Great Flattening

Great Flattening

Great Flattening bezeichnet den Abbau mittlerer Führungsebenen in großen Unternehmen, der seit etwa 2023 durch Kostendruck und Automatisierung beschleunigt wird. Statt vieler Zwischenchefs betreuen wenige Führungskräfte deutlich größere Teams.

Große Unternehmen sind meist wie eine Pyramide aufgebaut. Ganz oben sitzt die Geschäftsführung, ganz unten arbeiten die Angestellten, dazwischen liegen mehrere Ebenen von Chefs und Unterchefs. Diese Zwischenebenen leiten kleine Teams, geben Aufgaben weiter und melden Ergebnisse nach oben. Great Flattening ist der englische Sammelbegriff für einen Trend, bei dem genau diese mittleren Ebenen gestrichen werden. Übersetzt heißt es ungefähr „die große Verflachung“: Die Pyramide behält ihre Breite, verliert aber Stockwerke. Der Begriff tauchte ab 2023 in Wirtschaftsmedien auf, als Konzerne wie Meta, Amazon, Google und Intel gleichzeitig ankündigten, Managementebenen abzubauen.

Was der Abbau der Zwischenebenen für Karrieren bedeutet

Für Unternehmen ist der Reiz offensichtlich: Managementstellen sind teuer. Ein mittlerer Manager verdient in der Tech-Branche schnell das Doppelte einer Einstiegsposition. Wer solche Stellen streicht, senkt Kosten, ohne die eigentliche Arbeit anzutasten. Amazon-Chef Andy Jassy formulierte 2024 sogar ein Ziel: 15 Prozent weniger Manager im Verhältnis zu den übrigen Beschäftigten.

Für Beschäftigte verändert sich dadurch der Weg nach oben. Bisher galt Beförderung als Aufstieg von Stufe zu Stufe: erst Teamleitung, dann Abteilungsleitung, dann mehr. Wenn Stufen wegfallen, sind Sprünge größer und seltener. Wer aufsteigen will, muss länger warten oder das Unternehmen wechseln. Manche Firmen bieten deshalb Fachlaufbahnen an, bei denen man mehr verdient, ohne Personalverantwortung zu übernehmen.

Der Trend trifft nicht alle gleich. Besonders betroffen sind Ebenen, deren Hauptaufgabe darin bestand, Informationen weiterzuleiten und Berichte zusammenzufassen. Solche Aufgaben lassen sich vergleichsweise leicht durch Software ersetzen. Führungskräfte, die inhaltlich entscheiden oder Konflikte lösen, sind weniger gefährdet.

Wie Software und Kostendruck die Pyramide abflachen

Zwei Kräfte wirken zusammen. Die erste ist wirtschaftlich: Nach den Einstellungswellen der Corona-Jahre wuchsen viele Tech-Konzerne zu schnell. Als danach die Zinsen stiegen und Investoren auf Gewinne drängten, wurde Personal abgebaut. Das Management war dabei ein besonders sichtbarer Posten.

Die zweite Kraft ist technisch. Vieles, was Zwischenchefs früher taten, erledigt heute Software. Projektstände stehen in Werkzeugen wie Jira oder Asana für alle sichtbar. Wochenberichte lassen sich von KI-Systemen aus Chatverläufen und Tickets zusammenfassen. Damit fällt ein Teil der Begründung weg, warum eine Führungskraft nur acht Personen betreuen kann.

In der Praxis heißt das: Die sogenannte Führungsspanne wächst. Dieser Fachbegriff beschreibt, wie viele Personen einer Führungskraft direkt unterstellt sind. Früher galten sechs bis acht als normal, heute berichten Firmen von fünfzehn oder mehr. Kritiker warnen allerdings, dass ab einer gewissen Größe niemand mehr echte Rückmeldung bekommt. Ein Manager mit zwanzig Direktunterstellten kann kaum noch jedem einzelnen helfen, sich zu entwickeln.

Great Flattening in Quartalszahlen und Stellenanzeigen

In den Nachrichten begegnet dir der Begriff meist rund um Quartalsberichte. Wenn ein Konzern von „Effizienz“, „Verschlankung“ oder „Reduzierung von Managementebenen“ spricht, ist Great Flattening gemeint. Anlegerinnen und Anleger reagieren darauf oft positiv, weil sinkende Personalkosten den Gewinn kurzfristig erhöhen.

Auch in Stellenanzeigen wird der Trend sichtbar. Formulierungen wie „flache Hierarchien“ oder „hohe Eigenverantwortung“ klingen nach Freiheit, bedeuten aber oft schlicht, dass es wenige Vorgesetzte gibt. Für Berufseinsteiger kann das gut sein, weil man früh mit Entscheidern spricht. Es kann aber auch bedeuten, dass niemand Zeit hat, einen einzuarbeiten.

Ein häufiger Irrtum ist, Great Flattening mit einer allgemeinen Entlassungswelle gleichzusetzen. Gemeint ist etwas Spezifischeres: die Umverteilung innerhalb der Struktur, nicht nur ihre Verkleinerung. Manche Unternehmen stellen gleichzeitig Fachleute ein und streichen Führungsposten. Ob die flache Struktur dauerhaft funktioniert, ist offen. Frühere Wellen dieser Art endeten oft damit, dass die gestrichenen Ebenen nach einigen Jahren unter neuem Namen zurückkehrten.

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