Vergleich zweier Balkendiagramme desselben Index: links nach Marktkapitalisierung gewichtet, wo drei große Unternehmen den Großteil der Fläche einnehmen, rechts gleichgewichtet mit lauter gleich hohen Balken.

Indexgewichtung

Die Indexgewichtung legt fest, wie stark ein einzelnes Unternehmen den Wert eines Börsenindex wie des DAX beeinflusst. Meistens entscheidet der Börsenwert der Firma darüber, doch es gibt auch Verfahren, bei denen alle Mitglieder gleich viel zählen.

Ein Börsenindex ist eine Kennzahl, die den Wert vieler Aktien zu einer einzigen Zahl zusammenfasst. Der DAX etwa bündelt 40 große deutsche Unternehmen. Nun zählt aber nicht jedes dieser Unternehmen gleich viel. Die Indexgewichtung ist die Regel, die festlegt, wie stark jede einzelne Firma auf die Indexzahl durchschlägt. Steigt die Aktie eines schwer gewichteten Unternehmens um ein Prozent, bewegt sich der Index deutlich. Bei einer klein gewichteten Firma passiert fast nichts.

Warum ein Prozent nicht gleich ein Prozent ist

Viele Menschen lesen den DAX-Stand als Stimmungsbarometer der deutschen Wirtschaft. Das stimmt nur eingeschränkt. Wenn wenige Konzerne zusammen ein Drittel des Index ausmachen, spiegelt die Zahl vor allem deren Geschäft wider. Ein schwaches Jahr bei hunderten kleinerer Firmen kann darin fast untergehen.

Besonders sichtbar wurde das beim US-Index S&P 500. Dort machten die größten Technologiekonzerne zeitweise rund ein Drittel des gesamten Indexwerts aus. Wer solch einen Index über einen Fonds kauft, glaubt oft, breit gestreut zu investieren. Tatsächlich hängt das Ergebnis stark an einer Handvoll Unternehmen. Fachleute nennen das Klumpenrisiko.

Die Gewichtung entscheidet außerdem darüber, wohin sehr viel Geld fließt. Indexfonds bilden einen Index automatisch nach. Sie kaufen jede Aktie genau in dem Verhältnis, das die Gewichtungsregel vorgibt. Steigt das Gewicht eines Unternehmens, müssen diese Fonds nachkaufen — unabhängig davon, ob sie die Aktie für gut halten.

Von Marktkapitalisierung bis Gleichgewichtung

Das häufigste Verfahren richtet sich nach der Marktkapitalisierung. Damit ist der gesamte Börsenwert eines Unternehmens gemeint: Aktienkurs mal Anzahl der Aktien. Eine Firma mit 500 Milliarden Euro Börsenwert bekommt in diesem System zehnmal so viel Gewicht wie eine mit 50 Milliarden. Meist wird nur der frei handelbare Teil der Aktien gezählt, der sogenannte Streubesitz.

Die Alternative ist die Gleichgewichtung. Dort bekommt jedes Mitglied denselben Anteil, im DAX also jeweils 2,5 Prozent. Ein solcher Index reagiert viel stärker auf kleinere Unternehmen. Er muss allerdings regelmäßig zurückgesetzt werden, weil die Kurse die Anteile ständig verschieben. Das verursacht Handelskosten.

Daneben gibt es Sonderformen. Manche Indizes gewichten nach der Dividende, also nach der jährlichen Gewinnausschüttung an die Aktionäre. Der bekannte Dow Jones gewichtet sogar schlicht nach dem Aktienkurs, was heute als veraltet gilt. Häufig setzen Anbieter zusätzlich Obergrenzen, damit kein Unternehmen mehr als etwa zehn Prozent des Index ausmacht. Diese Kappung schützt vor allzu großer Abhängigkeit von einem einzigen Konzern.

Was das für ETF-Sparpläne bedeutet

Am direktesten trifft das Thema alle, die in einen ETF sparen. Ein ETF ist ein börsengehandelter Fonds, der einen Index einfach nachbildet. Im Produktdatenblatt steht immer, welche Gewichtungsmethode gilt und welche zehn Positionen die größten sind. Diese Liste zu lesen dauert eine Minute und verrät mehr über das Risiko als der Name des Fonds.

In den Nachrichten taucht der Begriff meist bei zwei Anlässen auf. Erstens, wenn ein Unternehmen in einen Index aufsteigt oder herausfliegt — dann ändern sich schlagartig alle Gewichte. Zweitens, wenn Analysten vor der Konzentration auf wenige Technologiewerte warnen. Beides sind unmittelbare Folgen der gewählten Gewichtungsregel.

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