Pyramidenförmiges Organigramm eines US-Konzerns: oben der CEO, darunter die C-Level-Rollen CFO und CTO, darunter die Ebene der Senior VPs und VPs, darunter Direktoren, Teamleiter und Mitarbeiter.

VP

VP steht für „Vice President“ und bezeichnet in amerikanisch geprägten Unternehmen eine hohe Führungsebene unterhalb der Konzernspitze. Ein VP verantwortet meist einen ganzen Bereich wie Technik, Vertrieb oder Forschung – wie viel Macht damit verbunden ist, hängt stark von der Branche ab.

VP ist die Abkürzung für « Vice President », wörtlich übersetzt « Vizepräsident ». Gemeint ist damit aber fast nie ein Politiker, sondern eine Führungskraft in einem Unternehmen. Der Titel stammt aus den USA und hat sich von dort über die Technikbranche weltweit verbreitet. Ein VP leitet in der Regel einen großen Bereich einer Firma, etwa die Software-Entwicklung oder den Verkauf. Über ihm stehen nur noch wenige Personen, meist die Vorstandsebene mit dem Chef der Firma an der Spitze. Wer in Nachrichten über Google, Meta oder OpenAI liest, dass « ein VP das Unternehmen verlässt », erfährt damit: Da geht jemand mit erheblichem Einfluss.

Warum der Titel in Tech-Nachrichten so oft auftaucht

Große Technologiekonzerne haben zehntausende Mitarbeiter. Der Vorstand kann unmöglich jedes Produkt selbst steuern. Deshalb wird die Firma in Bereiche zerlegt, und jeder Bereich bekommt einen VP als Verantwortlichen. Diese Personen entscheiden über Budgets, Personal und die Richtung ganzer Produktlinien. Ihre Namen tauchen deshalb regelmäßig in Wirtschaftsmeldungen auf.

Für Anleger und Journalisten sind Wechsel auf VP-Ebene ein Frühwarnsignal. Verlässt der VP für künstliche Intelligenz ein Unternehmen und wechselt zur Konkurrenz, nimmt er Wissen und oft ganze Teams mit. In der KI-Branche wurden solche Abgänge in den vergangenen Jahren zu großen Schlagzeilen, weil erfahrene Fachleute extrem knapp sind. Manche Firmen zahlen zweistellige Millionenbeträge, um einzelne Führungskräfte abzuwerben.

Gleichzeitig ist der Titel ein Hinweis darauf, wie ernst eine Firma ein Thema nimmt. Wer eine eigene VP-Stelle für Sicherheit oder für KI-Ethik schafft, gibt dem Thema Gewicht und Budget. Wird diese Stelle nach einem Abgang nicht neu besetzt, deutet das oft auf eine Kurskorrektur hin.

Wo der VP in der Hierarchie sitzt

Amerikanische Konzerne sind in Stufen aufgebaut. Ganz oben steht der CEO, der Vorstandsvorsitzende und damit oberste Chef. Darunter folgen weitere « C-Level »-Rollen, deren Kürzel alle mit C für « Chief » beginnen: der CFO für Finanzen, der CTO für Technik. Erst danach kommt die VP-Ebene. Unter den VPs arbeiten Direktoren, darunter Teamleiter, darunter die einzelnen Mitarbeiter.

Innerhalb der VP-Ebene gibt es nochmals Abstufungen. Ein « Senior VP » oder « Executive VP » steht über einem einfachen VP und verantwortet mehrere Abteilungen gleichzeitig. Bei Google gibt es zusätzlich den Titel « Google Fellow » für herausragende Technikerinnen und Techniker, der auf einer ähnlichen Höhe angesiedelt ist, aber ohne Personalverantwortung. Wer also Karriere machen will, hat zwei Wege: führen oder fachlich exzellent sein.

Ein verbreiteter Irrtum ist, dass VP überall dasselbe bedeutet. In Investmentbanken wie Goldman Sachs ist ein VP eine mittlere Position, die man nach etwa fünf bis sieben Jahren erreicht. Dort tragen hunderte Angestellte diesen Titel. In der Technikbranche dagegen gibt es in einem Konzern vielleicht ein paar Dutzend VPs. Man muss also immer fragen, in welcher Branche der Titel vergeben wurde.

VP, Vorstand und deutsche Titel im Vergleich

In deutschen Unternehmen ist der Titel weniger verbreitet, weil das Aktienrecht hier eigene Begriffe vorgibt. Die Spitze bildet der Vorstand, kontrolliert vom Aufsichtsrat. Wer unterhalb des Vorstands einen Bereich leitet, heißt oft « Bereichsleiter » oder « Geschäftsführer » einer Tochterfirma. Konzerne wie SAP oder Siemens verwenden aber zusätzlich die englischen Titel, weil sie international arbeiten.

Begegnen wird dir der Begriff vor allem in Pressemitteilungen, auf LinkedIn und in Berichten über Personalwechsel. Auch in Gerichtsverfahren tauchen VPs auf, etwa wenn ein Vice President als Zeuge über interne Entscheidungen aussagt. Wenn du den Titel liest, ordne ihn also grob so ein: wichtig genug für eine Meldung, aber nicht ganz oben. Der Rest ergibt sich aus der Branche und dem Zusatz vor dem Titel.

Subscribe free. Unsubscribe the second it sucks.

High-signal news across AI, business, UX, and tech. Every morning.