
Euro-Stablecoin
Ein Euro-Stablecoin ist digitales Geld auf Basis der Krypto-Technik, das immer einen Euro wert sein soll. Anders als Bitcoin schwankt sein Preis kaum, weil der Herausgeber für jeden ausgegebenen Token echtes Geld zurücklegt.
Ein Euro-Stablecoin ist eine digitale Geldeinheit, die immer genau einen Euro wert sein soll. Sie wird nicht von einer Bank auf einem Konto verbucht, sondern als Eintrag in einer Blockchain gespeichert. Eine Blockchain ist eine gemeinsame digitale Liste, die auf vielen Computern gleichzeitig geführt wird und deren Einträge nachträglich kaum zu verändern sind. Damit der Wert stabil bleibt, hinterlegt die herausgebende Firma für jeden ausgegebenen Token echtes Geld, meist auf einem Bankkonto. Der Name sagt das schon: „stable“ heißt stabil. Das unterscheidet solche Token deutlich von Bitcoin, dessen Preis an einem einzigen Tag um zehn Prozent fallen kann.
Warum Europa nicht nur Dollar-Token will
Der Markt für Stablecoins wird fast vollständig vom US-Dollar beherrscht. Über 95 Prozent aller Stablecoins weltweit lauten auf Dollar, allen voran Tether und USDC. Euro-Token machen bislang nur einen winzigen Bruchteil aus. Für die Europäische Zentralbank ist das ein Problem, denn wenn Europäer digital in Dollar zahlen, verliert der Euro an Bedeutung.
Ein zweiter Grund sind die Kosten. Eine Überweisung ins Ausland dauert oft ein bis zwei Werktage und kostet Gebühren. Eine Stablecoin-Zahlung ist in Sekunden da und läuft rund um die Uhr, auch sonntags. Besonders für Firmen, die weltweit Rechnungen begleichen, ist das ein echter Vorteil.
Ein dritter Punkt ist die Regulierung. Seit 2024 gilt in der EU ein Gesetzespaket namens MiCA, das Regeln für Krypto-Werte festlegt. Wer einen Euro-Stablecoin herausgibt, braucht eine Erlaubnis und muss die hinterlegten Gelder sicher und getrennt verwahren. Dadurch sind europäische Token strenger beaufsichtigt als viele ihrer Vorbilder aus dem Ausland.
Was hinter der Wertstabilität steckt
Das übliche Modell heißt Deckung durch Reserven. Wer für 1.000 Euro Token kaufen will, überweist 1.000 Euro an den Herausgeber. Der legt das Geld auf ein Konto oder in sehr sichere kurzfristige Staatsanleihen und erzeugt im Gegenzug 1.000 Token. Gibt jemand die Token zurück, werden sie gelöscht und das Geld ausgezahlt. Man kann sich das wie einen Garderobenschein denken: Der Schein selbst ist nichts wert, aber er berechtigt zur Rückgabe der Jacke.
Das Vertrauen steht und fällt mit dieser Reserve. Wenn zu viele Menschen gleichzeitig auszahlen wollen, muss das Geld sofort verfügbar sein. Deshalb schreibt MiCA vor, dass ein großer Teil der Reserve bei Banken jederzeit abrufbar liegt. Unabhängige Prüfer kontrollieren regelmäßig, ob die Bestände wirklich vorhanden sind.
Ein verbreiteter Irrtum ist, jeder Stablecoin funktioniere so. Es gab auch algorithmische Modelle ohne echte Reserve, die den Kurs allein durch automatische Regeln halten wollten. Der bekannteste dieser Versuche, TerraUSD, brach 2022 innerhalb weniger Tage zusammen und vernichtete Milliardenwerte. In der EU sind solche Konstruktionen inzwischen praktisch ausgeschlossen.
EURC, EURI und der digitale Euro
Die bekanntesten Euro-Token heißen EURC von der Firma Circle und EURI von der Banking Circle. Auch mehrere europäische Banken haben eigene Projekte angekündigt, darunter ein Zusammenschluss großer Institute aus Deutschland, Italien und den Niederlanden. In Finanznachrichten tauchen diese Namen meist auf, wenn es um Zahlungsverkehr oder um den Handel mit Kryptowerten geht.
Im Alltag begegnen die meisten Menschen Euro-Stablecoins bisher kaum. Genutzt werden sie vor allem an Kryptobörsen, wo Anleger nach einem Verkauf ihr Geld parken, ohne auf ein Bankkonto zurückzuwechseln. Daneben gibt es erste Anwendungen bei Firmenzahlungen und bei Überweisungen in Länder mit schwacher Währung.
Wichtig ist die Abgrenzung zum digitalen Euro. Den plant die Europäische Zentralbank selbst, er wäre also staatliches Geld wie ein Geldschein. Ein Euro-Stablecoin dagegen wird von einem privaten Unternehmen ausgegeben, das im Extremfall pleitegehen kann. Beide Ideen verfolgen ähnliche Ziele, unterscheiden sich aber grundlegend darin, wer am Ende dafür geradesteht.