Ablaufschema einer Hack-and-Leak-Operation in vier Stufen: Phishing-Mail an einen Mitarbeiter, unbemerktes Kopieren interner Dokumente vom Server, Aufbereitung und Veröffentlichung über eine anonyme Webseite oder Tarnfigur, anschließende Berichterstattung durch Medien.

Hack and Leak

Bei einer Hack-and-Leak-Operation dringen Angreifer in fremde Computersysteme ein, stehlen dort vertrauliche Dokumente und veröffentlichen sie gezielt. Das Ziel ist nicht Geld, sondern Schaden am Ruf einer Person, Firma oder Partei — meist zu einem politisch günstigen Zeitpunkt.

Hack and Leak beschreibt einen Angriff in zwei Schritten. Zuerst verschaffen sich Unbekannte unerlaubt Zugang zu fremden Computern, E-Mail-Konten oder Servern. Dort kopieren sie vertrauliche Dateien, etwa interne Mails, Verträge oder Chatverläufe. Im zweiten Schritt geben sie dieses Material an die Öffentlichkeit weiter — über anonyme Webseiten, soziale Netzwerke oder direkt an Journalisten. Der Unterschied zu einem gewöhnlichen Datendiebstahl liegt im Zweck: Die Täter wollen kein Lösegeld, sondern eine öffentliche Wirkung. Der englische Ausdruck bedeutet wörtlich „einbrechen und durchsickern lassen“.

Gestohlene Mails als politische Waffe

Solche Operationen treffen fast immer Ziele, deren Ansehen empfindlich ist. Parteien im Wahlkampf, Regierungsbehörden, große Konzerne oder bekannte Einzelpersonen. Interne Kommunikation klingt aus dem Zusammenhang gerissen oft peinlich oder verschwörerisch, selbst wenn nichts Verbotenes darin steht. Genau darauf setzen die Angreifer.

Besonders heikel ist der Zeitpunkt. Wird Material wenige Tage vor einer Wahl oder einer Aktionärsversammlung veröffentlicht, bleibt keine Zeit für eine sorgfältige Prüfung. Die Schlagzeilen sind sofort da, die Richtigstellung kommt Wochen später. Das nennt man einen Oktober-Überraschungseffekt, benannt nach dem Monat vor US-Wahlen.

Hinzu kommt ein zweites Problem. Wer echte gestohlene Dokumente veröffentlicht, kann gefälschte Dateien untermischen. Da alles aus derselben Quelle zu stammen scheint, wirkt auch die Fälschung glaubwürdig. Betroffene stehen dann vor der undankbaren Aufgabe, einzelne Punkte zu dementieren — und bestätigen damit indirekt den Rest.

Vom Phishing-Mail bis zur Schlagzeile

Der Einbruch beginnt selten mit technischer Zauberei. Meistens reicht eine täuschend echte E-Mail, die zur Eingabe des Passworts auffordert. Dieses Vorgehen heißt Phishing, abgeleitet vom englischen Wort für Angeln. Ein einziger Mitarbeiter, der auf den Link klickt, öffnet oft den Zugang zu einem ganzen Postfachsystem.

Danach kopieren die Angreifer möglichst viel Material, häufig über Wochen hinweg unbemerkt. Anschließend wird das Paket sortiert und aufbereitet. Manche Operationen bauen dafür eigene Webseiten mit Suchfunktion, damit Journalisten leicht Interessantes finden. Andere erfinden eine Tarnfigur, etwa einen angeblichen einzelnen Aktivisten, der die Dateien angeblich aus Gewissensgründen weitergibt.

Der letzte Schritt ist die Verbreitung. Sobald seriöse Medien über den Inhalt berichten, verselbständigt sich die Geschichte. Die Angreifer brauchen dann gar nichts mehr zu tun. Genau hier liegt das Dilemma für Redaktionen: Sie können echtes, oft relevantes Material nicht ignorieren, machen sich aber zum Werkzeug einer fremden Absicht. Viele Häuser haben deshalb Regeln, wann sie über solche Daten berichten und wie sie die Herkunft benennen.

Bekannte Fälle und der Bezug zu KI

Das bekannteste Beispiel ist der Angriff auf die US-Demokraten im Wahlkampf 2016. Gestohlene E-Mails der Parteizentrale wurden über Wochen portionsweise veröffentlicht. Ähnliches traf 2017 das Wahlkampfteam von Emmanuel Macron in Frankreich, kurz vor der Stichwahl. Auch der Deutsche Bundestag war 2015 Ziel eines großen Datenabflusses.

In Wirtschaftsnachrichten taucht der Begriff ebenfalls auf. Werden interne Unterlagen eines Unternehmens veröffentlicht, kann der Aktienkurs innerhalb von Stunden einbrechen. Für Unternehmen ist das ein eigenes Risiko, gegen das Versicherungen und Sicherheitsabteilungen planen.

Neu ist die Rolle künstlicher Intelligenz. Sprachmodelle können riesige Mengen gestohlener Mails in Minuten durchsuchen und die brisantesten Stellen zusammenfassen. Sie können außerdem überzeugende Phishing-Nachrichten und gefälschte Dokumente erzeugen. Dadurch sinkt der Aufwand für solche Operationen deutlich. Fachleute erwarten deshalb, dass Hack and Leak häufiger vorkommt — und dass die Unterscheidung zwischen echtem und gefälschtem Material schwieriger wird.

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