Schema eines Orderbuchs: links die nach Preis absteigend sortierten Kaufaufträge mit dem höchsten Gebot (Bid) oben, rechts die aufsteigend sortierten Verkaufsaufträge mit der niedrigsten Forderung (Ask) oben, dazwischen die markierte Spanne (Spread).

Orderbuch

Das Orderbuch ist die laufend aktualisierte Liste aller Kauf- und Verkaufsangebote für ein Wertpapier an einer Börse, sortiert nach Preis. Es zeigt, wer zu welchem Preis wie viele Stücke handeln will, und aus ihm entsteht der aktuelle Börsenkurs.

Wer an der Börse eine Aktie kaufen oder verkaufen will, schickt einen Auftrag an den Handelsplatz. In diesem Auftrag steht, um welche Aktie es geht, wie viele Stücke gehandelt werden sollen und oft auch, welcher Preis höchstens gezahlt oder mindestens verlangt wird. Alle diese Aufträge werden gesammelt und in einer Liste geführt: dem Orderbuch. Auf der einen Seite stehen die Kaufaufträge, auf der anderen die Verkaufsaufträge, jeweils nach Preis sortiert. Passen ein Kauf- und ein Verkaufsauftrag preislich zusammen, kommt ein Geschäft zustande und beide verschwinden aus der Liste. Das Orderbuch ist damit kein Rückblick auf vergangene Geschäfte, sondern eine Momentaufnahme dessen, was gerade gewollt wird.

Was der Kurs eigentlich anzeigt

Der Preis einer Aktie wird nicht von einer Behörde festgelegt. Er entsteht genau dort, wo sich im Orderbuch Angebot und Nachfrage treffen. Der Kurs, den du in einer App siehst, ist meist der Preis des zuletzt ausgeführten Geschäfts. Er ist also ein Ergebnis des Orderbuchs, nicht dessen Ursache.

Wichtig ist außerdem, wie dicht das Buch gefüllt ist. Liegen viele Aufträge nah beieinander, spricht man von hoher Liquidität: Man kann große Mengen handeln, ohne den Preis stark zu bewegen. Ist das Buch dünn, reicht schon eine mittelgroße Order, um den Kurs deutlich zu verschieben. Genau deshalb schwanken kleine, selten gehandelte Aktien oft heftiger als bekannte Standardwerte.

Für Profis ist das Orderbuch deshalb eine Informationsquelle und ein Risiko zugleich. Wer eine sehr große Position verkaufen will, verrät seine Absicht, sobald der Auftrag sichtbar im Buch liegt. Andere Marktteilnehmer können darauf reagieren und den Preis vorher in ihre Richtung bewegen.

Zwei Seiten, eine Spanne

Auf der Kaufseite steht ganz oben das höchste Gebot, Geldkurs oder Bid genannt. Auf der Verkaufsseite steht ganz oben die niedrigste Forderung, Briefkurs oder Ask. Zwischen beiden liegt eine Lücke, die Spanne oder Spread heißt. Bei einer stark gehandelten Aktie beträgt sie oft nur wenige Cent, bei einem exotischen Papier kann sie mehrere Prozent ausmachen.

Neue Aufträge werden nach zwei Regeln einsortiert. Zuerst zählt der Preis: Wer mehr bietet, kommt weiter nach oben. Bei gleichem Preis zählt die Zeit: Wer früher da war, wird zuerst bedient. Dieses Prinzip heißt Preis-Zeit-Priorität und funktioniert wie eine Warteschlange mit Vorfahrtsregel.

Zu unterscheiden sind zwei Auftragsarten. Eine Limit-Order nennt eine Preisgrenze und wartet im Buch, bis jemand darauf eingeht. Eine Market-Order nennt keinen Preis und wird sofort gegen die besten vorhandenen Angebote ausgeführt. Limit-Orders füllen das Buch also, Market-Orders leeren es. Ein häufiger Irrtum: Eine Market-Order garantiert die Ausführung, aber niemals einen bestimmten Preis.

Vom Parketthandel zu Millisekunden

Früher standen Händler in einem Saal und riefen sich Preise zu. Heute ist das Orderbuch eine Datenbank auf einem Server, etwa bei Xetra in Frankfurt. Sie verarbeitet Änderungen im Bereich von Millionstelsekunden. In deiner Broker-App siehst du davon meist nur die Spitze: den letzten Kurs sowie Bid und Ask.

Genau diese Datenflut ist inzwischen ein Feld für Software und KI. Algorithmen im Hochfrequenzhandel lesen Veränderungen im Orderbuch und leiten daraus Vermutungen über die nächste Kursbewegung ab. Maschinelle Lernverfahren werden darauf trainiert, Muster in Millionen solcher Momentaufnahmen zu erkennen. Ob das zuverlässig funktioniert, ist umstritten, denn jeder Teilnehmer verändert durch sein Handeln das Buch selbst.

Auch bei Kryptowährungen findet man den Begriff. Handelsplätze wie Binance zeigen ihr Orderbuch öffentlich an, oft als farbige Liste mit grünen Kauf- und roten Verkaufsangeboten. Wenn in Nachrichten von einem dünnen Orderbuch die Rede ist, heißt das schlicht: Es fehlen Angebote, und der Kurs kann leicht springen.

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