Leveraged ETF

Leveraged ETF

Ein Leveraged ETF ist ein an der Börse gehandelter Fonds, der die Tagesbewegung eines Marktes verdoppelt oder verdreifacht. Er eignet sich für kurze Wetten, weil er über längere Zeiträume durch den täglichen Neustart der Hebelwirkung stark vom erwarteten Ergebnis abweichen kann.

Ein Fonds ist ein gemeinsamer Geldtopf vieler Anleger, aus dem Wertpapiere gekauft werden. Manche dieser Töpfe kann man wie eine Aktie an der Börse handeln, sie heißen ETF. Die meisten ETFs bilden einfach einen Markt nach, etwa die 30 größten deutschen Unternehmen. Ein Leveraged ETF geht einen Schritt weiter: Er verstärkt die Bewegung dieses Marktes um einen festen Faktor, meist das Doppelte oder Dreifache. Steigt der Markt an einem Tag um ein Prozent, steigt ein solcher Fonds mit Faktor zwei um zwei Prozent. Fällt der Markt um ein Prozent, verliert der Fonds entsprechend zwei Prozent.

Warum der Hebel in beide Richtungen schneidet

Der Reiz ist offensichtlich. Wer glaubt, ein Markt steige in den nächsten Tagen, verdient mit doppeltem Hebel doppelt so viel. Man braucht dafür weniger Kapital als für die gleiche Wirkung mit einzelnen Aktien. Genau deshalb sind solche Produkte bei kurzfristigen Händlern beliebt.

Das Risiko ist genauso groß. Verluste werden ebenfalls verdoppelt oder verdreifacht. Ein Markteinbruch von 20 Prozent bedeutet bei dreifachem Hebel einen Verlust von rund 60 Prozent. Solche Fonds sind deshalb kein Ersatz für langfristiges Sparen, sondern ein Werkzeug für Spekulation.

Wichtig ist auch der Unterschied zu einem normalen Index-ETF. Ein gewöhnlicher ETF auf den DAX ist ein langweiliges, breit gestreutes Produkt. Ein gehebelter ETF auf denselben Index ist ein Hochrisikoprodukt. Der Name klingt ähnlich, die Wirkung nicht.

Der tägliche Neustart und die Pfadabhängigkeit

Der Hebel gilt fast immer nur für einen einzigen Handelstag. Am Ende jedes Tages setzt der Fonds seine Position neu auf, passend zum aktuellen Wert. Fachleute nennen das täglichen Rebalancing-Vorgang. Erreicht wird die Hebelwirkung meist über geliehenes Geld oder über Termingeschäfte, also Verträge auf künftige Kurse.

Dieser tägliche Neustart hat eine Folge, die viele Anleger überrascht. Über mehrere Tage entspricht das Ergebnis nicht dem doppelten Marktergebnis. Ein Beispiel: Ein Index fällt an einem Tag um 10 Prozent und steigt am nächsten wieder um 10 Prozent. Er steht dann bei 99 Prozent des Ausgangswerts. Ein Fonds mit doppeltem Hebel verliert erst 20 Prozent, gewinnt dann 20 Prozent und landet bei 96 Prozent.

Man kann sich das wie eine Sprungfeder vorstellen, die nach jedem Tag neu eingestellt wird. In einem Markt, der ohne klare Richtung stark schwankt, zerreibt dieser Effekt den Wert. Fachleute sprechen von Pfadabhängigkeit: Es zählt nicht nur, wo der Markt landet, sondern welchen Weg er nimmt. Dazu kommen laufende Kosten und Zinsen für das geliehene Geld.

Wo Hebelprodukte in Finanznews auftauchen

Besonders bekannt sind gehebelte Fonds auf einzelne Techwerte und auf KI-Aktien. In den USA gibt es etwa Produkte, die die Tagesbewegung von Nvidia oder Tesla verdoppeln. Nach starken Kurssprüngen berichten Finanzmedien regelmäßig über die Handelsvolumen in diesen Produkten. Sie gelten als Stimmungsbarometer für spekulative Anleger.

In der Europäischen Union sind solche Produkte für Privatanleger nur eingeschränkt verfügbar. Viele US-Fonds erfüllen die hiesigen Informationspflichten nicht und dürfen deshalb nicht verkauft werden. Stattdessen findet man in Deutschland gehebelte Indexfonds mit Faktor zwei oder ähnliche Zertifikate von Banken. Broker müssen vor dem Kauf auf das Risiko hinweisen.

Ein häufiger Irrtum lautet: Über zehn Jahre bringt ein doppelt gehebelter ETF einfach die doppelte Rendite. Das ist falsch, wie das Rechenbeispiel oben zeigt. In langen Aufwärtsphasen kann das Ergebnis sogar über dem doppelten Wert liegen, in schwankenden Phasen deutlich darunter. Wer solche Produkte kauft, sollte den Zeithorizont in Tagen oder Wochen denken, nicht in Jahren.

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