
Biometrische Daten
Biometrische Daten sind Messwerte körperlicher oder verhaltensbezogener Merkmale, mit denen sich eine bestimmte Person erkennen lässt — etwa Fingerabdruck, Gesicht, Iris oder Stimme. Weil man sie im Gegensatz zu einem Passwort nicht ändern kann, gelten sie rechtlich als besonders schützenswert.
Biometrische Daten sind Messwerte von Eigenschaften des Körpers, die bei jedem Menschen anders sind. Typische Beispiele sind der Fingerabdruck, die Form des Gesichts, das Muster der Regenbogenhaut im Auge oder der Klang der Stimme. Auch Verhalten kann dazugehören, etwa die Art, wie jemand geht oder auf einer Tastatur tippt. Aus solchen Merkmalen lässt sich eine Person wiedererkennen, ohne dass sie etwas sagen oder vorzeigen muss. Genau das macht sie praktisch — und zugleich heikel. Denn ein Passwort kann man wechseln, wenn es gestohlen wurde. Ein Gesicht nicht.
Warum ein gestohlener Fingerabdruck für immer verloren ist
Der große Vorteil biometrischer Verfahren ist Bequemlichkeit. Das Handy entsperrt sich in einer Zehntelsekunde durch einen Blick, niemand muss sich eine Zeichenfolge merken. Auch an Flughäfen ersetzen elektronische Kontrollen mit Gesichtsabgleich zunehmend die Prüfung durch Personal. Für Unternehmen bedeutet das kürzere Wartezeiten und weniger Personalkosten.
Der Nachteil ist die Endgültigkeit. Wird eine Datenbank mit Fingerabdrücken gehackt, ist der Schaden dauerhaft. Betroffene können ihre Finger nicht austauschen. 2015 wurden bei einem Angriff auf eine US-Behörde die Fingerabdrücke von mehreren Millionen Staatsbediensteten kopiert — diese Daten bleiben ihr Leben lang kompromittiert.
Deshalb behandelt die europäische Datenschutz-Grundverordnung biometrische Daten als besondere Kategorie. Wer sie zur eindeutigen Identifizierung verarbeitet, braucht in der Regel eine ausdrückliche Einwilligung oder eine klare gesetzliche Grundlage. Die KI-Verordnung der EU geht noch weiter und verbietet bestimmte Anwendungen ganz, etwa das ungezielte Absammeln von Gesichtsbildern aus dem Internet.
Vom Bild zum Zahlenmuster
Ein System speichert normalerweise kein Foto des Fingers oder Gesichts. Stattdessen berechnet ein Programm daraus eine lange Reihe von Zahlen, das sogenannte Template. Diese Zahlen beschreiben charakteristische Punkte: den Abstand der Augen, die Verzweigungen der Fingerlinien, die Wölbung der Nase. Aus dem Template lässt sich das Originalbild nur schwer rekonstruieren, was den Schaden bei einem Diebstahl begrenzen soll.
Bei jeder späteren Prüfung wird ein neues Template berechnet und mit dem gespeicherten verglichen. Zwei Messungen sind nie exakt identisch — Licht, Winkel und Hautfeuchtigkeit ändern sich ständig. Das System prüft deshalb nur, ob die Ähnlichkeit über einem Schwellenwert liegt. Setzt man diesen Wert zu hoch an, werden Berechtigte abgewiesen. Setzt man ihn zu niedrig, kommen Fremde durch.
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen zwei Aufgaben. Bei der Verifikation behauptet jemand, eine bestimmte Person zu sein, und das System prüft nur diesen einen Vergleich. Bei der Identifikation sucht das System ein Gesicht in einer Datenbank mit Millionen Einträgen. Die zweite Aufgabe ist deutlich fehleranfälliger, weil bei so vielen Vergleichen zufällige Treffer wahrscheinlicher werden.
Vom Handy bis zur Videoüberwachung
Am häufigsten begegnet man Biometrie im eigenen Smartphone. Face ID und Fingerabdrucksensoren speichern das Template in einem abgeschotteten Chipbereich auf dem Gerät. Es verlässt das Handy nicht und wandert auch nicht zum Hersteller. Diese lokale Speicherung ist ein wichtiger Unterschied zu Systemen, die alles auf zentralen Servern ablegen.
In Nachrichten taucht der Begriff meist im Zusammenhang mit Überwachung auf. Streit gibt es besonders um Gesichtserkennung an öffentlichen Plätzen und um Firmen, die Milliarden Porträtfotos aus sozialen Netzwerken gesammelt und an Polizeibehörden verkauft haben. Untersuchungen zeigten außerdem, dass manche Systeme bei Frauen und dunkelhäutigen Personen deutlich häufiger danebenliegen, weil die Trainingsdaten unausgewogen waren.
Ein neues Thema sind Fälschungen durch KI. Wenn sich eine Stimme aus wenigen Sekunden Audio nachbauen lässt, taugt sie kaum noch als alleiniger Nachweis am Bankschalter. Anbieter setzen deshalb auf Lebenderkennung, die prüft, ob wirklich ein Mensch vor der Kamera steht. Ein verbreiteter Irrtum ist übrigens, Biometrie sei fälschungssicher. Sie ist nur ein Wahrscheinlichkeitsurteil, kein Beweis.