
Token-Preis
Der Token-Preis gibt an, was ein Anbieter für die Verarbeitung einer bestimmten Menge Textbausteine durch ein KI-Modell verlangt. Er ist die übliche Abrechnungseinheit für Sprach-KI und entscheidet darüber, ob ein Produkt wirtschaftlich betrieben werden kann.
Programme wie ChatGPT zerlegen jeden Text in kleine Bausteine. Ein solcher Baustein ist meist ein kurzes Wort oder ein Wortteil, im Fachjargon ein Token. Das Wort « Regenschirm » kann zum Beispiel in « Regen » und « schirm » zerfallen. Der Token-Preis ist der Betrag, den ein Anbieter für die Verarbeitung solcher Bausteine verlangt. Weil ein einzelner Baustein extrem billig ist, nennt man Preise fast immer pro eine Million Bausteine. Übliche Angaben liegen je nach Modell zwischen wenigen Cent und einigen Dollar pro Million.
Was der Preis über ein KI-Geschäft verrät
Wer eine KI in ein Produkt einbaut, zahlt nicht einmalig, sondern bei jeder Nutzung. Ein Chatbot mit einer Million Gesprächen pro Tag verursacht jeden Tag Kosten. Der Token-Preis ist damit der wichtigste Kostenhebel überhaupt. Halbiert er sich, verdoppelt sich der Spielraum für neue Funktionen.
Das erklärt, warum Preissenkungen bei KI-Anbietern als große Nachrichten gelten. Zwischen 2023 und 2025 sind die Preise für vergleichbare Leistung um mehr als das Zehnfache gefallen. Anwendungen, die vorher unbezahlbar waren, wurden dadurch plötzlich realistisch. Dazu gehören etwa Programme, die ganze Aktenberge automatisch zusammenfassen.
Ein häufiger Irrtum: Der niedrigste Preis ist nicht automatisch der günstigste. Ein schwaches Modell braucht oft mehrere Versuche oder längere Antworten für dieselbe Aufgabe. Am Ende zählt der Preis pro gelöster Aufgabe, nicht pro Baustein. Genau darüber streiten Fachleute, wenn sie Modelle miteinander vergleichen.
Wie sich die Rechnung zusammensetzt
Anbieter unterscheiden zwei Sorten von Bausteinen. Eingabe-Bausteine sind alles, was du hineinschickst: deine Frage, angehängte Dokumente, der bisherige Gesprächsverlauf. Ausgabe-Bausteine sind das, was das Modell schreibt. Ausgabe kostet typischerweise das Drei- bis Fünffache der Eingabe.
Der Grund liegt in der Technik. Die Eingabe kann das Modell in einem Durchgang parallel verarbeiten. Die Antwort dagegen entsteht Baustein für Baustein, jeder erfordert einen eigenen Rechenschritt. Mehr Rechenschritte bedeuten mehr Stromverbrauch und mehr Zeit auf teuren Grafikchips.
Eine kurze Rechnung macht das greifbar. Angenommen, Eingabe kostet einen Dollar pro Million Bausteine und Ausgabe vier Dollar. Eine Anfrage mit 2.000 Bausteinen Eingabe und 500 Bausteinen Antwort kostet dann rund 0,004 Dollar. Bei einer Million Anfragen pro Tag sind das etwa 4.000 Dollar täglich. Ein zusätzlicher Kniff heißt Caching: wiederkehrende Textteile werden zwischengespeichert und dann stark verbilligt abgerechnet.
Token-Preise in Nachrichten und Produkten
Am direktesten trifft dich der Token-Preis, wenn du selbst programmierst. Wer eine Schnittstelle eines Anbieters nutzt, also einen technischen Zugang zum Modell, sieht dort eine Preistabelle. Sie listet für jedes Modell zwei Zahlen: Eingabe und Ausgabe pro Million Bausteine. Monatliche Abos wie ChatGPT Plus verstecken diese Kosten hinter einem Festpreis.
In Wirtschaftsnachrichten tauchen Token-Preise als Signal für den Wettbewerb auf. Wenn ein Anbieter die Preise senkt, müssen andere reagieren. Analysten sprechen dann von einem Preiskampf, ähnlich wie bei Mobilfunktarifen. Gleichzeitig fragen Investoren, ob die Anbieter zu diesen Preisen überhaupt Gewinn machen.
Abzugrenzen ist der Token-Preis von der Kontextlänge. Diese gibt an, wie viele Bausteine ein Modell gleichzeitig überblicken kann. Ein großes Fenster erlaubt lange Dokumente, macht einzelne Anfragen aber teuer. Und Vorsicht bei der Verwechslung: Der Token auf einer Blockchain ist etwas völlig anderes als ein Token in der Sprach-KI.