
Zirkularität
Zirkularität beschreibt Geschäfte, bei denen Geld im Kreis zwischen wenigen Firmen fließt: Ein Unternehmen investiert bei einem Kunden, der mit diesem Geld die eigenen Produkte kauft. In der KI-Branche wird der Begriff kritisch verwendet, weil so Umsätze entstehen, die nach echter Nachfrage aussehen, aber teils selbst finanziert sind.
Zirkularität bedeutet, dass Geld zwischen wenigen Firmen im Kreis fließt. Firma A gibt Firma B Geld, etwa als Investition oder als Kredit. Firma B kauft mit genau diesem Geld Produkte bei Firma A. Am Ende hat Firma A einen Umsatz in den Büchern, den sie selbst bezahlt hat. Der Begriff stammt aus der Finanzwelt und wird meist als Warnung benutzt. Seit 2024 taucht er häufig in Berichten über die großen Firmen der künstlichen Intelligenz auf.
Warum Anleger bei Kreisgeschäften nervös werden
Umsatz ist für Investoren das wichtigste Signal dafür, dass ein Produkt gebraucht wird. Wächst der Umsatz stark, gilt das als Beweis für echte Nachfrage. Genau dieses Signal wird durch zirkuläre Geschäfte unzuverlässig. Denn ein Teil des Wachstums kommt dann nicht von fremden Kunden, sondern aus der eigenen Kasse.
Gefährlich ist außerdem die Abhängigkeit. Wenn wenige Firmen sich gegenseitig finanzieren, hängen alle am selben Faden. Gerät ein Beteiligter in Schwierigkeiten, fallen mehrere Umsatzquellen gleichzeitig weg. Fachleute nennen das ein Klumpenrisiko: Das Risiko ist nicht verteilt, sondern auf einen kleinen Kreis konzentriert.
Historisch gibt es dafür ein bekanntes Vorbild. Um das Jahr 2000 verkauften Netzwerkausrüster Technik an junge Internetfirmen und finanzierten den Kauf gleich mit. Als die Käufer pleitegingen, brachen die Umsätze der Ausrüster ein. Wer heute von Zirkularität spricht, hat oft diese Episode im Kopf.
Wie das Geld die Runde macht
Der typische Ablauf hat drei Schritte. Erstens beteiligt sich ein großer Konzern an einem kleineren Unternehmen und überweist mehrere Milliarden. Zweitens verpflichtet sich dieses Unternehmen, für einen ähnlich großen Betrag Leistungen beim Geldgeber einzukaufen. Drittens verbucht der Konzern diese Einkäufe als normalen Umsatz.
Im KI-Bereich sind die eingekauften Leistungen meist Rechenzeit oder Spezialchips. Für das Training großer Sprachmodelle braucht man riesige Rechenzentren, und die vermieten genau jene Konzerne, die auch investieren. Manchmal fließt kein Bargeld, sondern es werden direkt Chips oder Serverkapazität eingebracht. Das nennt man eine Sachleistung statt einer Zahlung.
Wichtig ist die Abgrenzung: Zirkularität ist nicht automatisch Betrug. Ein Investor, der seinem Beteiligungsunternehmen auch Technik verkauft, handelt legal und oft sinnvoll. Problematisch wird es, wenn die Verflechtung im Geschäftsbericht nicht klar erkennbar ist. Buchhaltungsregeln verlangen dafür Angaben zu sogenannten nahestehenden Personen, also zu Geschäftspartnern mit engen Verbindungen zur eigenen Firma.
Zirkularität in den KI-Schlagzeilen
Am häufigsten fällt der Begriff im Zusammenhang mit dem Chiphersteller Nvidia und großen KI-Laboren. Nvidia investiert Milliarden in Firmen, die anschließend Nvidia-Chips oder Rechenzentren mit diesen Chips bezahlen. Auch Verträge zwischen Cloud-Anbietern und KI-Entwicklern werden so diskutiert. Cloud bedeutet dabei nur: Rechenleistung, die man in fremden Rechenzentren mietet.
Als Leser von Finanznachrichten erkennst du das Muster an bestimmten Formulierungen. Von einer strategischen Investition mit gleichzeitiger Liefervereinbarung ist die Rede, oder von einem Kunden, der zugleich Anteilseigner ist. Analysten fragen dann, wie hoch der Umsatzanteil dieses einen Partners ist. Liegt er im zweistelligen Prozentbereich, gilt das als Warnzeichen.
Ein verbreiteter Irrtum ist, Zirkularität mache alle Zahlen wertlos. Das stimmt nicht. Ein Teil der Nachfrage nach Rechenleistung kommt von völlig unbeteiligten Kunden, etwa Banken oder Softwarefirmen. Die Aufgabe besteht darin, beide Teile zu trennen. Genau deshalb ist der Begriff nützlich: Er hilft, gute Fragen zu stellen, statt Wachstum blind zu glauben.