
UseMod
UseMod ist ein sehr frühes, in Perl geschriebenes Programm zum Betrieb eines Wikis, also einer Website, die jeder Besucher im Browser bearbeiten kann. Bekannt wurde es vor allem, weil die Wikipedia in ihren ersten Monaten damit lief.
UseMod ist ein Programm, mit dem man eine besondere Art von Website betreiben kann: eine, deren Seiten jeder Besucher direkt im Browser ändern darf. Solche Websites nennt man Wikis. Bei einem Wiki gibt es unter jedem Text einen Bearbeiten-Knopf, und die Änderung ist sofort für alle sichtbar. UseMod wurde im Jahr 2000 von dem US-Amerikaner Clifford Adams veröffentlicht und war kostenlos für jeden nutzbar. Berühmt ist es aus einem einzigen Grund: Die Wikipedia startete im Januar 2001 auf dieser Software. Heute wird UseMod praktisch nirgends mehr eingesetzt, es gilt aber als ein Stück Internetgeschichte.
Die Software, auf der die Wikipedia begann
Die Wikipedia ist heute eine der meistbesuchten Websites der Welt. Ihre ersten Monate liefen jedoch auf einem Programm, das eine einzelne Person geschrieben hatte und das in eine einzige Datei passte. Das zeigt etwas Wichtiges über das frühe Internet: Große Projekte begannen oft mit sehr einfachen Werkzeugen. Erst als die Zahl der Artikel wuchs, wechselte die Wikipedia im Jahr 2002 auf eine eigens entwickelte Software, die heute MediaWiki heißt.
Wichtig war UseMod auch, weil es fast keine Hürden gab. Man brauchte keinen teuren Server und keine Datenbank, sondern nur einen normalen Webspace. Damit konnten auch Schulen, Vereine oder einzelne Interessierte ein Wiki aufsetzen. In den frühen 2000er-Jahren entstanden so hunderte kleine Themen-Wikis.
Ein Teil der heutigen Wikipedia-Gewohnheiten stammt direkt aus dieser Zeit. Die Idee, Links durch zwei eckige Klammern um ein Wort zu setzen, war in UseMod bereits üblich. Auch die Seite „Letzte Änderungen“, auf der man alle Bearbeitungen der Community sieht, gab es dort schon.
Textdateien statt Datenbank
Technisch ist UseMod ein einzelnes Skript in der Programmiersprache Perl. Ein Skript ist ein Programm, das auf dem Server ausgeführt wird, sobald jemand die Seite aufruft. Der Server schickt dann fertigen Text an den Browser des Besuchers. Für den Nutzer sieht das aus wie eine ganz normale Website.
Der auffälligste Unterschied zu heutiger Software liegt in der Speicherung. Moderne Wikis legen ihre Inhalte in einer Datenbank ab, also in einem eigenen Programm, das große Datenmengen ordnet und durchsuchbar hält. UseMod verzichtet darauf komplett. Jede Wiki-Seite ist schlicht eine Textdatei auf der Festplatte des Servers. Man kann sich das wie einen Aktenordner voller Zettel vorstellen statt wie eine elektronische Kartei.
Das macht die Einrichtung extrem einfach, hat aber klare Grenzen. Bei tausenden Seiten und vielen gleichzeitigen Besuchern wird das Durchsuchen von Textdateien langsam. Genau deshalb musste die Wikipedia die Software wechseln. Der Text selbst wird in einer vereinfachten Schreibweise erfasst, dem sogenannten Wikitext. Statt komplizierter Befehle schreibt man dort zum Beispiel Sternchen für eine Aufzählung.
Wo der Name heute noch auftaucht
Im Alltag begegnet man UseMod so gut wie nie mehr. Wer ein Wiki aufsetzen will, nimmt heute MediaWiki, DokuWiki oder eine fertige Plattform im Netz. UseMod wird kaum noch weiterentwickelt und wäre für ein größeres Projekt keine sinnvolle Wahl.
Der Name fällt trotzdem regelmäßig, wenn über die Geschichte der Wikipedia berichtet wird. In Jubiläumsartikeln oder Dokumentationen taucht er als Fußnote auf: die Software der allerersten Monate. Auch in Diskussionen über offene Software dient UseMod als Beispiel dafür, wie ein kleines freies Projekt etwas sehr Großes ermöglichen kann.
Für dich ist der Begriff vor allem als Einordnungshilfe nützlich. Wenn irgendwo von UseMod die Rede ist, geht es um die Frühzeit des Mitmach-Internets, ungefähr zwischen 2000 und 2003. Verwechseln sollte man UseMod nicht mit Usenet, einem noch älteren Diskussionsnetzwerk. Die Namen ähneln sich, die Sache dahinter ist eine völlig andere.