Schema eines Botnets: Ein Angreifer sendet Befehle an einen Command-and-Control-Server, dieser verteilt sie an viele infizierte Geräte wie Laptops, Router und Kameras, die gemeinsam Anfragen auf einen Zielserver richten.

Botnet

Ein Botnet ist eine große Gruppe fremder Computer, die heimlich mit Schadsoftware infiziert wurden und aus der Ferne von Kriminellen gesteuert werden. Die Besitzer merken meist nichts davon, während ihre Geräte für Angriffe, Werbemails oder Betrug missbraucht werden.

Ein Botnet ist ein Verbund aus vielen fremden Geräten, die jemand heimlich fernsteuert. Auf jedes dieser Geräte ist zuvor ein schädliches Programm gelangt, ohne dass der Besitzer es bemerkt hat. Dieses Programm bleibt still im Hintergrund und wartet auf Befehle aus dem Internet. Kommt ein Befehl, führen alle Geräte ihn gleichzeitig aus. So entsteht aus tausenden normalen Computern, Handys oder Überwachungskameras eine einzige große Angriffsmaschine. Der Name setzt sich aus „Roboter“ und „Netzwerk“ zusammen, weil die Geräte gehorchen wie ferngesteuerte Maschinen.

Warum gekaperte Geräte eine Waffe sind

Ein einzelner infizierter Laptop richtet wenig Schaden an. Die Gefahr entsteht durch die schiere Menge. Große Botnets umfassen hunderttausende bis Millionen Geräte, verteilt über die ganze Welt. Gemeinsam bringen sie genug Rechenleistung und Internetanschlüsse zusammen, um selbst große Firmen lahmzulegen.

Die häufigste Anwendung ist ein sogenannter DDoS-Angriff. Dabei rufen alle gekaperten Geräte gleichzeitig dieselbe Webseite auf. Der Server bekommt Millionen Anfragen pro Sekunde und bricht unter der Last zusammen. Für echte Nutzer ist die Seite dann nicht mehr erreichbar. Manche Banden vermieten diese Leistung stundenweise an zahlende Kunden.

Botnets dienen aber auch für ruhigere Geschäfte. Sie verschicken Werbe- und Betrugsmails, knacken Passwörter durch massenhaftes Ausprobieren oder klicken automatisch auf Werbeanzeigen, um Werbegelder abzuzweigen. Weil der Datenverkehr von echten Privatanschlüssen kommt, ist er für Abwehrsysteme schwer von normalen Nutzern zu unterscheiden. Genau darin liegt der wirtschaftliche Wert für die Angreifer.

Vom infizierten Gerät bis zum Befehl

Alles beginnt mit der Infektion. Ein Nutzer öffnet einen Mailanhang, installiert ein Programm aus einer dubiosen Quelle oder besucht eine präparierte Webseite. Häufiger noch sucht die Schadsoftware selbst nach Geräten mit veralteter Software oder mit unverändertem Standardpasswort. Besonders anfällig sind vernetzte Alltagsgeräte wie Router, Kameras oder Drucker. Sie hängen jahrelang am Netz, ohne je ein Update zu bekommen.

Danach meldet sich das Gerät bei einem Kontrollserver, der Command-and-Control-Server heißt. Über diesen Kanal gibt der Betreiber seine Aufträge durch. Man kann sich das wie einen Funkkanal vorstellen, auf dem alle Geräte lauschen. Sagt der Betreiber „greift diese Adresse an“, legen alle gleichzeitig los.

Weil ein einzelner Kontrollserver leicht abgeschaltet werden kann, bauen moderne Botnets die Steuerung robuster. Manche reichen Befehle von Gerät zu Gerät weiter, ganz ohne feste Zentrale. Andere verstecken ihre Kommandos in ganz normalem Web-Verkehr oder in Beiträgen auf sozialen Netzwerken. Ein verbreiteter Irrtum ist, dass ein befallener Rechner spürbar langsam wird. Gute Schadsoftware drosselt sich bewusst, damit niemand misstrauisch wird.

Botnets in den Nachrichten und im eigenen Haushalt

Botnets tauchen regelmäßig in Wirtschaftsnachrichten auf, wenn Onlineshops, Banken oder Behördenseiten stundenlang ausfallen. Bekannt wurde 2016 das Botnet Mirai, das vor allem ungesicherte Kameras und Router übernahm. Es legte zeitweise große Teile bekannter Dienste in den USA lahm. Seitdem melden Ermittler und Sicherheitsfirmen immer wieder die Abschaltung großer Netze, oft in internationaler Zusammenarbeit.

Auch im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz fällt der Begriff. Automatisch erzeugte Texte machen Betrugsmails überzeugender, und gekaperte Geräte helfen dabei, sie massenhaft zu verteilen. Umgekehrt setzen Abwehrsysteme selbst auf lernende Verfahren, um verdächtige Verkehrsmuster früh zu erkennen.

Im Alltag ist der Schutz erstaunlich einfach. Updates einspielen, Standardpasswörter von Routern und Kameras ändern und keine Programme aus unklaren Quellen installieren. Wer das tut, ist für automatisierte Infektionsversuche ein deutlich unattraktiveres Ziel. Denn Botnet-Betreiber suchen selten gezielt einzelne Personen, sondern nehmen schlicht das, was ungesichert im Netz erreichbar ist.

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