Schema eines Routers: ankommende Datenpakete werden anhand ihrer Markierung in vier getrennte Warteschlangen einsortiert – Sprache, Video, Standard, Hintergrund. Ein Scheduler entnimmt die Sprach-Warteschlange bevorzugt und leitet die Pakete auf die gemeinsame Ausgangsleitung weiter.

Traffic-Klassen

Traffic-Klassen sind Kategorien, in die ein Netzwerk die durchlaufenden Daten einteilt, um sie unterschiedlich schnell weiterzuleiten. Ein Videotelefonat wird so bevorzugt behandelt, während ein großer Download etwas warten darf.

Wenn du im Internet surfst, werden alle Inhalte in kleine Datenpakete zerlegt. Diese Pakete reisen über Leitungen und über Verteilstationen, die man Router nennt. Wird es eng, muss ein Router entscheiden, welches Paket zuerst weiterdarf. Damit er das nicht willkürlich tut, bekommen Pakete eine Markierung, die ihre Art angibt: Sprache, Video, Datei-Download oder Hintergrundverkehr. Diese Kategorien heißen Traffic-Klassen. Jede Klasse hat eigene Regeln, wie dringend sie behandelt wird.

Warum ein Telefonat nicht warten darf

Nicht alle Daten sind gleich empfindlich gegen Verzögerung. Bei einem Telefonat über das Internet fällt schon eine Verzögerung von einer Zehntelsekunde unangenehm auf. Die Gesprächspartner reden dann durcheinander oder die Stimme klingt abgehackt. Ein Software-Update dagegen darf ruhig zwei Minuten länger dauern. Niemand merkt den Unterschied.

Ohne Traffic-Klassen behandelt ein Netz alle Pakete gleich. Das nennt man Best Effort: Jeder bekommt, was übrig ist. Solange Leitungen frei sind, funktioniert das gut. Sobald es voll wird, leidet ausgerechnet das, was am empfindlichsten ist. Ein einziger großer Download kann dann ein Videomeeting im selben Haushalt unbrauchbar machen.

Für Firmen ist das ein Geldthema. Ein Krankenhaus, das Operationsbilder überträgt, oder ein Werk, in dem Maschinen ferngesteuert werden, kann sich Ruckler nicht leisten. Solche Kunden zahlen Netzbetreibern dafür, dass ihr Verkehr in eine hohe Klasse einsortiert wird. Diese Zusagen werden vertraglich festgehalten, oft mit Zahlen zu maximaler Verzögerung und erlaubtem Paketverlust.

Die Markierung im Paketkopf

Jedes Datenpaket besteht aus dem eigentlichen Inhalt und einem Vorspann mit Verwaltungsangaben. In diesem Vorspann steht unter anderem ein kleines Zahlenfeld für die Priorität. Bei der heute üblichen Technik heißt es DSCP und kann 64 verschiedene Werte annehmen. In der Praxis nutzt man davon nur eine Handvoll, etwa vier bis acht Klassen. Mehr würde niemand mehr sinnvoll verwalten können.

Die Markierung passiert meist am Rand des Netzes, also dort, wo die Daten hineinlaufen. Ein Gerät prüft, woher das Paket kommt und welche Anwendung es erzeugt hat. Danach setzt es die Zahl. Weiter innen im Netz lesen die Router nur noch diesen Wert und sortieren die Pakete in getrennte Warteschlangen ein. Die Warteschlange für Sprache wird bei jedem Durchgang zuerst geleert.

Ein häufiger Irrtum: Eine hohe Klasse macht die Leitung nicht schneller. Sie verändert nur die Reihenfolge, wenn mehrere Pakete gleichzeitig warten. Ist die Leitung leer, bringt die Markierung gar nichts. Ist sie dauerhaft überlastet, hilft sie auch nicht mehr viel, denn dann stauen sich irgendwann alle Klassen. Traffic-Klassen verteilen Knappheit, sie beseitigen sie nicht.

Vom Heimrouter bis zur Netzneutralitätsdebatte

In vielen Heimroutern gibt es eine Einstellung namens QoS, kurz für Quality of Service. Dahinter stecken genau solche Klassen. Man kann dort etwa festlegen, dass die Spielekonsole vor dem Fernseher bedient wird. Auch WLAN kennt vier feste Klassen für Sprache, Video, Standardverkehr und Hintergrunddaten.

Im Mobilfunk ist das Prinzip noch stärker ausgebaut. Bei 5G lassen sich Teile des Netzes als eigene Bereiche abtrennen, sogenannte Slices. Ein Slice für Notrufe bekommt harte Zusagen, ein anderer für Unterhaltung nur die Reste. Netzbetreiber verkaufen solche Zusagen als eigenes Produkt an Unternehmen.

In den Nachrichten taucht das Thema unter dem Stichwort Netzneutralität auf. Kritiker befürchten, dass Anbieter eigene Dienste in hohe Klassen einsortieren und die Konkurrenz ausbremsen. In der EU ist eine solche Bevorzugung nach Zahlungsbereitschaft weitgehend verboten. Erlaubt bleibt die Einteilung nach technischer Notwendigkeit, etwa für Notrufe. Wo genau die Grenze liegt, wird regelmäßig vor Gericht geklärt.

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