
Big Fund
Der Big Fund ist ein staatlicher chinesischer Investitionsfonds, der seit 2014 Milliardenbeträge in die eigene Chipindustrie steckt. Er soll China unabhängiger von westlicher Halbleitertechnik machen und gilt als eines der größten Industrieförderprogramme der Welt.
Der Big Fund ist ein Geldtopf des chinesischen Staates. Sein offizieller Name lautet übersetzt „Nationaler Investitionsfonds für die Industrie integrierter Schaltkreise“. Integrierte Schaltkreise sind das, was man umgangssprachlich Chips nennt: winzige Plättchen aus Silizium, die in Handys, Autos und Rechenzentren die eigentliche Rechenarbeit erledigen. Der Fonds sammelt Geld vom Staat und von staatsnahen Unternehmen und investiert es in chinesische Chipfirmen. Gegründet wurde er 2014, seither gab es drei große Runden mit zusammen weit über 60 Milliarden Euro. Weil der Name so sperrig ist, spricht praktisch jeder nur vom „Big Fund“.
Chinas Antwort auf die Abhängigkeit von westlicher Chiptechnik
China kauft seit Jahrzehnten mehr Chips ein, als es selbst herstellen kann. Die teuersten und modernsten Chips kommen aus Taiwan, Südkorea und den USA. Auch die Maschinen zur Chipherstellung stammen fast alle aus den Niederlanden, Japan und Amerika. Diese Abhängigkeit gilt in Peking als strategisches Risiko.
Seit 2018 hat sich das Risiko als real erwiesen. Die USA verhängten Exportbeschränkungen gegen chinesische Konzerne wie Huawei und SMIC. Bestimmte Maschinen und Chips dürfen seither nicht mehr nach China geliefert werden. Der Big Fund ist die finanzielle Antwort darauf: Was man nicht kaufen darf, soll man selbst bauen können.
Für die Weltwirtschaft ist das relevant, weil Chips heute in fast jedem Produkt stecken. Wenn China es schafft, moderne Chips selbst zu fertigen, verschieben sich Marktanteile und politische Druckmittel. Deshalb beobachten Analysten jede neue Finanzierungsrunde des Fonds sehr genau. Die dritte Runde von 2024 umfasste allein rund 47 Milliarden Euro.
Wie das Geld verteilt wird
Der Big Fund ist kein Geschenk und keine klassische Subvention. Er funktioniert wie ein Beteiligungsfonds: Er kauft Anteile an Unternehmen und wird damit Miteigentümer. Das Geld stammt vom chinesischen Finanzministerium, von Staatsbanken und von staatlichen Konzernen. Verwaltet wird es von einer eigenen Gesellschaft, die Investitionsentscheidungen trifft.
Die Mittel fließen entlang der gesamten Produktionskette. Ein Teil geht an Fabriken, die Chips fertigen, etwa SMIC. Ein anderer Teil geht an Speicherhersteller wie YMTC oder an Firmen, die Produktionsmaschinen bauen. Die dritte Runde legte den Schwerpunkt stärker auf Ausrüstung und Materialien, also auf jene Stellen, an denen die Exportverbote am stärksten wehtun.
Reibungslos lief das nicht. 2021 und 2022 wurden mehrere leitende Manager des Fonds wegen Korruptionsverdachts festgenommen. Kritiker bemängeln außerdem, dass viel Geld in Projekte floss, die nie eine funktionierende Fabrik hervorbrachten. Ein bekanntes Beispiel ist die Firma HSMC, die trotz Milliardenbeträgen scheiterte.
Der Fonds in Wirtschaftsnachrichten und im Chipstreit
In den Nachrichten taucht der Big Fund meist in zwei Zusammenhängen auf. Erstens, wenn eine neue Finanzierungsrunde angekündigt wird und Zeitungen die Summen mit dem amerikanischen CHIPS Act vergleichen. Zweitens, wenn eine chinesische Firma einen technischen Fortschritt meldet, etwa einen neuen Prozessor von Huawei.
Auch für die Kurse europäischer Unternehmen spielt das eine Rolle. Der niederländische Maschinenbauer ASML verdient viel Geld in China. Jede Meldung über chinesische Fortschritte oder neue Exportverbote bewegt solche Aktien. Wer Wirtschaftsnachrichten liest, trifft den Begriff deshalb regelmäßig in Börsenberichten.
Ein häufiger Irrtum ist, den Big Fund für Chinas einzige Chipförderung zu halten. Tatsächlich gibt es daneben Provinzfonds, Steuervorteile und Forschungsprogramme. Der Big Fund ist eher das sichtbarste Element eines viel größeren Pakets. Seine Zahlen sind nur deshalb so oft in den Schlagzeilen, weil sie offiziell veröffentlicht werden.