Risikokapital

Risikokapital ist Geld, das Investoren in junge, noch unprofitable Unternehmen stecken und dafür Anteile an der Firma bekommen. Die meisten dieser Beteiligungen scheitern, doch einzelne Treffer können den gesamten Verlust um ein Vielfaches ausgleichen.

Ein junges Unternehmen hat oft eine Idee, aber kein Geld. Eine Bank gibt ihm meist keinen Kredit, weil es weder Gewinne noch Sicherheiten vorweisen kann. Hier springen Investoren ein, die Risikokapital vergeben. Sie geben dem Unternehmen Geld und erhalten dafür einen Anteil an der Firma. Geht das Unternehmen pleite, ist das Geld weg. Wird es dagegen groß und verkauft oder an die Börse gebracht, ist der Anteil ein Vielfaches wert. Der englische Begriff dafür lautet Venture Capital, im Deutschen sagt man auch Wagniskapital.

Warum fast jedes KI-Startup davon lebt

Gerade in der KI-Branche ist Risikokapital der übliche Weg zur Finanzierung. Der Grund liegt in den Kosten. Ein leistungsfähiges Sprachmodell zu trainieren, kostet oft dreistellige Millionenbeträge, bevor auch nur ein Kunde bezahlt hat. Diese Summe kann kein junges Unternehmen aus eigenen Einnahmen aufbringen. Ohne externe Geldgeber gäbe es die meisten heutigen KI-Firmen schlicht nicht.

Für die Investoren ist das ein Spiel mit sehr ungleichen Ausgängen. Von zehn Beteiligungen scheitern typischerweise sieben oder acht vollständig. Ein oder zwei Treffer müssen deshalb so groß ausfallen, dass sie alle Verluste decken und darüber hinaus Gewinn bringen. Diese Rechnung erklärt das Verhalten der Branche. Investoren suchen nicht nach soliden kleinen Firmen, sondern nach Kandidaten für extrem schnelles Wachstum.

Daraus entsteht auch ein Druck, den man in Nachrichten oft übersieht. Ein Unternehmen mit Risikokapital im Rücken muss schnell wachsen, nicht nur profitabel arbeiten. Wer nach ein paar Jahren nur stabile Umsätze hat, gilt für die Geldgeber trotzdem als Enttäuschung. Deshalb geben viele Startups Geld für Marktanteile aus statt für Gewinne.

Von der Seed-Runde bis zum Exit

Risikokapital fließt nicht in einer einzigen Zahlung, sondern in Stufen. Die erste heißt Seed-Runde, also Saatgeld, und liegt oft im Bereich von einigen hunderttausend bis wenigen Millionen Euro. Danach folgen weitere Runden mit den Namen Serie A, Serie B und so weiter. Jede Runde bringt mehr Geld, aber nur, wenn das Unternehmen vorher Fortschritte gezeigt hat. Solche Fortschritte können Nutzerzahlen, ein fertiges Produkt oder erste zahlende Kunden sein.

Bei jeder Runde wird ein Wert für das gesamte Unternehmen festgelegt, die Bewertung. Wer zehn Millionen Euro einzahlt und das Unternehmen dabei mit hundert Millionen bewertet, bekommt zehn Prozent der Anteile. Diese Bewertung ist kein gemessener Preis, sondern eine Verhandlungssache. Sie sagt vor allem, was die Investoren dem Unternehmen zutrauen. Deshalb können Bewertungen auch schnell wieder fallen.

Das Geld der Investoren stammt meist nicht aus ihrer eigenen Tasche. Eine Risikokapitalgesellschaft sammelt es bei Pensionskassen, Versicherungen und reichen Privatpersonen ein und verwaltet es in einem Fonds. Nach etwa zehn Jahren wollen diese Geldgeber ihr Kapital zurück. Deshalb steuert jede Beteiligung auf einen Ausstieg zu, den sogenannten Exit. Das ist entweder ein Verkauf an einen größeren Konzern oder ein Börsengang.

Woran man Risikokapital in den Nachrichten erkennt

Meldungen über Risikokapital erkennt man an einer festen Formel. Es heißt dann etwa, ein Startup habe in einer Serie-B-Runde zweihundert Millionen Dollar eingesammelt, bei einer Bewertung von zwei Milliarden. Wichtig ist dabei der Unterschied zwischen beiden Zahlen. Die erste ist echtes Geld, das auf ein Konto fließt. Die zweite ist nur eine Einschätzung, die niemand ausgezahlt bekommt.

Bekannte Namen dieser Branche sind Andreessen Horowitz und Sequoia Capital, beide aus dem Silicon Valley. In Europa sind unter anderem Index Ventures und Balderton aktiv. Eine Sonderform bilden große Technologiekonzerne, die selbst in Startups investieren. Microsoft bei OpenAI oder Amazon und Google bei Anthropic sind Beispiele dafür.

Ein häufiger Irrtum ist, eine hohe Bewertung sei ein Beweis für Erfolg. Sie zeigt nur, dass Investoren an künftige Gewinne glauben. Viele hoch bewertete Firmen machen jahrelang Verluste, einige verschwinden ganz. Wer solche Meldungen liest, sollte deshalb immer fragen, wie das Unternehmen eigentlich Geld verdienen will.

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