
Emissionsgeschäft
Das Emissionsgeschäft ist die Ausgabe neuer Wertpapiere durch ein Unternehmen oder einen Staat, meist mit Hilfe von Banken. Diese begleiten die Ausgabe, bestimmen den Preis und verkaufen die Papiere an Anleger.
Unternehmen und Staaten brauchen regelmäßig Geld, zum Beispiel für neue Fabriken oder Straßen. Eine Möglichkeit, sich dieses Geld zu beschaffen, ist der Verkauf von Wertpapieren. Ein Wertpapier ist eine Urkunde, die dem Käufer einen Anspruch verbrieft: entweder einen Anteil am Unternehmen oder das Recht auf Rückzahlung eines Kredits mit Zinsen. Das erstmalige Ausgeben und Verkaufen solcher Papiere nennt man Emissionsgeschäft. Fast immer schalten die Geldsuchenden dabei eine oder mehrere Banken ein, die den Verkauf organisieren. Die Banken verdienen an einer Gebühr, die sie für diese Arbeit berechnen.
Warum Unternehmen dafür Banken brauchen
Ein Unternehmen könnte theoretisch selbst Anteile verkaufen. In der Praxis scheitert das an drei Dingen: Es kennt die großen Käufer nicht, es kann den richtigen Preis nicht einschätzen, und es kennt die Vorschriften nicht. Banken haben all das. Sie telefonieren seit Jahren mit Pensionskassen, Fondsgesellschaften und Versicherungen, also mit den Investoren, die große Summen bewegen.
Für die Wirtschaft insgesamt ist das Emissionsgeschäft ein zentraler Geldkanal. Ohne funktionierende Neuemissionen müssten sich Firmen fast nur über Bankkredite finanzieren. Das wäre teurer und würde große Investitionen bremsen. Auch Staaten hängen davon ab: Deutschland finanziert seine Schulden über regelmäßig ausgegebene Anleihen, also Kreditpapiere mit fester Laufzeit.
Für die Banken selbst ist das Geschäft eine wichtige Einnahmequelle. Bei einem Börsengang liegen die Gebühren oft bei zwei bis sieben Prozent der eingesammelten Summe. Bei einer Emission über eine Milliarde Euro sind das schnell zweistellige Millionenbeträge. Deshalb konkurrieren Investmentbanken hart um solche Mandate.
Vom Preisgespräch bis zur Zuteilung
Am Anfang steht die Prüfung. Die Bank sieht sich die Bücher des Unternehmens an und schätzt, was der Markt zahlen würde. Danach entsteht ein Prospekt, ein umfangreiches Dokument mit Zahlen, Risiken und Plänen. Aufsichtsbehörden müssen diesen Prospekt freigeben, bevor verkauft werden darf.
Dann folgt die Preisfindung. Beim üblichen Verfahren, dem Bookbuilding, nennt die Bank eine Preisspanne. Interessierte Investoren melden, wie viele Stücke sie zu welchem Preis nehmen würden. Aus diesen Meldungen entsteht ein Buch, aus dem sich der endgültige Preis ergibt. Ist die Nachfrage hoch, liegt der Preis am oberen Rand der Spanne.
Wichtig ist die Frage, wer das Risiko trägt. Bei einer festen Übernahme kauft die Bank alle Papiere selbst und verkauft sie weiter. Bleibt sie darauf sitzen, ist das ihr Verlust. Beim reinen Vermittlungsgeschäft bemüht sie sich nur um Käufer und haftet nicht. Die feste Übernahme ist für das Unternehmen sicherer und deshalb teurer.
Börsengänge und Anleihen in den Nachrichten
Am bekanntesten ist der Börsengang, im Finanzjargon IPO für Initial Public Offering. Dabei verkauft ein Unternehmen zum ersten Mal Aktien an das breite Publikum. Wenn in den Nachrichten steht, ein Chiphersteller sei zu 50 Dollar je Aktie an die Börse gegangen, war ein Emissionsgeschäft die Grundlage. Der oft zitierte Kurssprung am ersten Handelstag zeigt nur, dass der Ausgabepreis niedriger lag als das, was Käufer zahlen wollten.
Weniger spektakulär, aber viel größer im Volumen ist der Anleihemarkt. Fast täglich geben Konzerne und Staaten neue Anleihen aus. Meldungen wie 'Der Bund platziert eine zehnjährige Anleihe über vier Milliarden Euro' beschreiben genau solche Geschäfte. Auch grüne Anleihen, deren Erlös an Klimaprojekte gebunden ist, entstehen auf diesem Weg.
Ein häufiger Irrtum: Wer eine Aktie an der Börse kauft, gibt dem Unternehmen kein Geld. Das Emissionsgeschäft passiert nur einmal, auf dem sogenannten Primärmarkt. Danach wechseln die Papiere nur noch zwischen Anlegern den Besitzer. Das Unternehmen erhält davon keinen Cent mehr.