Schematischer Vergleich zweier Transistortypen im Querschnitt: links ein FinFET, bei dem das Gate eine Siliziumrippe von drei Seiten umschließt, rechts ein Gate-All-Around-Transistor, bei dem das Gate mehrere übereinanderliegende Silizium-Kanäle vollständig ringförmig umgibt.

2-Nanometer-Fertigung

Die 2-Nanometer-Fertigung ist die derzeit modernste Art, Computerchips herzustellen. Der Name ist nur noch ein Marketing-Etikett für eine Fertigungsgeneration – er beschreibt kein real gemessenes Bauteil dieser Größe.

Ein Computerchip besteht aus Milliarden winziger Schalter, die Strom durchlassen oder blockieren. Diese Schalter heißen Transistoren, und aus ihnen ist jede Rechenleistung aufgebaut. Je kleiner ein Hersteller sie bauen kann, desto mehr passen auf dieselbe Fläche. Die 2-Nanometer-Fertigung bezeichnet die derzeit modernste Generation dieser Herstellungsverfahren. Ein Nanometer ist ein Millionstel Millimeter, also ungefähr die Breite von fünf Atomen nebeneinander. Wichtig ist aber: In einem 2-Nanometer-Chip misst kein einziges Bauteil tatsächlich zwei Nanometer. Der Name ist ein Branchenetikett für eine Technikstufe, kein Messwert.

Warum jede neue Chipgeneration die Machtfrage stellt

Kleinere Transistoren haben zwei Vorteile auf einmal. Sie schalten schneller, und sie brauchen weniger Strom pro Rechenschritt. Für ein Smartphone bedeutet das mehr Leistung bei längerer Akkulaufzeit. Für ein Rechenzentrum bedeutet es niedrigere Stromrechnungen bei gleicher Arbeit. Die Hersteller versprechen für den Sprung von 3 auf 2 Nanometer grob 10 bis 15 Prozent mehr Tempo oder rund ein Viertel weniger Stromverbrauch.

Diese Zahlen klingen bescheiden, sind wirtschaftlich aber gewaltig. Wer KI-Modelle trainiert, betreibt zehntausende Chips über Monate hinweg. Ein Viertel weniger Strom entscheidet dort über Millionenbeträge. Deshalb kaufen Firmen wie Apple, Nvidia oder Google die Kapazität neuer Fertigungslinien oft Jahre im Voraus auf.

Dazu kommt die politische Seite. Nur sehr wenige Unternehmen weltweit beherrschen diese Fertigungsstufe überhaupt, allen voran TSMC in Taiwan, dazu Samsung in Südkorea und Intel in den USA. Eine einzige Fabrik kostet gut 20 Milliarden Dollar. Diese Konzentration ist der Grund, warum Chipfabriken regelmäßig in politischen Nachrichten auftauchen und nicht nur in Technikmagazinen.

Vom Lichtstrahl zum Gate-All-Around-Transistor

Chips entstehen wie ein extrem feiner Fotodruck. Auf eine runde Siliziumscheibe kommt eine lichtempfindliche Schicht. Durch eine Maske wird ein Muster darauf belichtet, danach werden die belichteten Stellen weggeätzt. Dieser Zyklus wiederholt sich hunderte Male und baut den Chip Schicht für Schicht auf. Für die feinsten Strukturen nutzt man extrem ultraviolettes Licht, kurz EUV genannt, das nur eine einzige Firma in den Niederlanden liefern kann.

Der eigentliche Sprung bei 2 Nanometern liegt aber in der Form der Transistoren. Bisher saß der Steuerkontakt, das sogenannte Gate, wie ein Reiter auf drei Seiten einer Siliziumrippe. Jetzt umschließt er den Stromkanal von allen vier Seiten. Dieses Prinzip heißt Gate-All-Around. Man kann es sich wie eine Faust vorstellen, die einen Schlauch komplett umgreift statt ihn nur von oben zu drücken – die Kontrolle über den Durchfluss wird dadurch deutlich besser.

Diese Kontrolle ist entscheidend, weil bei solchen Größen Strom durch geschlossene Schalter sickert. Physiker nennen das Leckstrom. Er verschwendet Energie und erzeugt Hitze. Gate-All-Around drückt diesen Verlust und macht die Struktur überhaupt erst betreibbar.

Wo 2-Nanometer-Chips zuerst auftauchen

Neue Fertigungsstufen starten fast immer in Spitzen-Smartphones. Die Chips sind dort klein, die Stückzahlen hoch und die Kunden zahlen bereitwillig Aufpreis. Danach folgen Prozessoren für Notebooks und schließlich die großen Rechenbeschleuniger für KI-Rechenzentren. Erste Produkte in 2-Nanometer-Technik kamen ab 2025 in den Handel.

In Wirtschaftsnachrichten begegnet dir der Begriff meist über die Ausbeute, englisch Yield. Sie gibt an, wie viele Chips auf einer Scheibe brauchbar sind. Am Anfang einer neuen Generation liegt sie oft unter der Hälfte, was die Preise nach oben treibt. Meldungen über steigende Ausbeute bei TSMC bewegen deshalb regelmäßig Aktienkurse.

Ein verbreiteter Irrtum ist, kleinere Nanometerzahlen verschiedener Hersteller seien direkt vergleichbar. Das sind sie nicht, weil jede Firma anders zählt. Samsungs 3 Nanometer und TSMCs 3 Nanometer beschreiben unterschiedlich dichte Chips. Aussagekräftig ist allein die Zahl der Transistoren pro Quadratmillimeter.

Aktuelle Narichten

Subscribe free. Unsubscribe the second it sucks.

High-signal news across AI, business, UX, and tech. Every morning.