
Zombie-Unternehmen
Ein Zombie-Unternehmen ist eine Firma, die dauerhaft so wenig verdient, dass sie nicht einmal die Zinsen für ihre Schulden aus eigener Kraft bezahlen kann. Sie geht trotzdem nicht pleite, weil Banken oder der Staat sie mit immer neuem Geld am Leben halten.
Ein Zombie-Unternehmen ist eine Firma, die seit Jahren zu wenig Gewinn macht, um ihre eigenen Schulden zu bedienen. Wer sich Geld leiht, muss dafür regelmäßig Zinsen zahlen, also eine Gebühr an den Geldgeber. Genau diese Zinsen kann ein solches Unternehmen aus dem laufenden Geschäft nicht mehr aufbringen. Eigentlich müsste es deshalb schließen oder verkauft werden. Es überlebt aber, weil Banken alte Kredite verlängern oder der Staat Hilfen zahlt. Der Name spielt auf Untote aus Filmen an: nicht mehr richtig lebendig, aber auch nicht tot.
Warum Ökonomen von Kapital sprechen, das feststeckt
Jede Volkswirtschaft hat nur eine begrenzte Menge an Geld, Arbeitskräften und Maschinen. Wenn diese Mittel in Firmen gebunden sind, die dauerhaft keinen Ertrag bringen, fehlen sie anderswo. Ein junges Unternehmen mit einer guten Idee bekommt dann schwerer einen Kredit oder findet keine Fachkräfte. Ökonomen nennen das eine Fehlallokation, also eine falsche Verteilung knapper Mittel.
Studien der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich zeigen einen deutlichen Anstieg. In den 1980er Jahren galten in Industrieländern rund zwei Prozent der börsennotierten Firmen als Zombies. Zuletzt lagen die Schätzungen je nach Definition bei zehn Prozent und mehr. Besonders stark ausgeprägt war das Phänomen in Japan nach der Immobilienkrise der 1990er Jahre.
Der Effekt trifft auch die gesunden Wettbewerber. Ein Zombie senkt Preise, um überhaupt Umsatz zu machen, weil er ohnehin nur überleben will. Dadurch drückt er die Gewinne der ganzen Branche. Fachleute sprechen von einer Bremse für die Produktivität, also für die Frage, wie viel eine Volkswirtschaft pro Arbeitsstunde erwirtschaftet.
Woran man einen Zombie erkennt
Die gängigste Definition arbeitet mit zwei Bedingungen. Erstens muss der operative Gewinn eines Unternehmens über mindestens drei Jahre in Folge kleiner sein als die fälligen Zinszahlungen. Zweitens muss die Firma mindestens zehn Jahre alt sein. Die zweite Bedingung schließt Start-ups aus, die anfangs planmäßig Verluste machen und später profitabel werden.
Entscheidend ist die Kennzahl Zinsdeckungsgrad. Sie setzt den Gewinn vor Zinsen und Steuern ins Verhältnis zu den Zinsaufwendungen. Liegt der Wert dauerhaft unter eins, reicht das Geschäft nicht für die Zinsen. Die Lücke wird dann mit neuen Krediten gestopft, was die Schulden weiter erhöht.
Warum machen Banken das mit? Wenn eine Bank einen Kredit als verloren abschreibt, muss sie den Verlust sofort in ihre Bilanz eintragen. Verlängert sie den Kredit stattdessen, sieht die Bilanz kurzfristig besser aus. Fachleute nennen dieses Verhalten Evergreening, also das künstliche Immergrünhalten fauler Kredite. Niedrige Zinsen verstärken den Effekt zusätzlich, weil die laufenden Kosten der Schulden dann sehr klein sind.
Zinswende, Corona-Hilfen und Insolvenzstatistik
In Wirtschaftsnachrichten taucht der Begriff meist auf, wenn die Zentralbanken die Zinsen ändern. Zehn Jahre lang lagen die Leitzinsen in Europa nahe null, danach stiegen sie ab 2022 kräftig. Für Firmen mit hohen Schulden vervielfachten sich damit die Zinskosten. Genau deshalb häuften sich seither Berichte über steigende Insolvenzzahlen in Deutschland.
Ein zweiter Anlass waren die staatlichen Corona-Hilfen und die zeitweise ausgesetzte Insolvenzantragspflicht. Kritiker warnten damals, der Staat halte Firmen künstlich am Leben, die schon vorher nicht mehr tragfähig waren. Verteidiger hielten dagegen, dass sonst auch gesunde Betriebe wegen einer kurzen Ausnahmesituation untergegangen wären. Beide Seiten benutzten das Wort Zombie-Unternehmen als Argument.
Wichtig ist eine Abgrenzung: Ein Unternehmen mit hohen Schulden ist noch kein Zombie. Viele Konzerne finanzieren Fabriken bewusst über Kredite und verdienen damit gutes Geld. Auch ein einzelnes schlechtes Jahr reicht nicht aus. Erst die Kombination aus dauerhafter Schwäche, hohem Alter und fremder Unterstützung macht den Begriff passend. Wer ihn in Schlagzeilen liest, sollte deshalb prüfen, welche Definition der Autor tatsächlich verwendet.