf: Viele Supermärkte nutzen elektronische Preisschilder an den Regalen. Diese hängen jahrelang an einer Knopfzelle, weil sie nur beim Preiswechsel Strom brauchen. Auch digitale Fahrpläne an Haltestellen und Namensschilder an Konferenzräumen arbeiten mit dieser Technik.

In den Wirtschaftsnachrichten begegnet einem der Begriff meist über die Firma E Ink Holdings aus Taiwan. Sie stellt die Displayfolien her und beliefert fast alle großen Anbieter von Lesegeräten. Wenn Amazon oder ein Konkurrent ein neues Modell ankündigt, geht es oft um Auflösung, Farbfähigkeit oder Reaktionszeit dieser Folien.

Neu ist die Kombination mit KI-Funktionen. Einige Hersteller bauen Lesegeräte mit Notizfunktion, die handschriftliche Notizen in Text umwandeln oder Zusammenfassungen erzeugen. Die eigentliche Rechenarbeit passiert dabei meist nicht im Gerät, sondern auf Servern im Internet. E-Ink liefert hier nur die stromsparende Anzeige, nicht die Intelligenz.

Subscribe free. Unsubscribe the second it sucks.

High-signal news across AI, business, UX, and tech. Every morning.