
Zero-Width-Zeichen
Zero-Width-Zeichen sind Schriftzeichen, die beim Anzeigen keinen Platz einnehmen und deshalb unsichtbar bleiben. Sie stecken trotzdem als echte Daten im Text und lassen sich für versteckte Markierungen oder für Täuschungsversuche gegenüber Filtern und KI-Systemen nutzen.
Jeder Buchstabe, den ein Computer speichert, ist im Hintergrund eine Nummer. Diese Nummern sind in einer weltweiten Tabelle festgelegt, damit ein A auf jedem Gerät als A erscheint. In dieser Tabelle gibt es auch Zeichen, die beim Anzeigen überhaupt keine Breite haben. Sie sind also im Text vorhanden, aber auf dem Bildschirm sieht man an ihrer Stelle nichts. Genau das sind Zero-Width-Zeichen, auf Deutsch etwa Zeichen ohne Breite. Ein Wort kann fünf sichtbare Buchstaben zeigen und trotzdem aus acht gespeicherten Zeichen bestehen.
Warum unsichtbare Zeichen ein Sicherheitsthema sind
Menschen beurteilen Text danach, wie er aussieht. Programme beurteilen ihn danach, welche Zahlen darin stehen. Zero-Width-Zeichen treiben diese beiden Sichtweisen auseinander. Wer sie geschickt einsetzt, kann zwei Leser mit demselben Text unterschiedlich informieren: den Menschen und die Maschine.
Das nutzen etwa Spam-Versender aus. Ein Filter sucht nach einem verbotenen Wort, doch mitten im Wort steckt ein unsichtbares Zeichen. Für den Filter passt die Zeichenfolge dann nicht mehr, für das Auge sieht sie völlig normal aus. Dieselbe Idee funktioniert bei Passwortfeldern, Suchfunktionen oder Programmcode.
Seit KI-Chatbots verbreitet sind, kommt ein neues Risiko dazu. Man kann Anweisungen in unsichtbaren Zeichen in eine Webseite oder ein Dokument einbauen. Der Mensch sieht davon nichts, das Sprachmodell liest den Befehl aber mit. Solche versteckten Anweisungen nennt man Prompt Injection, also das Einschleusen fremder Befehle in eine KI-Anfrage.
Wie ein Zeichen ohne Breite überhaupt entsteht
Die Zeichentabelle Unicode enthält über hunderttausend Zeichen. Nicht alle davon sind Buchstaben. Manche sind reine Steuerzeichen, die dem Textprogramm etwas mitteilen, statt selbst sichtbar zu sein. Das bekannteste Beispiel ist der Zero Width Space, technisch U+200B. Er wirkt wie ein Leerzeichen, das eine Zeilenumbruch-Stelle markiert, aber selbst nichts belegt.
Andere Vertreter haben echte Aufgaben in der Schrift. Der Zero Width Joiner verbindet zwei Zeichen zu einem gemeinsamen Bild. So entstehen zusammengesetzte Emojis: Ein Personen-Emoji, ein Verbinder und ein Feuerwehrhelm ergeben zusammen ein Feuerwehrmann-Emoji. In arabischer oder indischer Schrift steuern solche Zeichen, ob Buchstaben verschmelzen oder getrennt bleiben.
Weil jedes dieser Zeichen eine eigene Nummer hat, lässt sich damit Information codieren. Man legt fest: ein Zeichentyp bedeutet Null, ein anderer bedeutet Eins. Damit kann man eine ganze Nachricht in Nullen und Einsen in einen harmlosen Satz einweben. Das Verfahren heißt Steganographie, also das Verstecken einer Botschaft in einem unverdächtigen Träger.
Wo sie in Texten, Tools und Schlagzeilen auftauchen
Im Alltag begegnen sie den meisten Menschen unbemerkt. Wenn ein Emoji aus mehreren Teilen besteht, sind Verbinder im Spiel. Wenn eine lange Web-Adresse im Fließtext sauber umbricht, hat oft ein unsichtbares Zeichen die Umbruchstelle markiert. Beides ist völlig harmlos und gewollt.
Auffällig werden sie, wenn Text kopiert wird. Wer Programmcode von einer Webseite in seinen Editor einfügt, holt sich manchmal unsichtbare Zeichen mit. Der Code sieht dann korrekt aus, lässt sich aber nicht ausführen, und die Fehlermeldung wirkt unlogisch. Viele Editoren markieren solche Zeichen inzwischen farbig, genau aus diesem Grund.
In den Nachrichten tauchen Zero-Width-Zeichen meist im Zusammenhang mit KI-Sicherheit auf. Forscher zeigen regelmäßig, wie sich Assistenzsysteme über unsichtbaren Text in Dokumenten manipulieren lassen. Umgekehrt wird diskutiert, KI-Texte damit unsichtbar zu kennzeichnen, um sie später erkennen zu können. Ein verbreiteter Irrtum ist, solche Zeichen seien schwer zu finden: Wer den Rohtext prüft, sieht sie sofort, denn ihre Nummern stehen ja klar im Datenstrom.