Pigou-Steuer
Eine Pigou-Steuer ist eine Abgabe auf ein Verhalten, das anderen Menschen schadet, etwa auf Abgase aus einer Fabrik. Sie soll den Schaden im Preis sichtbar machen, damit sich das schädliche Verhalten weniger lohnt.
Wenn eine Fabrik Abgase in die Luft bläst, entstehen Kosten. Diese Kosten trägt aber nicht die Fabrik, sondern die Menschen ringsum. Sie werden häufiger krank, ihre Ernten fallen schlechter aus. Eine Pigou-Steuer ist eine Abgabe, die genau solche Schäden dem Verursacher in Rechnung stellt. Der Staat verlangt für jede Tonne Abgas einen Betrag, der ungefähr dem angerichteten Schaden entspricht. Benannt ist sie nach dem britischen Wirtschaftswissenschaftler Arthur Cecil Pigou, der die Idee 1920 ausformulierte.
Wenn der Preis die Wahrheit verschweigt
In einer Marktwirtschaft steuern Preise das Verhalten. Ist etwas teuer, kaufen die Leute weniger davon. Das funktioniert nur, solange der Preis alle Kosten enthält. Bei Abgasen, Lärm oder Müll ist das nicht der Fall. Fachleute nennen solche ausgelagerten Kosten externe Effekte.
Die Folge ist ein systematischer Fehler. Ein Produkt, das der Allgemeinheit schadet, erscheint im Laden billiger, als es tatsächlich ist. Also wird zu viel davon hergestellt und gekauft. Niemand handelt dabei böswillig. Der Markt liefert schlicht ein falsches Signal, und alle folgen ihm.
Eine Pigou-Steuer korrigiert dieses Signal, statt das Verhalten direkt zu verbieten. Der Staat schreibt nicht vor, wie viel produziert werden darf. Er verteuert nur die schädliche Variante. Wer trotzdem Abgase ausstößt, darf das, zahlt aber dafür. Wer eine saubere Alternative findet, spart Geld. Genau darin liegt der Reiz: Die Lösung suchen die Unternehmen selbst, weil es sich für sie rechnet.
Die Kunst, den Schaden zu beziffern
Im Idealfall entspricht die Steuer pro Einheit genau dem Schaden pro Einheit. Ökonomen sprechen dann vom optimalen Steuersatz. Ist die Abgabe zu niedrig, ändert sich kaum etwas. Ist sie zu hoch, wird sinnvolle Produktion abgewürgt. Beides ist ein Verlust für die Gesellschaft.
Der schwierigste Teil ist deshalb die Zahl selbst. Wie viel Euro Schaden richtet eine Tonne Kohlendioxid an? Das Umweltbundesamt rechnet derzeit mit rund 300 Euro pro Tonne. Andere Studien kommen auf deutlich weniger. Der Schaden liegt teils Jahrzehnte in der Zukunft und trifft Menschen in anderen Ländern. Ihn exakt zu messen, ist unmöglich.
Wichtig ist die Abgrenzung zu einer normalen Steuer. Die Mehrwertsteuer soll Geld in die Kasse bringen und das Verhalten möglichst wenig verändern. Bei der Pigou-Steuer ist es umgekehrt. Sie gilt als erfolgreich, wenn sie das Verhalten ändert und die Einnahmen mit der Zeit sinken. Verwandt, aber nicht identisch, ist der Emissionshandel: Dort legt der Staat die Menge fest, und der Preis ergibt sich am Markt.
Von der CO2-Abgabe bis zur Zuckersteuer
Das bekannteste Beispiel in Deutschland ist der CO2-Preis auf Benzin, Diesel, Heizöl und Erdgas. Er lag 2021 bei 25 Euro je Tonne und ist seither schrittweise gestiegen. Auch die Tabaksteuer und die Lkw-Maut folgen dieser Logik. Mehrere Länder erheben eine Zuckersteuer auf Limonade, weil Folgekrankheiten das Gesundheitssystem belasten.
In der Technikdebatte taucht das Prinzip regelmäßig auf. Rechenzentren für KI verbrauchen enorme Mengen Strom, und dieser Verbrauch fällt unter den CO2-Preis. Manche Fachleute schlagen ähnliche Abgaben für andere digitale Schäden vor, etwa für Datenmüll oder für Systeme, die massenhaft Falschinformationen verbreiten. Ob sich solche Schäden überhaupt in Euro ausdrücken lassen, ist umstritten.
Ein häufiger Einwand betrifft die Verteilung. Eine Pigou-Steuer trifft Haushalte mit wenig Geld härter, weil sie einen größeren Teil ihres Einkommens für Heizung und Fahrten ausgeben. Deshalb wird sie oft mit einer Rückzahlung kombiniert, etwa einem Pro-Kopf-Betrag an alle. Wer sparsam lebt, bekommt dann mehr zurück, als er eingezahlt hat. In der Presse begegnet dieser Vorschlag unter Namen wie Klimageld oder Klimadividende.