Practice Group

Practice Group

Eine Practice Group ist eine Fachabteilung innerhalb einer Kanzlei oder Beratungsfirma, in der alle Mitarbeiter mit dem gleichen Themengebiet zusammenarbeiten. Im Zusammenhang mit KI ist vor allem die Practice Group für Technologie- und Datenrecht interessant, weil sie Unternehmen bei KI-Projekten berät.

Große Anwaltskanzleien und Beratungsfirmen haben oft mehrere hundert Mitarbeiter. Niemand kann sich in allen Rechtsgebieten gleich gut auskennen. Deshalb teilen sich solche Firmen intern in Fachgruppen auf, und diese Gruppen heißen im Branchenjargon Practice Groups. Eine Gruppe kümmert sich etwa nur um Steuerfragen, eine andere nur um Firmenübernahmen, eine dritte nur um Arbeitsrecht. Der englische Begriff hat sich auch in Deutschland durchgesetzt, weil viele dieser Firmen international arbeiten. Man kann sich eine Practice Group wie ein Fachbereich an einer Universität vorstellen: eigene Leute, eigenes Thema, eigenes Budget.

Warum Mandanten nach der richtigen Gruppe suchen

Ein Unternehmen, das ein Problem hat, sucht keine Kanzlei im Ganzen. Es sucht die Leute, die genau dieses Problem schon fünfzig Mal gelöst haben. Die Practice Group ist die Einheit, in der sich diese Erfahrung sammelt. Wer eine Fabrik in Vietnam kaufen will, landet bei der Gruppe für Unternehmenskäufe, nicht beim Mietrechtsteam.

Für die Firmen selbst sind die Gruppen außerdem eine Art Geschäftsbereich. Jede Gruppe bringt Umsatz, hat Kosten und wird intern daran gemessen. Wächst ein Markt, baut die Firma dort eine neue Gruppe auf. Schrumpft ein Markt, wird die Gruppe verkleinert oder mit einer anderen zusammengelegt.

Genau deshalb tauchen Practice Groups in Wirtschaftsnachrichten auf. Wenn eine Kanzlei eine Gruppe für KI-Regulierung gründet, ist das ein Signal. Es heißt: Hier entsteht so viel Beratungsbedarf, dass sich eine eigene Abteilung dafür lohnt.

Wie so eine Gruppe intern aufgebaut ist

An der Spitze steht meist ein Partner, also ein Miteigentümer der Firma. Diese Person leitet die Gruppe und ist für ihre Zahlen verantwortlich. Darunter arbeiten angestellte Juristen oder Berater, oft nach Erfahrung gestaffelt. Ganz unten stehen die Berufsanfänger, die Recherche und Vertragsentwürfe übernehmen.

Die Gruppen arbeiten nicht abgeschottet voneinander. Ein einziges Mandat zieht häufig mehrere Gruppen hinein. Ein Unternehmenskauf braucht Steuerleute, Arbeitsrechtler und bei Techfirmen auch Datenschutzexperten. Eine Gruppe koordiniert dann, die anderen liefern ihre Teile zu.

Wichtig ist die Abgrenzung zum Standort. Eine Kanzlei mit Büros in Frankfurt, London und Singapur hat dort jeweils Räume und Personal. Die Practice Group läuft aber quer dazu: Sie bündelt alle Datenschutzleute aller Büros in einem Netzwerk. Standort sagt, wo jemand sitzt, Practice Group sagt, was jemand macht.

Technologie- und KI-Gruppen als Wachstumsfeld

Seit die EU mit dem AI Act erstmals ein umfassendes Gesetz für künstliche Intelligenz beschlossen hat, brauchen Unternehmen Rat. Darf ein Chatbot Bewerbungen vorsortieren? Wem gehört ein Bild, das eine Software erzeugt hat? Wer haftet, wenn ein KI-System eine falsche Diagnose stellt? Solche Fragen bearbeiten Practice Groups für Technologie-, Daten- und Immaterialgüterrecht.

In Pressemitteilungen und Fachmedien liest man deshalb oft Sätze wie: Die Kanzlei verstärkt ihre Practice Group Technology mit drei neuen Partnern. Solche Meldungen sind für Beobachter interessante Hinweise. Sie zeigen, welche Themen die Wirtschaft gerade wirklich beschäftigen.

Ein häufiger Irrtum ist, den Begriff nur auf Kanzleien zu beziehen. Auch Unternehmensberatungen, Wirtschaftsprüfer und große IT-Dienstleister nutzen ihn für ihre Fachbereiche. Dort kann eine Practice Group zum Beispiel Cloud-Migrationen oder KI-Projekte betreuen. Das Prinzip bleibt dasselbe: gebündeltes Fachwissen als verkaufbare Einheit.

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