Notleidende Kredite

Notleidende Kredite

Notleidende Kredite sind Darlehen, bei denen der Schuldner seit längerer Zeit nicht mehr zahlt – in der Regel seit mehr als 90 Tagen. Für Banken sind sie ein zentrales Risikomaß, weil sie Gewinne mindern und in großer Zahl ganze Finanzsysteme belasten können.

Wenn eine Bank Geld verleiht, erwartet sie es in Raten zurück. Zahlt der Schuldner diese Raten nicht mehr, wird aus dem Darlehen ein Problemfall. In der Fachsprache heißt ein solches Darlehen notleidender Kredit. Als Faustregel gilt: Bleiben Zahlungen länger als 90 Tage aus, gilt der Kredit als notleidend. Auch ohne diese Frist zählt er dazu, wenn absehbar ist, dass der Schuldner nicht mehr vollständig zurückzahlen kann. Der englische Begriff dafür lautet Non-Performing Loan, abgekürzt NPL – so steht er meist in Berichten und Nachrichten.

Was ausbleibende Rückzahlungen für eine Bank bedeuten

Eine Bank verdient daran, dass verliehenes Geld mit Zinsen zurückkommt. Fällt dieser Rückfluss aus, fehlt nicht nur der Gewinn, sondern womöglich auch das verliehene Kapital selbst. Die Bank muss dann Rückstellungen bilden, also Geld beiseitelegen, um den erwarteten Verlust abzudecken. Dieses Geld steht für neue Kredite nicht mehr zur Verfügung.

Genau darin liegt die größere Gefahr. Eine Bank mit vielen faulen Krediten wird vorsichtig und verleiht weniger. Unternehmen bekommen dann schwerer Geld für Investitionen, und die Wirtschaft wächst langsamer. In der Eurokrise nach 2010 war das in Italien, Griechenland und Zypern gut zu beobachten: dort lag der Anteil notleidender Kredite zeitweise bei über 40 Prozent aller Darlehen.

Deshalb ist die sogenannte NPL-Quote eine viel beachtete Kennzahl. Sie gibt an, welcher Anteil aller Kredite einer Bank notleidend ist. In der Eurozone liegt sie derzeit im Schnitt bei rund zwei Prozent, also historisch niedrig. Aufsichtsbehörden wie die Europäische Zentralbank beobachten sie trotzdem sehr genau, weil sie steigt, bevor eine Krise sichtbar wird.

Vom Zahlungsverzug bis zum Verkauf des Kredits

Der Weg beginnt harmlos. Eine Rate wird zu spät überwiesen, die Bank schickt eine Mahnung. Bleiben die Zahlungen 90 Tage aus, stuft die Bank den Kredit um. Er wandert intern aus dem normalen Bestand in die Problemabteilung, oft Workout-Einheit genannt.

Dann prüft die Bank, was noch zu retten ist. Manchmal wird der Kredit umstrukturiert: die Laufzeit wird verlängert, die Raten werden kleiner. Das nennt man Forbearance, also Stundung. Hilft das nicht, verwertet die Bank die Sicherheiten. Bei einem Immobilienkredit heißt das im Extremfall Zwangsversteigerung des Hauses.

Viele Banken gehen einen anderen Weg und verkaufen ganze Pakete notleidender Kredite. Käufer sind spezialisierte Investoren, die dafür deutlich weniger als den Nennwert zahlen – manchmal nur 20 oder 30 Cent je Euro Forderung. Die Bank hat das Problem damit sofort aus der Bilanz, verzichtet aber auf einen Großteil des Geldes. Der Käufer versucht anschließend, mehr einzutreiben, als er bezahlt hat.

Wo der Begriff in Nachrichten und im Alltag auftaucht

Am häufigsten liest man von notleidenden Krediten in Quartalsberichten von Banken. Steigt die NPL-Quote, reagiert der Aktienkurs oft empfindlich. Auch bei Stresstests der Aufsicht spielt die Kennzahl eine zentrale Rolle. Seit 2022 taucht sie wieder öfter auf, weil höhere Zinsen die Raten vieler Kreditnehmer verteuert haben.

Ein aktuelles Beispiel sind Gewerbeimmobilien. Bürogebäude stehen seit der Zunahme von Homeoffice häufiger leer, ihre Eigentümer bekommen weniger Miete und geraten mit Kreditraten in Rückstand. Mehrere deutsche und amerikanische Banken mussten deshalb hohe Rückstellungen bilden.

Ein verbreiteter Irrtum: Ein notleidender Kredit ist nicht automatisch ein Totalverlust. Oft fließt ein Teil des Geldes doch noch zurück, etwa aus dem Verkauf einer Sicherheit. Erst wenn die Bank gar nichts mehr erwartet, schreibt sie den Kredit vollständig ab. Notleidend beschreibt also einen Zustand, nicht das endgültige Ergebnis.

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